Produkttest: Onboard-Kameras Sieben aktuelle Helmkameras im Test

Motorradfahren ist Action. Aus Fahrerperspektive ein heißer Streifen. In Zeiten scheinbar unbegrenzter digitaler Möglichkeiten kann jedermann und jede Frau zum Internet-Moviestar werden. Sofern das Equipment stimmt. Sieben aktuelle Kameras zeigen, was sie können.

Foto: MRD

Ein Sinn findet sich immer. Zum Beispiel den eigenen Fahrstil zu verbessern durch Aufzeichnungen aus der Perspektive des hinterher Fahrenden. Manche Profifahrtrainer schwören darauf. Oder den Lieben daheim einmal das echte Gefühl einer Alpenpassfahrt mit unzähligen Serpentinen in Form von bewegten Bildern näher zu bringen.

 

Moderne und mittlerweile auch bezahlbare Onboard-Kameras machen das auch für Hobbyfilmer möglich. Braucht man das aber wirklich? Klare Antwort: Nein. Action-Kameras sind Spielzeuge für große Jungs, und genau darin liegt der Sinn: Sie machen Spaß.

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Foto: mps-Fotostudio

Ab einem Euro geht es bei obskuren Internetanbietern los, ab rund 100 Euro kosten Einsteigerpakete im Laden, ab 300 Euro sind Kameras in "Full-HD"-Qualität für anspruchsvolle Onboardfilmer im Angebot, und um 1000 Euro schlagen Produkte für den Rennsport zu Buche. Teurer bedeutet nicht zwangsläufig besser.

 

"Es ist schon krass, welche eklatanten Schwächen einige Kandidaten offenbaren", meint Markus Rutz, Onboard-Filmer beim Motorsport-Internetdienst Moto Monster (www.motomonster.de). Nach einem Spontankauf könne das zu großer Enttäuschung führen. "Mäßige Bildqualität, mangelhafte Halterungen, kryptische Bedienung - das Frustpotenzial ist enorm", sagt Rutz.

Foto: Queens

Andererseits ist es erstaunlich, wie rasant sich der Markt von Action-Kameras entwickelt. Noch vor wenigen Jahren beschäftigten sich nur eine Hand voll Freaks mit dem Thema. Mit riesigen und schweren Camcordern, mittels Metern von Klebeband auf Helm und Tank geschnallt, ging es auf die Rennstrecke, zum Crossen oder zur Kurvenhatz auf die Hausstrecke. Nicht gerade komfortabel. Die Ergebnisse in der Regel: verwackelt, verrauscht, grottenschlecht. Und das Publikum beschränkte sich, zumindest im Privatbereich, auf die vertrauten Kumpels, mit denen man ohnehin dauernd unterwegs ist.


Profifilmer arbeiten hingegen mit so genannten Fingerkamera-Systemen, bei denen Mini-Kameras an verschiedenen Stellen des Motorrads mit einem Aufnahmegerät verbunden werden. Beschert zwar Hochglanzqualität, etwa für Werbefilme, ist aber extrem teuer und aufwendig. Aktuelle, handliche Onboardsysteme mit ausreichend Speicherplatz lohnen hingegen auch für private Publikations-Plattformen wie den eigenen Blog, Youtube oder Facebook.

 

Wer in diesem medialen Kosmos etwas auf sich hält, braucht mindestens eine Kamera, um seine Onboard-Action zu filmen. Motorrad-Ausrüster wie Louis oder Polo beziehungsweise Elektronikanbieter à la Pearl, Mediamarkt oder Spezialisten wie Onvitech (Telefon 07195/79071106, www.onvitech.eu) bieten vernünftige Lösungen - sieben davon sind hier im Test, die weitgehend das Marktspektrum für Motorrad-Onboard-Kameras abdecken.

 

"Erstaunlich, was einige dieser kleinen Systeme leisten können. Noch vor wenigen Jahren hätte man für so eine Qualität eine ganze Truppe Profis engagieren müssen, nun kann jeder begabte Privatfilmer tolles Material liefern", erklärt Christian Jakubetz, Mediendozent und ehemaliger ZDF-Fernsehredakteur.

