Ratgeber Werkstatt: Stahlflexbremsleitungen (Archivversion) Flexi Hexi

Das notwendige Erneuern von serien-mäßigen Bremsleitungen schlägt schnell mal mit 250 Euro zu Buche. Da bietet sich ein Umbau auf Stahlflexleitungen gerade-zu an, zumal dieser kaum mehr kostet und mit etwas Sorgfalt auch für weniger geübte Schrauber kein Hexenwerk ist.

Die meisten Hersteller empfehlen in ihren Wartungs- und Inspektionsplänen, Bremsleitungen aus Gummi alle vier Jahre zu erneuern, da durch ständigen Kontakt mit Bremsflüssigkeit die Leitungen porös und "weich" werden. Dies spürt man auch beim Bremsen: Der Druckpunkt ist mit der Zeit weniger exakt, weil der Bremsschlauch sich stärker dehnt. Das Alter der Gummi-Bremsleitung ist einfach zu ermitteln, denn das Produktionsdatum ist auf den Schlauch gedruckt oder auf einer fest angebrachten Banderole vermerkt (Bild ). "02–2006" etwa steht für "Februar 2006".

Stahlflexleitungen bestehen aus Teflon und sind mit einem flexiblen Schlauch aus Drahtgewebe ummantelt: Der Teflonschlauch führt die Flüssigkeit, und das Stahlgewebe schützt diesen vor einer möglichen mechanischen Beschädigung, etwa durch Knicken oder Scheuern. Teilweise sind die Leitungen mit einem zusätzlich übergezogenen Schrumpfschlauch (in diversen Farben erhältlich) ausgestattet, der Gabel und Verkleidungsteile vor Beschädigung schützt. Stahlflexleitungen altern nicht, denn im Gegensatz zu Gummi wird Teflon nicht porös und somit auch nicht undicht. Neben der Alterungsbeständigkeit haben Stahlflexleitungen den weiteren Vorteil, dass sie sich unter Bremsdruck weniger ausdehnen – die Bremse spricht direkter an. Sportlich ambitionierte Motorradfahrer schwören deshalb auf solche Bremsleitungen.

Ob fertig konfektioniert oder als Einzelanfertigung, die Montage ist in der Regel nicht kompliziert, sollte jedoch fachlich korrekt und sehr gewissenhaft erfolgen. Schließlich handelt es sich um ein sicherheitsrelevantes Bauteil. An den für die serienmäßigen Gummischläuche vorgesehenen Aufnahmen sollten auch die Stahlflexleitungen befestigt werden. Achtung: Kabelbinder nicht zu fest anziehen, weil selbst Stahlflexleitungen gequetscht werden können! Und bei der Befestigung bitte den gesamten Federweg sowie den Lenkeinschlag berücksichtigen: Die Bremsleitungen müssen auch bei voll eingetauchter oder vollständig ausgefederter Gabel genügend Spiel haben und dürfen auf keinen Fall scheuern. Ebensowenig dürfen sie knicken oder "spannen", also unter Zug stehen!


Bremsleitungen abbauen
1. Bremsflüssigkeit aus dem Bremsflüssigkeitsbehälter saugen.
2. Schlauch auf den Entlüftungsnippel des Bremssattels schieben, Ende in einen geeigneten Auffangbehälter stecken, Entlüftungs­nippel öffnen. Flüssigkeit abpumpen oder durch die Schwerkraft ablaufen lassen.
3. Hohlschraube der Bremsleitung am Bremssattel abschrauben, restliche Flüssigkeit in Behälter abfließen lassen. Reichlich Lappen bereithalten!
4. Hohlschraube der Bremsleitung an der Hand- beziehungsweise Fußpumpe lösen und ausdrehen, Bremsleitung abnehmen.
5. Anschlüsse säubern, dazu Bremsenreiniger verwenden, keine fusselnden Lappen. Falls Bremsflüssigkeit auf Bauteile gelangt ist, mit Bremsenreiniger einsprühen und mit klarem Wasser abspülen, danach mit Lappen trocknen.

Achtung: Bremsflüssigkeit ist aggressiv und sollte nicht auf die Haut oder auf die Bauteile des Motorrads gelangen! Mit Gummihandschuhen arbeiten!


Neue Bremsleitungen vorbereiten
Neuen Stahlflexbremsleitungen liegen meist auch neue Anschluss-Hohlschrauben und Dichtscheiben (aus Aluminium oder Kupfer) bei (Bild ). Falls nicht: Kaufen Sie in jedem Fall neue Dicht­scheiben; die alten Hohlschrauben können wieder verwendet werden.

Prüfen Sie, ob die Dicke der Stahlflexringanschlüsse mit denen der alten Leitungen übereinstimmt. Sind die Anschluss-Hohlschrauben zu kurz oder zu lang, können die Dichtscheiben nicht einwandfrei funktionieren.

Neue Bremsleitungen mit den alten auf Länge, Anschlüsse und Winkel der Ringanschlüsse vergleichen. Dazu beide Leitungen auf einer sauberen Werkbank gestreckt parallel zueinander auslegen.


Bremsleitungen anbauen
1. Stahlflexleitungen zuerst lose anlegen, also ohne Anschrauben: Die Ringanschlüsse müssen auf den ersten Blick passen!
2. Die Bremsleitung sollte sich nicht zu sehr verwinden. Vorsicht: Nicht jedes Produkt ist so ausgelegt, dass der Drill justiert werden kann. Deshalb besser in den Herstellerangaben zunächst überprüfen (am besten vor dem Kauf), ob und wie sich die oberen und unteren Ringanschlüsse in die richtige Position drehen lassen.
3. Halterungslaschen von den alten Bremsleitungen abbauen
und an den Stahlflexleitungen anbringen.
4. Leitungen mit (neuen) Hohlschrauben und neuen Dichtscheiben provisorisch befestigen. Hohlschrauben noch nicht festziehen!
5. Halterungen der Bremsleitungen anschrauben. Kontrollieren, ob die Leitungen an jeder Stelle über die ganze Länge spannungsfrei verlegt sind.
6. Gabel (oder Hinterradschwinge) möglichst weit einfedern und dabei die Leitungen beobachten: Sind sie über die ganze Länge scheuerfrei, knickfrei und nicht verdreht angebracht? Ansonsten korrigieren.
7. Hohlschrauben langsam handfest anziehen und Ringanschlüsse auf Position festhalten.
8. Hohlschrauben mit dem vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Anziehdrehmoment (20 bis 35 Nm; Alu-Schrauben 12 bis 15 Nm) festziehen und die Lage der Bremsleitungen nochmals kontrollieren.
9. Bremsflüssigkeits-Vorratsbehälter mit frischer Bremsflüssigkeit (auf richtige Spezifikation achten!) befüllen. Entlüftungsnippel unten an der Bremszange muss offen sein, Schlauchende muss in ein geeignetes Gefäß münden. Nachdem die Anlage mit Bremsflüssigkeit gefüllt ist, sollte sie unbedingt entlüftet werden.


Liegt ein Teilegutachten für die neuen Bremsleitungen vor, muss der fachgerechte Anbau von einem Gutachter abgenommen und in die Kfz-Papiere eingetragen werden. Diese Eintragung entfällt, wenn eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) beiliegt, in der keine Anbauabnahme gefordert wird. Und noch ein Wort zum Schluss: Da sich das Bremsverhalten durch den Umbau ändert (in der Regel packt die Bremse direkter zu), sollten sich ungeübte Fahrer zunächst sehr vorsichtig mit der veränderten Bremswirkung vertraut machen.

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