Ratgeber Wissen: Rochtig oder falsch eingemottet? (Archivversion) (K)ein Wintermärchen

Alle Jahre wieder ... steht das Einmotten auf dem Programm. Doch sind die Tipps zum Stilllegen, die seit Jahrzehnten durch die Szene geistern, tatsächlich so segensreich? MOTORRAD klärt auf.

Züge schmieren?
Wenn alle Züge leichtgängig funktionieren, gibt es eigentlich keinen Grund, diese vor der Winterpause gesondert zu behandeln. Vor allem, wenn sie wie bei vielen modernen Bikes mit einer reibarmen Teflon-Beschichtung ausgestattet sind. Wer allerdings Bewegung ins Spiel bringen will, sollte beachten, dass normales Öl Gift für die Züge ist. Zum Schmieren eignet sich ein spezielles Bowdenzugspray, besonders hilfreich ist ein Bowdenzugöler.

Batterie ausbauen?
Unbedingt – denn das ist der Überwinterungstipp schlechthin. Batterie abklemmen (Minuspol zuerst), ausbauen, aufladen. Nach dem Laden bei Blei-Säure-Akkus destilliertes Wasser bis zur Max-Markierung auffüllen. Wartungsfreie (MF-)Batterien dürfen nicht geöffnet werden. An einem kühlen, trockenen Ort einlagern. So ist die Selbstentladung am geringsten.

Tank füllen?
Eine Maßnahme, die man nur ergreifen sollte, wenn das Motorrad mit einem unbehandelten Stahlblechtank ausgestattet ist. Dieser muss randvoll sein, damit Korrosion keine Chance hat. Ist das Spritfass aus Alu oder Kunststoff? Dann kann das Bike auch mit leerem Tank eingemottet werden. Ob es sich um einen Stahltank handelt, lässt sich ganz simpel über einen Magnettest klären.

Öl ins Kerzenlöch?
Ein Tipp, der bei Opas Boxer leicht zu bewerkstelligen war und auch Sinn machte (siehe Ölwechsel). Mittlerweile sind die Kerzenstecker so hoffnungslos verbaut, dass man sich mit dieser Fummelarbeit nur unnötig belasten würde. Wer sein Motorrad nicht gerade für zehn Winter stillegen möchte, braucht keine Angst zu haben, dass etwas festrostet.

Waschen?
Ein Ratschlag, der nie falsch ist. Aber: Auf keinen Fall den Fehler begehen, mit dem Hochdruckreiniger auf Lager zu halten, Fettfüllungen auszuspülen oder Steckverbindungen mit einer Extraportion Feuchtigkeit zu versorgen. Auch im Auspuff sollte sich kein Wasser sammeln. Ebenfalls problematisch: Reinigerreste, die über die Standzeit im Winter genügend Zeit haben, an Lack- und anderen Oberflächen zu nagen.

Ölwechsel?
Ein Tipp aus der Mottenkiste. Rührt daher, dass sich früher in altem Öl aggressive Stoffe bilden konnten, die die Motorinnereien angegriffen haben. In modernen Ölen sorgen jedoch Additive dafür, dass dies nicht passieren kann. Ein Extrawechsel außerhalb der Serviceintervalle ist deshalb genauso überflüssig wie das oft zitierte Motordurchdrehen per Hand oder Kickstarter.

Vergaser leeren?
Wer sie (noch) hat, sollte diesen Ratschlag unbedingt beherzigen, um im Frühjahr ohne Startprobleme voll durchstarten zu können. Einfachste Vorgehensweise – wenn möglich: Benzinhahn schließen, Motor laufen lassen, bis er von alleine ausgeht. Ansonsten über die Ablassschrauben leeren. Fein raus: Bei Einspritzmotoren muss gar nichts getan werden.

Kette reinigen?
Eine gut gepflegte Kette sollte eigentlich während der Saison der Dauerzustand sein. Extraarbeiten vor der Winterpause sind nur dann angebracht, wenn man .vor dem Einmotten noch durch Salzlauge gefahren ist. Wer seiner Kette das ganz große Pflege-Programm gönnen will, findet mit dem „Kettenmax“ (im Fachhandel, zirka 50 Euro) einen genialen Helfer.

Reifen entlasten?
Das Prinzip hier: Druckstellen (Standplatten) an den Reifen durch Aufbocken beider Räder vermeiden. In der Praxis absolut überflüssig. Wer die Reifen mit dem korrekten Maximal-Druck (mit Sozius und Gepäck) befüllt, wird nach der Winterpause keine platten Stellen zu bemängeln haben. Viel sinnvoller: Laufflächen von Fremdkörpern zu befreien, Flanken nach Rissen (durch Überalterung) absuchen.

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