Foto: Queens

Videoqualität

"HD" heißt aktuell die Zauberformel. Das steht für "High Definition", also hohe Auflösung, und garantiert momentan die beste Bildqualität. "Full HD"-Filme mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln sind dann sehr sinnvoll, wenn die eigene Filmproduktion vorzugsweise auf dem Fernseher oder einem großen Monitor ausgestrahlt werden soll. Der Internetdienst Youtube bietet allerdings auch schon die Möglichkeit, seine Clips in Full-HD-Qualität ein- und abzuspielen.

Ganz klar: Bei "HD" liegt die Zukunft. Einsteiger sollten sich aber genau überlegen, ob ihnen das den hohen Einstiegspreis wert ist. Wer nur gelegentlich ein Renntraining oder die Hausrunde in bewegten Bildern einfangen möchte oder den Freunden schnell ein paar Eindrücke über den Mediaplayer vermitteln will, ist auch mit einer einfachen VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel) gut bedient. Und investiert für ein entsprechen-des System, das ebenfalls eine ansehnliche Bildqualität liefert, nur rund ein Drittel des Kaufpreises für aktuelle HD-Systeme. Wie gut ein Videoclip am Ende wird, hängt jedoch nicht nur von der Kamera und deren Optik ab. Insbesondere die mitgelieferten oder als Zubehör erhältlichen Befestigungen sind für die Güte des Films absolut entscheidend.

Die beste Elektronik-Hardware bringt nämlich wenig, wenn sie mit billigsten Plastikhalterungen befestigt wird, die das Bild zur unerträglichen Wackel- und Zitterpartie verunstalten. Sehr wichtig ist auch der Speicherplatz. Nur Midland, Contour und Aim spendieren von Haus aus zwei, beziehungsweise vier Gigabyte, bei den anderen Kameras muss man eine SD- oder Micro-SD erst dazukaufen.
Foto: Queens

Eine Zusatzkarte empfiehlt sich aber ohnehin, denn selbst 8GB-Karten sind bei voller HD-Auflösung nach rund 80 Minuten Onboard-Mitschnitt voll beschrieben. Größere Karten sind nicht sinnvoll, da die aktuellen Kameras diese nicht immer gut verwerten können. Weitere Probleme erwarten den Unbeleckten bei der Weiterverarbeitung am Computer. Möchte der Filmer sein Material in einem Schnittprogramm zubereiten, sollte er vorher checken, welcher so genannte Codec von der Kamera ausgegeben wird.

 

Die Programme (zum Beispiel Windows Movie Maker, Apple iMovie, Adobe Premiere, Avid Media Composer) können nur bestimmte Codecs wie "H.264" oder "Motion JPG" lesen, also auch hier besser vorab informieren! Alle nötigen Infos finden sich normalerweise in der Betriebsanleitung des jeweiligen Kamerasystems.

Foto: Youtube

Videos veröffentlichen

Sind alle Hürden bei Hardware und Software genommen, kann der Videoclip ins Netz gestellt werden. Um auf Youtube oder im eigenen Blog wirklich einen Treffer zu landen, bedarf es allerdings einer netten Aufbereitung. Doch Vorsicht: Anders als der Diavortrag im heimischen Wohnzimmer birgt eine Veröffentlichung im Netz die Gefahr, sich urheberrechtliche Schwierigkeiten einzuhandeln.

 

Wer sein Hobbyracer-Video mit musikalisch passenden Hits unterlegt, selbst, wenn es nur auf einer wenig beachteten Homepage publiziert wird, muss sich nicht wundern, wenn ein Anwaltsschreiben mit Geldforderungen ins Haus flattert. Immerhin gibt es im Internet und auch direkt bei Youtube für jedermann zugängliche Kontingente mit freigegebener Musik, so dass der Filmemacher nicht seine Blockflöte rauskramen muss.

