Ratgeber Werkstatt: Kleine Blinker montieren Blinkerumrüstung beim Motorrad

Mini-Blinker sind die Nummer eins der Umbau-Hitparade. Praktische Gründe zur Umrüstung gibt’s nur selten. Aber ein überzeugendes Argument wiegt schwer: Die Kleinteile sehen einfach sehr viel besser aus. Was beim Anbau zu beachten ist, steht in dieser Geschichte.

Foto: Schermer

Blinkerumrüstung

Individualisierung durch Blinkerumrüstung ist in den letzten 15 Jahren ein großes Thema geworden. Begonnen hat damit der Aachener Kellermann, die von ihm hergestellten „Kellermänner“ sind nicht nur Trendsetter, sondern auch heute führend, was Design, Auswahl, Zubehör und Endverbraucher-Service (!) angeht. Für jeden Maschinentyp gibt’s bei Kellermann kleine, größere, runde, flache, spitze, eckige, längliche, knubbelige oder sonst noch was Nachrüstblinker und auf der Homepage jede Menge Blinkertipps (www.kellermann-online.com).

Neben den preislich weit oben angesiedelten Kellermännern (Stückpreis 50 bis 90 Euro plus Anbau- und Verkabelungsteile) gibt es in den Zubehörshops von Louis, Polo, Gericke und Co. einfacher gestrickte Nachrüstblinker sowie das nötige Zubehör. Diese Teile sind in der Regel „Made in China“ oder „Taiwan“, was den Perfektions-Freak durchaus stören kann, wenn er sich mit Lupe und dem gewissen „Ich-weiß-alles-besser-Blick“ daran setzt und kleinste Details untersucht.

Seit einiger Zeit bieten auch viele markengebundene Motorradhändler Blinker-Markenzubehör an, die an ihre Maschinen passen. Was den Vorteil hat, dass man beim Markenhändler vorab mal nachfragen kann, was es für die und die Maschine passend (!) gibt und was es kostet (!!). Markenzubehörblinker liegen preislich ungefähr zwischen Kellermann und Zubehörshop. Doch egal, ob Edel-, Discount- oder Originalzubehör-Teil: Es gilt, ein paar grundsätzliche Dinge bei Beschaffung und Anbau zu berücksichtigen.

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Mechanisches und elektrisches Zubehör

Schauen Sie sich genau an, wie die serienmäßigen Blinker befestigt sind. Die neuen Blinker sind meist mit M8- oder M10-Gewindestücken ausgestattet, während die alten Blinker entweder mit stabilen Klick-Steck-Halterungen oder irgendwie anders mit vibrationsabsorbierenden Gummiplättchen und Formteilen in großen, oft rechteckigen Bohrungen befestigt sind. Für die neuen Blinker können Sie generell keine Befestigungsteile der bisherigen Blinker verwenden.

Es gibt so genannte „Spacer“, das sind Zwischenteile in entsprechender, zum alten „Loch“ in der serienmäßigen Verkleidung, Lampen- oder Nummernschildhalterung passender Form. Spacer sind paarweise erhältlich; hinten auf der Packung steht, für welches Modell und welches Modelljahr sie passen. Und wenn Sie die Packung aufreißen und denken, dass diese Scheibe vorne und die andere hinten reingehört, sie aber nicht passt, dann nehmen Sie bitte weder Hammer noch Zange, um die Scheibe auf- oder einzutreiben, sondern schauen mal nach, ob die andere vielleicht ein klein wenig kleiner ist als die, die nun verdammt noch mal nicht passt. Denn trotz gleicher Fertigungstypnummer hatten wir in unseren Anbausets Spacerteile, die eben nicht gleich groß waren! Und wenn’s dann immer noch nicht passt, nehmen Sie eine kleine Feile und machen den Spacer sorgfältig passend. Immer daran denken: Nicht zu viel abfeilen, denn was weg ist, ist weg…

Auch brauchen Sie Verbindungskabel: und zwar von den Steckern, die am Kabelbaum befestigt sind, zu den neuen Blinkern. Dazu gibt es Zwischenstücke („Adapter“). NICHT DIE STECKER AM BORDEIGENEN KABEL ABZWICKEN - wir wissen ja, was weg ist, ist weg...

Weil die Steckerchen meistens in Kunststofftüllen sitzen und ziemlich fest packen sollen, testen Sie VOR dem Zusammenstecken der Steckerteile („Vater“ heißt der Stecker, „Mutter“ die Steckdose), ob die Kabelenden auch wirklich fest mit Vater und/oder Mutter verpresst sind: Anschauen und etwas dran ziehen schafft Klarheit. Wenn zu lose, mit einer speziellen „Steckerzange“ nachquetschen.

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Foto: Schermer

Blinkrelais und Widerstände

Jetzt kommen wir zu zwei entscheidenden Bauteilen, die beim Einkauf von Nachrüstblinkern meist „vergessen“ werden.

  • Blinkrelais: Sie wissen nicht, welches Blinkrelais eingebaut ist? Nachsehen im Fahrzeughandbuch, Markenhändler fragen oder das Blinkrelais selbst suchen, wo es eingebaut ist. Je nach Art des Blinkrelais gibt es solche mit zwei oder drei Anschlusssteckern. Auf dem Gehäuse ist der Typ aufgedruckt. Je nach Art und Typ der neuen Blinker ist es ziemlich wahrscheinlich, dass das serienmäßige Blinkrelais gegen ein spezielles ausgewechselt werden muss. Ganz kritisch wird es bei neuen Maschinen, die ein vollelektronisches Cockpit haben, bei dem das Blinkrelais fester Elektronikbestandteil der Innereien ist, also kein extra Bauteil. Auch wenn die Blinkkontrolle nur eine Leuchte ist und keine für rechts und links getrennte Anzeige hat, ist höchste Alarmstufe geboten.

