Schnäppchenjagd im Herbst (Archivversion)

Spar dir was

Herbst. Wehmütig legt der Biker seine nicht mehr gerade taufrischen Klamotten und den alten Helm zur Seite. Bis zum Frühjahr ist das Thema Motorrad gestorben. Stopp, denn jetzt sollte er zum Schnäppchenkauf ausrücken.

Lasziv schaut sie dich an, die brünette Schönheit mit dem Bauchnabelpiercing und einem kessen Dekolleté. Plötzlich entdeckst du neben der Dame auf dem Prospektfoto etwas, das dich noch mehr anmacht als alle Brünetten und Blondinen dieser Welt: »M+S Batterielade- und Frischhaltegerät 12 Volt/300 mA.« Zwofünfundneunzig, 40 Prozent Ersparnis. Flott zum Hörer greifen und die Hotline-Nummer von der Werbebroschüre wählen. Bloß keine Zeit verlieren, denn außer dir blasen auch andere Schnäppchenjäger zum Halali auf die besten Preishits, Superdeals, Hammerangebote oder wie auch immer die im Herbst heruntergesetzte Ware angepriesen wird.Okay, das Szenario ist sicherlich etwas übertrieben, denn sekundenschnell wie am Grabbeltisch im Kaufhaus beim großen Schlussverkauf muss niemand handeln, um am Saisonende Motorradbekleidung und Zubehör richtig günstig zu ergattern. Trotzdem heißt es: Augen auf und gekonnt zuschlagen, denn Clever-Käufer finden in dieser Jahreszeit tatsächlich die besten Angebote.Große Versender, Filialketten und Einzelhändler wollen in der Regel im Herbst ihre Regale räumen, um Platz für neue Kollektionen und Teile zu schaffen. Das Angebot an echten Saisonende-Schnäppchen variiert jedoch stark. Eine Umfrage bei verschiedenen Fachhändlern offenbarte, dass diese oftmals gar keine Sonderkonditionen zur Herbstzeit anbieten. Einer der Gründe: Sie haben nur eine kleine Auswahl an Bekleidung in den Regalen, beispielsweise, weil das Hauptgeschäft aus dem Verkauf von Motorrädern besteht. In diesen Fällen werden Einzelstücke oder Auslaufware häufig als Beigabe zum Motorradkauf heraussortiert und nicht als Sonderangebot verhökert. In anderen Fällen verhandeln Händ-ler und Kunde individuell über einen Preisnachlass. Beim Motorrad-Center Berlage in Borchen heißt es etwa: »Unsere Stammkunden bekommen sowieso ihre Prozente. Die fragen nicht extra im Herbst oder Winter nach günstigen Preisen.« Andere Fachhändler erklären hingegen, dass das Saisonende sich ideal zur Schnäppchenjagd anbiete und werben sogar in den regionalen Zeitungen. Besonders dann, wenn sich das Unternehmen beim Einkauf zu Jahresbeginn verschätzt hat. So geschehen bei Honda-Semmler in Herborn – im Oktober gab’s eine Woche lang generell 30 Prozent Nachlass auf alle Ware, bei Einzelstücken und Restposten waren es sogar bis zu 70 Prozent. Als Richtwert kann der Motorradfahrer davon ausgehen, dass im Facheinzelhandel angebotene Herbst-Auslaufware etwa ein Viertel unter dem Originalpreis liegt. Deutlich günstiger sind lediglich Einzelstücke oder nicht gängige Größen und Farben. Beliebte Markenklamotten werden in der Regel nur wenig reduziert, rund zehn bis 20 Prozent. Selbst wenn es sich um eine gewagte Replika-Kombi handelt und der vergötterte Rennfahrer schon längst in völlig anderen Teamfarben unterwegs ist, hat das Teil an Qualität nichts eingebüßt und wird nicht zwangsläufig zum Dumpingpreis verkauft.Bei den Filialketten und im Versandhandel sind beim Saisonschlussverkauf Preisnachlässe von durchschnittlich 30 bis 50 Prozent drin. Aufgrund der Masse an Auslaufware sind die Großen gezwungen, Mitte November bis Anfang Dezember ihre Lager zu räumen. Kay Blanke von der Detlev Louis GmbH in Hamburg: »Wenn die Laster mit der neuen Kollektion vor der Tür stehen, müssen die Lager leer sein. Wir senken deshalb schon ab Ende Juli die Preise, ab Oktober purzeln sie noch mal nach unten.« Bei Hein Gericke sind laut Marke-tingmann Thorsten Rückert dieses Jahr weniger Überbestände angefallen. Deshalb wollen die Düsseldorfer die Kunden mit themenbezogenen Angeboten zum Saisonende locken. »Wir bieten Preishämmer für Produkte, die Motorradfahrer im Herbst und Winter benötigen, zum Beispiel Schutzplanen oder Heizgriffe.« Der Mitbewerber Polo-Expressversand in Düsseldorf wirbt mit »Schnäppchen für die Herbstzeit« und »Sonderangeboten für den Saisonausklang«. Marketingleiter Anselm Zessler betont, dass auch für Auslaufware und Einzelstücke gleiches Umtauschrecht und gleiche Garantie wie bei regulärer Ware bestehe.Neben guten Preisen noch ein großer Vorteil für den Käufer, wenn er sich erst am Saisonende zum Shoppen begibt: In den Läden ist weniger Kundschaft, die Verkäufer haben deutlich mehr Zeit zur Beratung. In der Stuttgarter Louis-Filiale etwa stürmen an einem Samstag während der Saison bis zu 1500 Kunden in den Verkaufsraum, außerhalb der Saison sind es etwa ein Drittel davon.Gründe gibt es also genug, den Herbst und Winter nicht zur Schonzeit für den Bekleidungs- und Zubehörkauf zu deklarieren. Tipp: Statt sich gleich von jeder appetitlich gestalteten Werbeanzeige verführen zu lassen, lieber einen kühlen Kopf bewahren und sich die Angebote genau anschauen. Lohnen sie sich wirklich? Brauche ich den Artikel über-haupt? Bezeichnend ist die Aussage des Geschäftsführers eines Schnäppchenmarkts: »Wir hatten mal absolute Ladenhüter-Helme in der Randgröße XS supergünstig angeboten. Unglaublich, wie viele Menschen auf einmal den passenden XS-Kopf dazu hatten.« Passt das Stück und passt der Preis, dann gibt’s allerdings nur eine Empfehlung: Sofort kaufen!
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Kusmanov, Michael: Interview (Archivversion)