Und auch bei der Produktion des Rohmaterials ist nicht alles erlaubt, was Spaß macht. Auf manchen Rennstrecken, etwa der Nürburgring-Nordschleife, müssen sich auch Privat-Onboardfilmer vorab eine "Drehgenehmigung" einholen. Gleiches gilt für Amateurrennen des Deutschen Motorsportbundes (DMSB) oder bei lokalen Veranstaltern, bei denen Privatfahrer ohne Lizenz teilnehmen. Auch hier gilt: erst fragen, dann filmen. Denn die Bildrechte liegen in der Regel bei den Veranstaltern (die eine Genehmigung jedoch nur selten verweigern), und außerdem müssen die Technischen Kommissare vor den Läufen das Motorrad mit fertig installierter Onboardkamera zunächst prüfen und abnehmen. Michael Gramm vom DMSB: "Wenn irgendwelche Teile der Kamera abfliegen, im Rennen durch die Luft wirbeln und dadurch andere gefährden, ist das allein schon aus versicherungstechnischer Sicht heikel. Deshalb checken wir die Onboard-Kameras vorher."
Foto: Queens
Trotz der beschriebenen Stolpersteine, ist der Einstieg in die Onboardfilmerei auch für technische Laien kein Hexenwerk. Mit jedem Videoclip mehren sich die Erfahrungswerte, und schon bald hat der Nachwuchs-Hobbyregisseur den Dreh raus, wie man tolle Aufnahmen hinzaubert. Und gibt es etwas Schöneres, als mit Popcorn und Cola vom eigenen Action-Streifen an den Sessel gefesselt zu werden? Wohl kaum. Oder doch: die echte Fahrerperspektive.
Foto: mps-Fotostudio

AIM Smartycam

Anbieter: memotec GmbH

Telefon: 07260/920440

www.aim-sportline.com

Preis: 1047,20 Euro

Auflösung: 720 x 400

Max. Aufnahmewinkel: 84 Grad

Max. Bildwiederholfrequenz: 30 fps

Dateiformat: AVI (H.264)

Speicher: MicroSD-Karte

Größe in mm (HxBxT): 122 x 47,5 x 46,5

Gewicht*: 235 g

Lieferumfang: Ladegerät, MicroSD-Karte (4GB), DMSB-Haltekit, Bedienungsanleitung, Software, USB-Kabel, Anschlusskabel (12V oder CAN)

*MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse 

Video- und Tonqualität:

Konturen für geringe Auflösung vergleichsweise scharf, kaum Rasterbildung oder Artefakte. Die Farben sind natürlich, das Video wirkt sehr flüssig. Ton ist allgemein eher gedämpft und mit vereinzelten Aussetzern. Windgeräusche sind vorhanden, wirken aber nicht störend und lassen Motorcharakteristik erahnen.

 

Befestigung:

Mitgelieferte DMSB-Halterung wenn überhaupt nur an Gabel anzubringen, Zusatzsicherung wird dringend empfohlen. An Testmotorrädern war keine Möglichkeit zur Montage. Nicht praxisgerecht.

 

Bedienbarkeit:

Grundfunktionen dank Farbdisplay und logischem Menü einfach zu bedienen. Problemlose Ausrichtung der Kamera über Vorschaubild.

 

Verarbeitung:

Sehr robustes, teilweise gummiertes Gehäuse. Kamera ist die schwerste im Testfeld.

 

Fazit: GPS, Beschleunigungssensor und Schnittstelle zur Bordelektronik machen aus der Smarty Cam eine Hightech-Kamera für den Rennsport. Für Freizeit-Fahrer wegen komplexer Technik, unzureichen-der Befestigung und enormem Preis jedoch nicht zu empfehlen.

 

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

 

Onboard-Testvideo: AIM SmartyCam


Foto: mps-Fotostudio

Camsports Nano

Anbieter: Camsports

Telefon: 0033/474/535275 www.camsports.com

Preis: 139 Euro

Auflösung: 736 x 480 Max.

Aufnahmewinkel: 74 Grad

Max. Bildwiederholfrequenz: 25 fps

Dateiformat: AVI (Motion JPG)

Speicher: 4GB intern

Größe in mm (HxBxT): 18 x 18 x 68

Gewicht*: 22 g

Lieferumfang: Helmhalterung, Brillenhalterung, USB-Kabel

*MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse 

Video- und Tonqualität:

Das Bild wirkt insgesamt trüb, die Farben sehr blass. Bei schnellem Hell-Dunkel-Wechseln regelt die Belichtungssteuerung ruckartig und mit Verzögerung. Bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen wenig Überblendungen. Teilweise Wellenbildung im Bild. Windgeräusche sind übersteuert, Motorengeräusche jedoch hörbar.