     

        Es soll bei neuen, mit Elektronik vollgestopften Maschinen schon vorgekommen sein, dass beim ersten Test von Nachrüstblinkern die komplette Instrumentenmimik hochgegangen ist. Das dann benötigte Ersatzteil (bzw. das komplette Cockpit) kann durchaus in der Preislage 1000 oder mehr Euro liegen - die schöne neue Computerzeit und die neuen BMWs, Harleys und Ducatis mit Can-Bus-Elektronik bzw. Single-Wire-System lassen grüßen.

        • Und dann die Sache mit den Widerständen: Wenn die serienmäßigen Blinker mit 10-Watt-Lampen bestückt sind, die Wunschblinker aber nur 6 oder 4,3 Watt (LED) haben, dann ist der Blinkrhythmus zu schnell. Es müssen dann pro Blinker entsprechende Widerstände in die Kabel zwischen den Steckern am Kabelbaum und am Blinkerkabel eingebaut werden.
        • Wichtig: Wenn die Blinker blinken, werden diese Widerstände warm. Deswegen sollen sie nicht in direktem Kontakt zu Kunststoffteilen angebaut werden, sondern möglichst mit entsprechendem Freiraum.
        Foto: Schermer

        Erster Test

        Stichwort: „Vorher probieren!“ Noch haben wir die alten Blinker nicht abgebaut. Stattdessen: Zugang zur Fahrzeugbatterie schaffen. Ihre Anschlüsse freilegen (aber nicht abschrauben!). Die Kabel der neuen Blinker mit den zwischengeschalteten Widerständen mal an die Batteriepole anlegen (Rot ist „Plus“, Schwarz ist „Minus“) und schauen, ob sie leuchten. Das nennt man Funktionskontrolle. Die Zündung braucht man dazu nicht einschalten.

        • Jetzt nach den Steckern der serienmäßigen Blinker suchen: Am besten hinten, da ist am wenigsten zu schrauben, man kommt meist durch Abnehmen der Sitzbank an die Stecker. Stecker eines Blinkers auseinanderziehen und nun die neuen Teile anschließen: Adapter, Widerstand, Blinker. Dann Zündung EINschalten, Blinker betätigen und gucken: Der neue hintere Blinker muss im Rhythmus des vorderen blinken; die eine Seite mit dem alten und dem neuen Blinker muss genauso schnell blinken wie die andere Seite mit den beiden alten Blinkern. Wenn die neue Seite es nicht tut, muss man nach dem Zusatzwiderstand schauen und einen passenden einbauen.
          Foto: Schermer

          Montage

          Jetzt wird endlich richtig geschraubt - wenn alle vier neuen Blinker durchgecheckt sind, ihre Stecker fest sitzen und alle Teile vorhanden sind. Bis die alten Blinker abgebaut und die neuen angebaut sind, dauert es zwischen eineinhalb und vier Stunden, weil bei verkleideten Maschinen die Verkleidungsteile abgebaut werden müssen. Es kann aber auch durchaus sein, dass man zum Auffinden der Stecker der vorderen Blinkerkabel den Tank und die Airbox abbauen muss, weil die Kabel mit den Steckern oben auf dem Zylinderkopfdeckel („Ventildeckel“) versteckt liegen. Da kommt Freude auf…

          Vor dem Abbau der alten Blinker schauen Sie sich deren Befestigung an; bei älteren Maschinen sind sie geschraubt, bei neuen aber gesteckt und irgendwie ineinander verkeilt. NICHT grob herumwerken! Zuerst das Hirn und dann aber auch gutes Werkzeug benutzen!

          Die Kabel der neuen Blinker sollten mit Schrumpfschlauch überzogen werden. Das ist bei Kraftfahrzeugelektrikern nicht nur üblich, sondern mit Schrumpfschlauch zusammengefasste und somit gesicherte Kabel sind auch geschützt gegen Scheuern und Knicken.

          Beim Anbau der neuen Blinker bitte sicherstellen, dass sich die Verschraubungen später im Betrieb nicht lösen können: Entweder Scheibe und Federscheibe („Sprengring“) unterlegen und/oder einen Tropfen Loctite „mittelfest“ ans Gewinde geben. Beim Festziehen der Muttern den Blinker außen in der endgültigen Anbauposition halten und die Mutter dann mit Gefühl festziehen, nicht „bombenfest“, es ist kein Kranhaken, der hier montiert wird, sondern ein sehr filigranes Bauteil.

          Bei der Verlegung der Kabel ist es sehr wichtig, dass jedes Kabel ohne Zug verlegt wird, es muss „in sich lose“ liegen. Aber auch wieder nicht zu lose und schon gar nicht darf es Kontakt haben zu sich bewegenden mechanischen Bauteilen (Kupplungshebel unten am Motor, Gaszug am Drosselklappengehäuse, Federbeinumlenkung, etc.) oder gar an Bauteilen anliegen, die heiß werden (Auspuffkrümmer, Motorgehäuse, Zylinderkopf), sonst besteht die Gefahr des Verbrennens.

          Foto: Gori

          Finish

          Blinken, schauen, freuen. Wenn’s gefällt, haben sich Geldausgabe und Arbeit gelohnt, der Besitzer darf stolz sein. Wenn’s nicht gefällt, alles noch mal auf null stellen und von vorne beginnen…

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