Sauer, Martin: Interview (Archivversion) ALU-SCHWEISSEN: Eine Kunst

Leicht ist das Metall Aluminium schon, aber leicht zu schweißen nicht. Im Vergleich zu
Arbeiten mit Stahl erfordert Alu eine aufwendige und penible Behandlung.

Die korrosionhemmende und lebensverlängernde Oxidschicht des Aluminiums stellt nicht nur für chemische Angriffe aus der Umwelt ein Hindernis dar, sondern erschwert auch das Schweißen. Der Schmelzpunkt von Aluminium-
oxid liegt bei 2000 Grad Celsius, das reine Metall schmilzt schon bei 660 Grad Celsius. Um die Oxidschicht zu durchbrechen, hat sich beim Schweißen von im Motorradbereich üblichen Alu-Legierungen deshalb das so genannte Wolframelektrode-Inert-Gas-Verfahren (kurz: WIG-Schweißen) durchgesetzt. Hierbei erzeugt eine Elektrode einen rund 3000 Grad Celsius heißen Lichtbogen (keine Flamme!),
der die sich von alleine schließende Oxidschicht mit einer Wechselstromfrequenz durchbricht.

Um diesen Lichtbogen herum bildet das Schweißgerät mittels einer Düse einen gasförmigen Schutzraum – vergleichbar
mit einer Käseglocke. In der Regel besteht dieser Gaskegel aus dem einatomigen Argon. So bleiben Luftsauerstoff und andere chemische Verbindungen vom Schweißpunkt fern. Ohne Schutzgas käme es zu Verunreinigungen, welche
die Schweißnaht empfindlich schwächen. Der Lichtbogen schmelzt das Grundmaterial und den jeweils auf die Legierung abgestimmten, aufgetupften Schweißdraht zusammen. Das geschmolzene Material fließt vom Schweißpunkt nach außen und erkaltet in den Randzonen. Die aus aneinander-
gereihten Schweißpunkten bestehende Schweißnaht erhält
die für Alu-Schweißen typische Schuppung.

Durch die hohen Temperaturen beim Schweißen besteht jedoch je nach Wandstärke die Gefahr, Löcher in das gesamte Gefüge zu brennen. Hochsensibles Vorgehen ist gefragt.

Gut durchgeführte Arbeiten erkennt man an einer gleichmäßigen Schuppung und glatten Oberfläche. Die Schweißnaht besitzt eine flache Kontur, im Idealfall gehen die Randzonen nahtlos in das Grundmaterial über. Schlecht, weil die später einwirkenden Kräfte ungleichmäßig verteilend und so Rissbildung fördernd: Vertiefungen in der Randzone (Einbrand), unterschiedliche Abstände der einzelnen Schweißpunkte mit kleinen Wülsten und Sprenkeln sowie eine unterschiedlich breite Naht mit spitzer Kontur und scharfkantigen Rändern.

Ganz übel: erkennbare Verunreinigungen innerhalb
der Schweißnaht, die sich etwa durch schwarze Punkte
oder Luftblasen wie bei einem Schweizer Käse zeigen.
Um hohe Qualität zu gewährleisten, sollte ein Alu-Teil nach
dem Schweißen wärmebehandelt werden, denn ein zu schnelles Auskühlen schwächt die Schweißnaht, die in der Regel schwächste Stelle des Gefüges.

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