 

Befestigung:

Einfache und schnelle Montage via Klettverschluss- Halterung und Klebeband. Bedingt durch geringe Gehäusegröße und Gewicht universell anbringbar. Zusatzsicherung nicht nötig.

 

Bedienbarkeit:

Ausrichtung aufgrund der Bauform nicht eindeutig. Bedienung über zwei unbeschriftete Tasten nicht intuitiv. Achtung: Hintere Taste löscht den Speicher! LED-Anzeige bei viel Licht schlecht zu erkennen.

 

Verarbeitung:

Ausreichend robust, Speicher und Akku jedoch ausschließlich integriert.

 

Fazit Der Winzling im Testfeld besticht durch geringe Größe und geringes Gewicht. Mit doppelseitigem Klebeband wirklich überall montierbar. Verbesserte Videoqualität und einfachere Bedienbarkeit könnten die Nano zum Universalgerät machen.

 

MOTORRAD-Urteil: ausreichend

 

Onboard-Testvideo: Camsports Nano 

 


Foto: mps-Fotostudio

Contour HD 1080p

Anbieter: PDA-Solutioncenter GmbH

Telefon: 089/540456512 www.contour.com

Preis: 349 Euro

Auflösung: 1080p = 1920 x 1080

Max. Aufnahmewinkel: 135 Grad

Max. Bildwiederholfrequenz: 60 fps (bei 720p)

Dateiformat: MOV (H.264)

Speicher: MicroSD-Karte

Größe in mm (HxBxT): 53 x 34 x 95

Gewicht*: 128g

Lieferumfang: MicroSD-Karte (2GB), Brillenhalterung, Montageplatten zum Aufkleben, USB-Kabel, Lithium-Ionen-Akku, Bedienungsanleitung

*MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse  

Video- und Tonqualität: Hochauflösende und sehr flüssige Aufnahmen. Farbbrillianz und Kontrast ein Tick geringer als bei Go Pro. Bild wirkt teilweise ein wenig stumpf. Bei starken Kontrasten (Asphalt/Himmel) regelt Blende nicht ganz sauber. Fahrgeräusche und Motorcharakteristik gut zu erkennen, dennoch etwas stärkere Windgeräusche als bei Go Pro.

 

Befestigung:

Anbringung über Klebepad und Klettverbindung einfach und sehr schnell. Keinerlei Bewegungsspiel in Halterung, selbst bei Rennsporteinsatz Zusatzsicherung nicht notwendig.

 

Bedienbarkeit:

Gute Ausrichtung über Laser-Punkte und stufenlos drehbare Linse. Dank großem Schieber auch mit Handschuhen gut bedienbar. Bildwiederholfrequenz nur über Computer einstellbar.

 

Verarbeitung:

Sehr robustes und hochwertiges Gehäuse und Tasten. Fazit

 

Fazit: Die Contour HD 1080P gehört zu den Spitzenreitern im Test. Die Videos sehen super aus, die Kamera ist sehr hochwertig und die Ausrichtung einfach. Dennoch fehlt ihr fast in allen Punkten ein Tick auf den Testsieger.

 

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

 

Onboard-Testvideo: Contour HD 1080p


Foto: mps-Fotostudio

GoPro HD Hero

Anbieter: Grofra GmbH

Telefon: 06434/2008200 www.goprocamera.com

Preis: 309,95 Euro

Auflösung: 1080p = 1920 x 1080

Max. Aufnahmewinkel: 170 Grad (bei 960p)

Max. Bildwiederholfrequenz: 60 fps (bei 720 p)

Dateiformat: MPEG4 (H.264)

Speicher: SD-Karte

Größe in mm (HxBxT): 42 x 60 x 30

Gewicht*: 167 g

Lieferumfang: Wasserfestes Gehäuse, Montageplatte zum Aufkleben, USB-Kabel, Komponenten-Videokabel, analoges Audio- Out-Kabel, Lithium-Ionen-Akku, Bedienungsanleitung

*MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse  

 

Video- und Tonqualität:

Hochauflösendes Video mit scharfen Konturen und guten Detailzeichnungen. Farben sind satter als bei der Contour, Regelung im Wechsellicht könnte etwas besser sein. Der Ton ist basslastig und leicht gedämpft, wenige Störgeräusche durch Fahrtwind. Zweiter Gehäusedeckel für höhere Geschwindigkeiten im Lieferumfang.

