Prüflabor (Archivversion) Prüflabor

Showdown auf dem Schwungmassenprüfstand der Firma Magura im schwäbischen
Urach: Hier wurden die Testkandidaten bis an ihre Belastungsgrenze gefordert.

Nur im Labor lassen sich Bremskomponen-ten bei absolut identischen Bedingungen vergleichen. Im Fall des Bremsbelagtests erhielt MOTORRAD tatkräftige Unterstützung von der
Magura-Versuchsabteilung. Auf deren hochmodernem Schwungmassenprüfstand, der auch einer Panzerbremse gewachsen wäre, prüften die
Spezialisten unter MOTORRAD-Aufsicht alle zehn Testbeläge nach einem zuvor abgesprochenen
Versuchsablauf.
Zunächst wurde der Aufbau festgelegt. Statt mit einer Doppelscheibenbremse, wie bei der YZF-R1 serienmäßig im Vorderrad, lief der Versuch mit nur einer Yamaha-Scheibe und einer Original-Bremszange. Die von den Schwungscheiben simulierte Fahrzeugmasse wurde entsprechend auf exakt
131 Kilogramm fixiert, was dem halben Gesamtgewicht (Fahrzeug plus Fahrer) entspricht.
In mehreren Vorab-Versuchsreihen legten die Bremsen-Spezialisten den Druck im Bremssystem auf
17 bar fest und wählten die Maschinendrehzahl so, dass sie umgerechnet einer Fahrgeschwindigkeit von 100 km/h entsprach. Bei optimaler Reibpaarung (Belag/Scheibe) lassen sich mit dem vorgegebenen Bremsdruck Verzögerungen im Bereich von 10 m/s2 erreichen, wie sie sich auch in der Praxis bei einer Vollbremsung auf griffiger Straße realisieren lassen.
Nachdem Messaufbau und -parameter feststanden, begannen die entscheidenden Laborversuche. Die frischen Testbeläge wurden nacheinander montiert und erhielten jeweils eine neue Bremsscheibe,
um identische Voraussetzungen zu gewährleisten.
Nach 19 Einlaufbremsungen mit leicht vermindertem Bremsdruck (15 bar) wurde dieser auf 17 bar erhöht, und es folgten fünf Vollbremsungen bei
trockenen Bedingungen. Anschließend spülten zwei Düsen im Dauerbetrieb reichlich Wasser auf die Bremsscheibe, um eine Regenfahrt zu simulieren, während der ebenfalls fünf Vollbremsungen stattfanden, deren Datenaufzeichnungen für die Bewertung jedoch keine Rolle spielten. Nach 40 weiteren Vollbremsungen bei Trockenheit schlossen sich die für die Auswertung relevanten Messungen zunächst bei trockenen und anschließend bei nassen Bedingungen an, die wieder jeweils aus fünf Vollbremsungen bestanden. Nach dem letzten der insgesamt
79 Bremsvorgänge endete für jeden Testbelag die Schinderei, und die nächste Bremsscheiben/-belagpaarung kam an die Reihe.
Für die Punktevergabe der Laborversuche (siehe Kasten auf Seite 70 unten) diente jeweils der Mittelwert beziehungsweise die mittlere erreichte Ver-
zögerung (in m/s²) aus den jeweils fünf Vollbremsungen bei Trockenheit und Nässe. Der Bremskraftverlauf während der einzelnen Datenaufzeichnungen (ansteigend, abfallend oder konstant) spielte punktemäßig keine Rolle.

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