Ratgeber: Werkstatt Zündbox reparieren

Der Ausfall der Zündsteuerung kann überraschend kostspielig ausfallen - muss es aber nicht.

Foto: Ury

Neue Zündbox fällig. 464 Euro plus Einbau." Ralf zuckt zusammen und ist sich nicht sicher, ob der Verkäufer ihn gerade auf den Arm nimmt. "Aber das ist ja fast so viel, wie meine 400er-Bandit überhaupt noch wert ist. Kann man das nicht reparieren?" Jetzt zuckt auch der Verkäufer, allerdings mit den Achseln: "Nein, da geht nur austauschen. Da kommt man an nichts ran."

In den 1980er Jahren haben elektronische Zündanlagen die mechanisch gesteuerten Kontaktzündungen nach und nach abgelöst. "Kontaktabstände und Zündzeitpunkt eingestellt", fand sich im Inspektionsplan so ausgerüsteter Motorräder nun nicht mehr, "wartungsfrei" war das Zauberwort. Und in der Folge kam es nicht selten zu Szenen wie der beschriebenen.

In Preisregionen wie der genannten finden Verkaufsgespräche beim Motorradhändler üblicherweise zu Dingen wie einem kompletten Koffersatz statt. Doch hier geht es um ein etwa zigarettenschachtelgroßes, schwarzes Kunststoffkästchen, das 19 Jahre lang unauffällig seinen Dienst unter der Sitzbank von Ralfs Suzuki getan hat. Ein sehr wichtiger Dienst, denn in diesem Kästchen steckt die elektronische Steuerung der Zündung. Und die hatte der ADAC-Mann, den Ralf gerufen hatte, für tot erklärt. Die sonst so zuverlässige kleine Bandit sprang plötzlich nicht mehr an. "Kein Zündfunke auf allen vier Zylindern, Spulen und Pickups in Ordnung, Kabelbruch kann ich ausschließen... Zündbox defekt."

Ralf macht sich nun auf die Suche nach einer gebrauchten Zündbox und stellt in den einschlägigen Internetforen fest, dass dieser Defekt gar nicht so selten vorkommt - nicht nur an seiner Bandit, sondern herstellerübergreifend bei den verschiedensten Modellen. Die Nachfrage ist also da, entsprechend teuer werden die raren Gebrauchtteile gehandelt. Auch beim großen Internet-Auktionshaus findet Ralf jede Menge Teile für sein Bike, eine Zündbox ist jedoch Fehlanzeige. Nicht selten ist nämlich gerade dieses teure, auch Blackbox oder CDI genannte Teil der Grund, warum ein Fahrzeug geschlachtet wird.

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Foto: Ury

Ralf stellt nach ausgiebiger Nutzung der Suchmaschinen auch noch fest, dass es offensichtlich Motorradmodelle gibt, die von dem Defekt so gut wie nie betroffen sind. Gleich zwanzig Angebote zum Stückpreis ab dreißig Euro findet er zum Beispiel für Hondas XBR 500. Ganz anders sieht es bei der Africa Twin oder der Dominator aus gleichem Stall aus. Hier treibt offenbar ein gern auftretender Wackelkontakt die Besitzer manchmal in den Elektrik-Wahn. "Zwei Wochen lief sie super, heute bin ich schon fünf Mal liegengeblieben. Die Kiste macht mich irre" liest Ralf in einem Forum. Ein Ersatz für die Dominator fällt als Neuteil mit etwa 150 Euro allerdings deutlich moderater aus.

Dann die erlösende Entdeckung: Einige Betriebe bieten die Reparatur von Zündboxen an. Geht es also doch? Ralfs Wahl fällt nach ausgiebiger Internet-Recherche auf die Firma Motek, die sich mit allem befasst, was an Motorrädern mit Strom zu tun hat. Ein Telefonat später ist alles geklärt, der Suzuki-Eigner baut die mit zwei Schrauben fixierte Box aus und schickt sie an die Spezialisten. Knapp eine Woche kommt ist das Teil zurück, und die 400er läuft wieder. Der Rechnungsbetrag inklusive Versandkosten lautet 188 Euro - weniger als die Hälfte des Neuteils. Ralf ist glücklich und die kleine Bandit vorm "Schlachtfest" gerettet.

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Foto: Motek

Interview mit dem Elektrotechniker

MOTORRAD sprach mit Frank Wehmeyer, 47, Diplomingenieur der Elektrotechnik und Mitinhaber der Firma Motek in Bielefeld.

? Wodurch geht eine Zündbox überhaupt kaputt?

! Das kann verschiedene Ursachen haben. Eher selten gehen nur Lötstellen im Steckerbereich kaputt, verursacht durch Erschütterungen. Je nach Bauart können die Boxen auch durch einen defekten Spannungsregler oder eine kaputte oder falsche Zündspule praktisch als Folgeschaden "durchbrennen".

? Sind die hohen Preise für die Originalersatzteile Ihrer Ansicht nach gerechtfertigt?

! Wenn man nur den Materialwert betrachtet, sicherlich nicht. Doch die Hersteller müssen auch die Entwicklungskosten berücksichtigen, die aufgrund der immer schärfer werdenden Abgas- und Geräuschbestimmungen einerseits und dem Wunsch nach Leistung und Fahrbarkeit andererseits sehr hoch ausfallen können.

? Kann man als Laie feststellen, ob eine Zündbox tatsächlich defekt ist, insbesondere, wenn der Zündungsausfall nur sporadisch auftritt?

! Das ist schwierig und eigentlich nur möglich, wenn man die Gelegenheit bekommt, eine identische intakte Box leihweise auszuprobieren. Messtabellen aus Handbüchern führen hier so gut wie nie zu einem brauchbaren Ergebnis. Wir unterziehen solche Boxen dann einem Langzeittest an einer Prüfschaltung, die den Echtbetrieb am Fahrzeug simuliert. Zusätzlich versuchen wir, den Fehler mit Wärme, Kälte, schwankender Versorgungsspannung und mechanischen Vibrationen zu provozieren. Aber auch, wenn wir so keinen Fehler nachweisen können, werden wir nie behaupten, die Box sei zu hundert Prozent in Ordnung. Ein Defekt ist dann einfach nur als sehr unwahrscheinlich anzunehmen. In solchen Fällen berechnen wir lediglich eine Untersuchungspauschale in Höhe von 25 bis 50 Euro.

? Wie öffnen Sie die oft voll vergossenen Teile, ohne dass es zu weiteren Beschädigungen kommt?

! Ganz vorsichtig und mit entsprechendem Spezialwerkzeug. Wir kennen auch die Stellen, wo bei welchem Modell der Fehler zu suchen ist und öffnen dann gezielt nur einen kleinen Bereich.

? Ist eine Reparatur immer gleich teuer?

! Nein. Da die Boxen sehr unterschiedlich aufgebaut sind und damit auch unser Aufwand variiert, kostet eine Reparatur je nach Modell zwischen 120 und 250 Euro.

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