 

Befestigung:

Gut anbringbar, jedoch wegen der Bauform etwas sperrig. Klebehalterung äußerst stabil, keine Zusatzsicherung notwendig.

 

Bedienbarkeit:

Ausreichend viele Einstellmöglichkeiten vorhanden, Menüführung jedoch nicht selbsterklärend. Größter Aufnahmewinkel im Test.

 

Verarbeitung:

Gut durchdachte und stabile Gehäusekonstruktion, die jedoch schwer zu öffnen ist.

 

Fazit: Eine auf den ersten Blick komplizierte Menüführung schreckt ab. Gute Verarbeitung, sehr gute Video- und Tonqualität und ein riesiger Aufnahmewinkel bringen dennoch den Testsieg. Erstklassig: das umfangreiche Zubehör- und Nachrüstprogramm von Go Pro.

 

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

 

Onboard-Testvideo: GoPro HD Hero


Foto: mps-Fotostudio

Highpeq Speedcam SC-130

Anbieter: PST International GmbH

Telefon: 02064/47590 www.highpeq.com

Preis: 79 Euro

Auflösung: 640 x 480

Max. Aufnahmewinkel: 74 Grad Max.

Bildwiederholfrequenz: 30 fps

Dateiformat: AVI (Motion JPG)

Speicher: MicroSD-Karte

Größe in mm (HxBxT): 105 x 45 x 37

Gewicht*: 103 g

Lieferumfang: Klemme, Lenkerhalterung, Helmband, Adapter für HR Vier-Krallen-System, Bedienungsanleitung

*MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse 

 

Video- und Tonqualität:

Starke Rasterung der Konturen, Bild weist teils Farbveränderungen und starke Verwacklungen auf. Sehr starke Übersteuerung der Fahr- und Windgeräusche, ab Tempo 50 bei der Aufzeichnung keine Motorgeräusche mehr auszumachen.

 

Befestigung:

Mitgelieferte Lenkerhalterung sehr instabil. Motor- vibrationen und Fahrtwind führen zu Verwacklungen: Halterung kann sich verstellen. Mitgelieferte Befestigungen nicht für Motorräder zu empfehlen.

 

Bedienbarkeit:

Alle Funktionen über gummierte Tasten schnell und einfach zu bedienen. Status-LED auch bei hellem Licht gut ablesbar. Speicherkarte unter Gehäuse platziert, hoher Kraftaufwand erforderlich.

 

Verarbeitung: Recht robustes, teilweise gummiertes Kunststoffgehäuse.

 

Fazit: Größtes Manko der Speedcam sind die unzureichenden Befestigungsmöglichkeiten. Zu wenig Stabilität in der Halterung führt zwangsläufig zu schlechten Aufnahmen. Diese groben Mängel kann selbst der günstige Preis nicht wieder gutmachen.

 

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

 

Onboard-Testvideo: Highpeq Speedcam SC-130

 


Foto: mps-Fotostudio

Midland XTC-100

Anbieter: Alan Electronics GmbH

Telefon: 06103/94810 www.alan-electronics.de

Preis: 129,90 Euro

Auflösung: 640 x 480

Max. Aufnahmewinkel: 140 Grad

Max. Bildwiederholfrequenz: 30 fps

Dateiformat: AVI (Motion JPG)

Speicher: MicroSD-Karte

Größe in mm (HxBxT): 85,2 x 30,3 x 42,2

Gewicht*: 86 g

Lieferumfang: Skibrillenhalterung, Fahrradhelmhalterung, Lenkerbefestigung, Motorradhelmhalterung, 2 x AAA Alkaline, USB-Kabel, MicroSD-Karte (2GB) + SD-Adapter

 

*MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse  

 

Video- und Tonqualität:

Die Aufnahme ist sehr flüssig, es gibt fast keine Verwacklungen. Die Blende regelt bei Änderung der Lichtverhältnisse sehr weich. Die Konturen sind stark scharfgezeichnet, teilweise grobkörnig. Die Farben geraten etwas zu knallig.