Michael Kusmanov vom Industrie-Verband
Motorrad Deutschland e.V. (IVM) zur Schnäppchenjagd im Herbst.
Lohnt es sich, am Saisonende Motorradbekleidung und -zubehörteile zu kaufen? Die Suche erscheint Erfolg versprechend. Im Motorradbereich gibt es vielleicht nicht so offensichtlich einen Schlussverkauf, aber die Anzahl besonders günstiger Angebote ist im Herbst größer als sonst. Preisreduzierte Ware wird zwar das ganze Jahr über angeboten, aber jetzt am Saisonende wird in den Lagern der gesamten Bekleidungsindustrie Platz für die neue Mode gemacht. Die neuen Kollektionen stehen vor der Tür, alles Alte muss raus – das betrifft sowohl Einzelhändler als auch Grossisten. Clevere Motorradfahrer gehen daher jetzt auf Schnäppchenjagd. Das belegen die Herbstmessen mit ihrem Schwerpunkt auf Bekleidung und Zubehör. Sie sind generell gut besucht. Besonders die großen Anbieter bewerben am Saisonende ihre Preisaktionen mit markigen Sprüchen. Profitiert der Kunde wirklich? In den Prospekten werden drei oder vier echte Knaller angeboten, um die Kunden in die Läden zu locken. Was diese dann vor Ort kaufen, steht auf einem anderen Blatt. Große Händler haben allerdings tatsächlich am Saisonende ein großes Angebot mit günstiger Ware. Besonders bei Helmen und Textiljacken sind schon auffällige Preiskracher dabei, weil in diesem Segment die Zahl der zur nächsten Saison hin abgelösten Modelle und Farbvarianten sehr groß ist. Kleinere Händler, die nicht ausschließlich auf Bekleidung und Zubehör spezialisiert sind, haben zwar ein nicht so umfangreiches, aber dennoch lohnenswertes und qualitativ hochwertiges Sortiment. Entspricht das Angebot den Wünschen der Schnäppchenjäger? Es gibt offensichtlich Unterschiede: Einige Kunden kaufen besonders marken- und imagebewusst, andere orientieren sich rein am Preis. Viele Wieder- und Neueinsteiger verschaffen sich zunächst einen Überblick und suchen oft bei den großen Filialketten. Dabei finden sie schon einmal einen gewünschten Preisschlager. Doch gerade bei der Bekleidung schaut ein nicht zu verachtender Anteil von Motorradfahrern weniger auf das Geld, sondern sucht sich nur Passendes zum Motorrad mit entsprechenden Dekors und Farben aus. Für sie lohnt sich der Weg zum Fachhändler, wo der Fahrer auch das Motorrad erworben hat. Dort bekommt der markenbewusste Motorradfahrer hochwertige Bekleidung und entsprechendes Zubehör. Gilt der Spruch: billige Ware ist gleich schlechte Ware? Nein, zum Glück kaum noch. Vom fast schon ganzjährigen Preiskampf profitiert der Verbraucher. Selbst Billigjacken für 99 Euro sind meist mit CE-Protektoren ausgestattet, gut verarbeitet und genügen den gängigen Sicherheitsstandards. Die meisten günstigen Helme erfül-len die derzeit gültige ECE-05-Norm. Der Kunde sollte aber immer auf die Etiketten der jeweiligen Artikel achten, ob die dort angegebene Norm tatsächlich aktuell ist – dann kann bei der Schnäppchenjagd nicht viel schief gehen.

Kusmanov, Michael: Interview (Archivversion) - Die Superschnapper

Was gibt’s fürs Geld? MOTORRAD machte sich mit 500 Euro bei verschiedenen Händlern in Stuttgart auf die Suche nach den besten Herbstangeboten. Ziel war, einen Fahrer von Kopf bis Fuß mit einer vernünftigen Garnitur auszustatten, die allen Sicherheitsstandards genügt und zu jedem Typ Motorrad passt. Erstaunlich: Nach der Auswahl der Superschnapper* blieben sogar noch knapp 100 Euro für sinnvolle Zubehörteile übrig. *Stand: Oktober 2003

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