Sauer, Martin: Interview (Archivversion)

Martin Sauer führt einen auf Reparaturen und Sonderanfertigungen für Motorradteile spezialisierten Betrieb in Oberkirch im Schwarzwald (www.alusauer.de).

Warum trauen sich nur wenige Betriebe an Alu- und Leichtmetall-Schweißarbeiten heran?
Weil dabei viel kaputt gehen kann. Für Arbeiten mit besonders dünnwandigem Material muss man sehr viel Erfahrung und ein gutes Auge haben. Der Knackpunkt ist das richtige Timing, eine Sekunde kann über Gut und Böse entscheiden: Exakt in dem Moment, in dem sich das Grundmaterial verflüssigt, muss der passende Schweißdraht zugeführt werden. Gleichzeitig müssen Winkel und Abstand des Brenners zum Material sowie die Schutzgasmenge stimmen. Beim kleinsten Patzer brennt man ein Loch ins Werkstück, und unter Umständen ist ein kompletter Rahmen reif für die Tonne. Zum Umgang mit Aluminium finden sich sicherlich viele schlaue Bücher, zum souveränen Alu-Schweißen bedarf es jedoch
jahrelanger Übung.
Sind denn Reparaturen an Motorradrahmen überhaupt zulässig?
In der Regel führt eine derartige Reparatur ohne entsprechende Genehmigung zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Bei Unfällen im Straßenverkehr, schlimmstenfalls sogar mit Personenschaden, kann sogar der Schweißbetrieb herangezogen werden.
Die Hersteller lehnen eine Reparatur außerhalb des
eigenen Hauses meistens ab. Aufgrund der Haftungspflicht lasse ich lieber die Finger davon. Anders sieht es im Rennsport aus: Da die Motorräder auf abgesperrter Piste bewegt werden, spricht nichts gegen eine fachgerechte Reparatur oder sonstige Modifikationen an Rahmen und Fahrwerk. Das entsprechende Know-How besitze ich.
Handarbeit oder Schweißroboter: Was ist besser?
Ein Roboter zittert nicht nach durchzechter Nacht, hat niemals schlechte Laune und kann rund um die Uhr arbeiten. Er ist allerdings nur so gut, wie der Mensch, der ihn programmiert – auch hier gibt es große Qualitätsunterschiede. Für Hersteller mit großen Stückzahlen lohnt die Automatisierung. Bei den individuellen Wünschen meiner Kunden werde ich
hingegen wohl immer ein echter Handwerker bleiben.

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