 

Befestigung:

Durchdachte Rätschenhalterung für Lenker funktioniert dank gummierter Innenseite sehr gut (im Test auch am Supersportler). Lenkerhalterung sowie Klebepad äußerst stabil, universell anbringbar und ohne Bewegungsspiel.

 

Bedienbarkeit:

Kameraausrichtung ohne technische Hilfsmittel (Laser/Display). Simple Bedienung über nur einen Schieber. Status-LED etwas zu klein.

 

Verarbeitung:

Wertiges Kunststoffgehäuse.

 

Fazit: Die XTC-100 wirkt wie die kleine Schwester der teuren Contour. Trotz kleinerer Bildqualitätsdefizite liefert sie ein ansehnliches Rohmaterial. Umfangreiche Befestigungen und hohe Benutzerfreundlichkeit machen aus ihr eine günstige Alternative zu den HD-Kameras.

 

MOTORRAD-Urteil: gut

 

Onboard-Testvideo: Midland  XTC-100 Action Camera

 


Foto: mps-Fotostudio

Oregon ATC 5K

Anbieter: Oregon Scientific

Telefon: 00800/10033100 www.oregonscientific.de

Preis: 149,90 Euro

Auflösung: 640 x 480

Max. Aufnahmewinkel: 53 Grad

Max. Bildwiederholfrequenz: 30 fps

Dateiformat: AVI (Motion JPG)

Speicher: SD-Karte

Größe in mm (HxBxT): 65 x 50 x 115

Gewicht*: 215 g

Lieferumfang: USB-Kabel, AV-Kabel, Infrarot-Fernbedienung, Bedienungsanleitung, 2 x 1,5 V Mignon, Helmhalterung, Lenkerhalterung, Klettband, Helmgurt, Webcam-Fuß, Tasche

 

 *MOTORRAD Messungen, inklusive Akkus und Gehäuse  

 

Video- und Tonqualität:

Insgesamt ist das Video ruckelig, mit wenig Details in hellen und dunklen Bereichen. Die Blende regelt langsam, und Rasterungen im Bild stören den Gesamteindruck. Starke Windgeräusche ab 50 km/h und nur wenige Motorgeräusche prägen den Ton.

 

Befestigung:

Lieferumfang zwar sehr umfangreich, für Anbau am Motorrad größtenteils aber nicht praktikabel. Lenkerhalterung nur an Rohrlenker anzubringen. Aufnahmen über den Tachorand kaum möglich.

 

Bedienbarkeit:

Selbst- erklärende Menüführung, Ausrichtung dank Display sehr gut.

 

Verarbeitung:

Relativ großes, robustes Gehäuse. Aufnahme auch mit Handschuhen bedienbar.

 

Fazit: Dank gutem Display erhält die ATC 5K volle Punktzahl bei der Be dienbarkeit. Jedoch sind die aufgezeichneten Videos im Vergleich nicht schön anzuschauen. Da helfen auch keine technischen Spielereien wie Webcam-Funktion oder Fernbedienung.

 

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

 

Onboard-Testvideo: Oregon ATC 5K

 


Foto: mps-Fotostudio

Richtige Montage

Regel Nummer eins: Die Kamera möglichst an gedämpft gelagerten Motorradteilen montieren, die im Bild keine Unruhe erzeugen. Die beste Kamera nützt nichts, wenn vibrierende Verkleidungsteile zu verwackelten Bildern führen. Zusätzlich kann ein fester Gegenstand im Bild Wunder bewirken. Linse also so ausrichten, dass ein leicht angeschnittener Helm, der Tacho oder das vordere Schutzblech am Bildrand zu sehen ist.

Das sorgt auch bei ansonsten unruhigen Aufnahmen für ein ansehnliches Ergebnis. Die richtige Wahl der Halterung (Alternativen zu den Originalhalterungen sind je nach Kamera als Zubehör erhältlich) ist übrigens nicht nur für die optimale Ausrichtung wichtig, sondern entscheidet darüber, wie verlustsicher die Kamera angebracht ist. Vorsicht bei Saugnapfhalterungen! Schon bei kleinsten Verschmutzungen und Vibrationen kann sich die Halterung während der Fahrt lösen.

