Ratgeber: Werkstatt (Archivversion) Wenn der Hebel klemmt

Korrosion ist der Feind der Leicht-gängigkeit, zu viel Luft in den Bauteilen kontraproduktiv zur Genauigkeit. Schalt- und Bremshebel sind davon oft betroffen. MOTORRAD gibt Tipps, damit alles wie geschmiert funktioniert.

Manchmal spürt man es sogar, dass an Schalt- und Bremshebel etwas nicht stimmt. Doch irgendwie hat sich der Fahrer an den Mangel gewöhnt und nimmt ihn hin, auch wenn sich das Getriebe nicht mehr so exakt schalten lässt wie noch vor einem Jahr und die exakte Dosierung der Hinterradbremse immer schwieriger wird. „Hätt’ ich es doch während der Winterpause gemacht“, gilt nicht. Wann denn, wenn nicht jetzt?

Am Schaltgestänge eines modernen Motorrads sind meistens gut abgedichtete Kugelköpfe montiert, denen Verschmutzung und Verschleiß fremd sind. Bei älteren Maschinen dagegen – und besonders solchen aus Italien – sind billige Gelenkgabeln verbaut, die im Laufe der Zeit durch Vibrationen verschleißen.

Wenn man also spürt, dass die Schaltung nicht mehr richtig funktioniert und das Fußbremsgefühl hinüber ist, kann dies an folgenden Bauteilen liegen:
1. Lagerstellen im Schaltgestänge ausgeschlagen.
2. Verzahnung des kleinen Schalthebels auf der Schaltwelle lose beziehungsweise ausgeschlagen.
3. Lagerung des Schalthebels am Fußrastenausleger korrodiert und/oder schwergängig.

Bauteile der Schaltung prüfen
- Klemmschraube des kleinen Schalthebels gut festgezogen? Falls nicht: Festziehen mit 10 Nm, entspricht „handfest“.
- Verzahnungen in Schalthebel und an Schaltwelle noch einwandfrei? Wenn die Klemmschraube lose war, sind wahrscheinlich die Außenverzahnung der Schaltwelle sowie die Innenverzahnung des Schalthebels beschädigt (Spitzen abgenutzt). Problem beseitigen: Schalthebel abschrauben, Verzahnungen mit einer Messingbürste putzen, dickes Fett drauf, Schalthebel aufstecken. Neue Klemmschraube verwenden!
- Sind die Kugelköpfe, Gabelköpfe oder die um 90 Grad umgebogenen Enden an der Schaltstange in Ordnung? Bei „umgebogenen Enden“: Eines ist in den kurzen, unteren Ausleger des Fußschalthebels eingesteckt, das andere in dem auf der Schaltwelle montierten kurzen Schalthebel. Die Gummiüberzieher der Gelenkstellen dazu abziehen (vorher mit etwas Ölspray einsprühen) und nachsehen, hier sitzt wahrscheinlich Rost! Wenn ja, auseinander bauen, reinigen, gut einfetten und wieder zusammenbauen.
- Lagerung des Fußschalthebels schwergängig oder korrodiert? So wird‘s geprüft:
1. Kleinen Schalthebel (auf der Schaltwelle) festhalten.
2. Fußschalthebel mit der anderen Hand langsam nach oben bewegen, bis er nicht mehr weiter kann.
3. Fußschalthebel loslassen, er muss sich alleine durch sein. Eigengewicht wieder nach unten bewegen. Wenn er sich nicht von alleine bis nach unten an den Anschlag bewegt, ist seine Lagerung schwergängig, wahrscheinlich durch Rost – abschrauben, Dreck entfernen, reinigen, einfetten und erneut zusammenbauen ist die einzig vernünftige Lösung. Dies gilt auch für den Fußbremshebel.

Schalthebel und Gestänge gängig machen
Wenn die Kugelköpfe an den Gelenkstellen des Schaltgestänges verschlissen (ausgeschlagen) sind, muss man sie erneuern. Dann auch gleich eine neue Schaltstange kaufen, denn diese hat neue Gewinde (die alten sind oft eingerostet). Bei ausgeschlagenen Bohrungen in den U-Gelenken (und eingelaufenen Bolzen) sollte man diese gleich gegen Kugelköpfe tauschen. Spielfreie und hochwertige Kugelköpfe (zum Beispiel von der Kugellager-Firma SKF) sind teuer (etwa 25 Euro), und als Ersatzteil bei japanischen Marken gibt es sie oft nur zusammen mit den Schalthebeln. Die von BMW kosten um die zehn Euro und machen auch an Italienern eine gute Figur.
1. In die Gummiüberzieher über den Gelenkstellen der Schaltstange etwas Ölspray sprühen und von den Gelenkstellen abrollen. Vorsicht, die Gummis reißen leicht, vor allem, wenn sie schon spröde sind.
2. Kleinen Schalthebel von der Schaltwelle abschrauben. Klemmschraube lösen und ganz ausdrehen. Mit dickerem Schraubendreher in die Klemmnut einfahren und diese etwas aufbiegen, dann erst den Schalthebel abziehen.
3. Befestigungsschrauben der Fußrastenhalteplatte ausdrehen, komplettes Bauteil abnehmen.
4. Mit kleiner Seegerringzange den Seegerring ausbauen.
5. Enden der Splinte in den umgebogenen Enden der Schaltstan­ge aufbiegen, geradebiegen, rausziehen.
5.1. Scheiben abnehmen, Schaltstange ausziehen.
6. Teile gut reinigen. Korrosion mit Schmirgelpapier beseitigen.
7. Lagerstellen gut mit schwerem Fett einfetten.
7.1. Wellenscheibe auf den Lagerbolzen des Fußschalthebels schieben. Lagerbolzen in Lagerbuchse der Fußrastenhalteplatte einschieben.
7.2. Topfscheibe mit offener Seite nach außen aufsetzen.
7.3. Seegerring mit der scharfen Kante nach außen einbauen: Er muss wirklich sicher in seiner Nut sitzen, lieber zweimal nachsehen und seinen sicheren Sitz prüfen!
8. Schaltstange in Fußschalthebel einbauen: Bohrung fetten, gebogenes Ende einsetzen, Scheibe aufschieben, Splint einschieben und beide Enden sicher umbiegen.
9. Fußrastenplatte im Rahmen ansetzen, etwas Loctite »mittelfest« auf die Gewinde der Befestigungsschrauben geben, eindrehen und mit Drehmomentschlüssel festziehen: M8-Schrauben mit 25 bis 30 Nm, M10 mit 30 bis 35 Nm.
10. Etwas Fett auf die Verzahnung der Schaltwelle geben, kleinen Schalthebel aufschieben. Schaltstange auch in den kleinen Schalthebel einbauen.
11. Einen guten Batzen schweres Fett auf das vordere und hintere Gelenk der Schaltstange geben, Gummischützer überschieben, überschüssiges Fett abputzen.

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