Lieber die Kamera zusätzlich mit Kabelbinder, Tape oder Draht sichern. Im Test hat sich die Montage per Montageplatte und Klebepad (Kauftipp: Doppel-Klebeband VHB 4991 von 3M) bewährt.

Tipp für Offroader: Die Zubehör-Brustgurthalterung der Gopro liefert selbst im Gelände relativ ruhige Bilder bei spannendem Bildausschnitt.

 

 


Foto: Queens

Kameras aus dem Internet

Bei Ebay, Amazon und ähnlichen Internetdiensten bieten so genannte Powerseller, kleinere Elektronikläden oder auch Privatverkäufer Billigware an, deren Herkunft kaum nachvollziehbar ist. Die Anbieter importieren in Eigenregie ein paar Kartonladungen aus Fernost, viele der Kameras kosten unter 50 Euro.

Da keine offiziellen Distributoren sich um den Service kümmern (Hotline, Garantiefälle, Reparaturen etc.) empfehlen sich solche Billigkameras nur für Frickler, die wissen, wo sich etwa passende Treiber oder Anschlüsse auftreiben lassen.

In verschiedenen Internetforen wurde die oben ins Bild gerückte, namenlose Minikamera heiß diskutiert. Beim kaum vorstellbaren Preis von nur einem Euro (plus Versand) wollte MOTORRAD wissen, was dieses "Kaugummiautomatenprodukt" taugt. Das Ergebnis erstaunte: Erste Tests überzeugten durch eine hohe Bildqualität, außerdem ließ sich die federleichte (unter 20 Gramm) und ultrakompakte (so groß wie ein Schlüsselanhänger) Kamera mit Doppelklebeband (keine Halterung im Lieferumfang!) fast überall am Motorrad fixieren.

Allerdings störte das fix ein-geblendete Datum das Bild, und schon nach wenigen Anwendungen verweigerte die Kleine bei der entscheidenen Vergleichstestrunde den Dienst, fiel deshalb aus der Wertung. Fazit: als Einweg-Kamera okay für Einsteiger.
Foto: Jakubetz

Interview mit einem Experten

Herr Jakubetz, Sie werden zum Filmabend eingeladen: Onboard-Fahrt am Deich entlang. Freuen Sie sich schon?
Um Himmels willen, nein! Grundsätzlich ist die Onboard-Perspektive zwar mitreißend, aber nicht nur die sture Geradeausfahrt am Deich, sondern auch die spannendsten Kurvenfahrten werden unheimlich schnell langweilig. Der Denkfehler vieler: Das einmalige Gefühl auf dem Motorrad könne eins zu eins im Film reproduziert werden. Beim Video spürt man aber keinen Fahrtwind, das ist leider so. Das Rohmaterial macht selten an und ist nur gut für wenige Sekunden. Ist bei Fernsehprofis übrigens auch nicht anders. Oder haben Sie bei der Formel 1 schon einmal minutenlang Schumis Helmperspektive gesehen?

Okay, schon verstanden. Aber wie bekommt das Video denn nun die richtige Würze?
Das verlorene echte Fahrgefühl muss ersetzt werden. Rasante Fahrt, rasante Musik, ruhige Landschaft, leise Melodien. Am besten mischt man zur untermalenden Musik Fahrgeräusche, unter Umständen sogar jubelnde Lautäußerungen oder ähnliches dazu, wenn es denn passt. Ein simples Schnittprogramm besitzt jeder moderne Computer von Haus aus, und jeder Laie kann unter die Videospur eine Tonspur mit Musik legen. Einfach ausprobieren! Es ist erstaunlich, wie das den Clip aufpeppt.

Und was raten Sie als Profi fortgeschrittenen Filmern?
Lässt man mal die Anschaffungskosten außer Acht, helfen viele Kameras natürlich auch viel. Mehrere Perspektiven schaffen eine größere Vielfalt beim Rohmaterial, daraus wiederum ergibt sich naturgemäß eine bessere Gesamtqualität, ohne gleich ein ganzes Filmteam dabei zu haben. Immer bedenken: Für eine Videominute benötigt man mindestens zehn Minuten Rohmaterial. Bei dokumentierten Reisen ist eine kompakte, zusätzliche Handkamera sehr dienlich. Sogar Aufnahmen mit einem Smartphone können taugen. Einfach mal anhalten und über das Meer, den See oder die Berge ein Panorama schwenken.

Eventuell kurze Wortbeiträge aufzeichnen oder später beim Schnitt so genannte Schwarze Tafeln mit Infos einbauen. So fällt es dem Zuschauer leichter, die jeweilige Szene einzuordnen. Hilfreich als Stilmittel sind auch Zeitraffer oder Zeitlupe, die sogar aus der langweiligsten Deichfahrt noch etwas Sehenswertes herausholen. Action und ruhige Szenen sollten geschickt komponiert werden. Der eigentlich Tipp ist jedoch: Weniger ist mehr! Auch wenn man dazu neigt, in die eigenen Bilder verliebt zu sein, man muss sich von ihnen trennen können.


Wie lang sollte ein Video denn maximal sein?
Bei reinen Onboard-Perspektiven nicht mehr als zwei Minuten. Und selbst perfekt komponierte Videoclips sollten geschnitten nicht länger als sieben Minuten sein. Ansonsten schaltet sogar der hartgesottenste Youtube-Nutzer ab!

Die 5 größten Fehler

1. Kamera falsch ausgerichtet
Verdammt doof, wenn die Rennrunde  zwar perfekt gelungen ist, im Video nachher aber nur blauer Himmel und ein paar Wolken zu sehen sind. Deshalb lieber vor der Aufnahme prüfen, in welche Richtung die Linse zeigt und welchen Ausschnitt die Kamera filmt.

2. Datenspeicher und Akkuleistung nicht im Blick
Unterwegs auf dem einmaligen Traumpass, plötzlich setzt mittendrin die Aufnahme aus, weil der Strom ausgeht oder die Karte mit veraltetem Material vollgeschrieben ist. Keine Lademöglichkeit und Ersatzkarte in der Nähe? Wie ärgerlich!

3. Crash-Gefahr
Wer meint, nur weil eine Kamera läuft, mittels eines rasanten Fahrstils besonders spektakuläre Bilder zu liefern, wird es früher oder später auch tun – in Form eines Sturzes. Cool bleiben, flüssig fahren, die Kamera am besten komplett vergessen, dann wird der Film am besten.

4.Kamera über Bord!
Über Stock und Stein oder mit Vollgas über die Rennstrecke, juhu! Dumm nur, wenn sich die Kamera während der Fahrt verabschiedet, weil sie ohne Zusatzsicherung wie festes Klebeband montiert wurde. Regel: Vertraue nie allein den Originalhalterungen.

5. Rechtliche Folgen  
Ist das Video online, kann (und soll) jeder mitgucken. Natürlich gehören auch Polizei und Gema-Kontrolleure zum Publikum. Fahrten jenseits der StVO-Regeln und als Soundtrack die neuesten Top-Ten-Hits, tja, da sollte man sich nicht wundern, wenn unerfreulicher Besuch vor der Tür steht.
Foto: Queens

So testet MOTORRAD

Tatkräftige Unterstüzung bekamen die MOTORRADonline-Videoproduktioner von den erfahrenen Onboard-Filmern vom Internetdienst Moto Monster. In Kooperation haben die Tester Filmteams gebildet und die einzelnen Kameras an Enduros auf dem Track in Villars/Frankreich und an Rennmaschinen und Helmen auf dem Hockenheimring erprobt.

Ausschlaggebend: die gefilmten Fahrten auf einer Kawasaki Z 1000 und einer BMW S 1000 RR auf einer definierten Landstraßenrunde über die Schwäbische Alb mit Walddurchfahrten (Wechsellicht) und weitläufigen Straßenverläufen (Landschaft), die an einem kalibrierten Bildschirm und mit Studioboxen ausgewertet wurden.
Foto: MRD

Fazit

Die HD-Kameras räumen souverän ab, da unterm Strich ein richtig schönes Bild eben doch entscheidend ist. Midland bietet eine gute Preis-Leistung und demnächst ebenfalls neue Modelle in HD-Qualität.  Highpeq und Oregon wohl auch. Man darf gespannt sein, was die Zukunft bringt.

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