Schnellverschluss-Kofferträger (Archivversion)

Schnell, schnell - ab, an

Schnellverschluss-Kofferträger in der Werbung: Die optimale Lösung... In sieben Sekunden befestigt und entfernt. Klingt fantastisch. Aber stimmt es auch?

Die Uhr läuft. MOTORRAD stoppte bei Five-Stars Delock und Quicklock die Zeit für An- und Abbau der Träger, den
beiden einzigen auf dem Markt befindlichen Schnellverschluss-Kofferträgersystemen. Ergebnis: Es dauert in der Regel länger als beworben. Rund eine Minute
für die Demontage sollte jedoch auch
für diejenigen immer noch schnell genug
sein, denen ein Trägersystem am Motorrad
ein optischer Dorn im Auge ist. Welches
System bietet aber die bessere Lösung, oder sollte man lieber die Finger von solch »Schnell-schnell-Lösungen« lassen?
Zunächst: Wer hat’s erfunden? Darüber stritten einst die Geister. Beziehungsweise die Patentanwälte. Denn die Firma SW-Motech (Quicklock) wollte sich vor sechs Jahren mit der Präsentation ihres Schnellverschluss-Systems die Anwendung für den Motorradbereich patentieren lassen. Dem Hersteller unterliefen dabei allerdings Formfehler, so dass er nach Beschwerden eines konkurrierenden Unternehmens den Antrag wieder zurückzog. Den betreffenden Bajonett-Schnellverschluss hat übrigens der Flugzeugbauer Fairchild-Dornier schon in den Achtzigern erfunden, von dem
SW-Motech bis heute in Kundenlizenz die Verschlüsse bezieht.
Für rund 50 Modelle ist das Quicklock-System erhältlich. »Wir sprechen damit den ästhetisch orientierten Motorradfahrer an, der die Linie seines Motorrads ungern durch ein Trägersystem verfremden möchte. Sicherlich kann man auch stabilere Systeme konstruieren, doch bei uns steht die Flexibilität im Vordergrund«, erklärt Jörg Diehl, Geschäftsführer von SW-Motech. Einen ähnlichen Anspruch erhebt auch die Firma JF Motorsport, die neben ihren klassisch fest verschraubten Trägern von Five-Stars für über 20 Modelle das
Delock-System im Programm haben. »Die Nachfrage ist steigend, und für alle
Nachfolgemodelle, bei denen es technisch machbar ist, werden wir voraussicht-
lich nur noch Delock anbieten«, heißt es
seitens JF Motosport.
Während bei Quicklock Adaptersätze für Koffer von Givi, Hepco & Becker,
Kappa und Shad erhältlich sind, passen für die Delock-Träger lediglich Givi-Produkte. Außerdem fehlt bei Delock ein Dieb-
stahlschutz im Zubehör, und nur für die Suzuki-SV-Modelle gibt’s eine komplette Schnellverschluss-Lösung – für andere Motorräder muss ein spezieller Montagesatz für den alleinigen Gebrauch von Seitenkoffern bestellt werden respektive lässt sich die fest verschraubte Topcase-Brücke nur herkömmlich demontierten.
Preislich liegen beide Systeme auf
gleichem Niveau, aber deutlich über dem Givi-Original. Auch in Verarbeitung, Passgenauigkeit und Wertigkeit schenken sich Quicklock und Delock nicht viel. Beide Hersteller empfehlen eine Zuladung von fünf Kilogramm für den Topcase-Träger und je zehn für die Seitenkofferträger.
Um den Systemen auf den Zahn zu fühlen, ging MOTORRAD mit identischen, voll beladenen Koffern auf eine über 100 Kilometer lange Probefahrt über Schnellstraßen und kurvenreiche Landstraßen, schickte außerdem das mit dem jeweiligen System bestückte Testmotorrad Yamaha TDM 900 auf eine anspruchsvolle Rüttelpiste. Als Referenz wurde mit dem fest
verschraubten Original-Trägersystem für die Givi-Koffer sowie »nackt«, also ganz ohne Anbauten gefahren.
Wirklich eine optimale Lösung? Die Stärken und Schwächen sind bei den
einzelnen Systemen in Wort und Bild
festgehalten. Quicklock hat aufgrund der
größeren Auswahl sowie der Kompatibilität
für verschiedene Kofferhersteller die Nase leicht vorn. Insgesamt kann man Motorradfahrern, die nicht allerhöchsten Wert auf Stabilität (etwa Fernreisende), aber auf das Aussehen ihrer Maschine legen und bereit sind, etwas mehr auszugeben, zu den Schnellverschluss-Lösungen nur raten.
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Kofferträger mit Schnellverschluss (Ausprobiert) (Archivversion) - Die feste Größe

Passt genau: Modellspezifische, fest verschraubte Stahlrohrträger tragen die Seitenkoffer, und auf dem ebenfalls fest fixierten, so genannten Monorack kann das Topcase eingeklickt
werden. Das komplette Trägersystem kostet 218,50 Euro und darf an den Seiten mit je drei
Kilogramm, auf dem Monorack mit sechs belastet werden. Für die Montage (rund zwei Stunden) muss das Heck der Yamaha TDM 900 abgeschraubt werden, um zusätzliche Stabilisierungs-
streben montieren zu können. Schlecht: Die verlegten Blinker sitzen nicht besonders fest.
Gut: Bis 180 km/h verhält sich das System stabil, erst darüber stellt sich leichtes Pendeln ein.

Kofferträger mit Schnellverschluss (Ausprobiert) (Archivversion) - Delock

Das 268 Euro teure Delock-System steht den fest verschraubten Givi-Trägern
in der Stabilität um nichts nach. Beim Fahrtest trat erst ab 180 km/h ein leichtes Pendeln auf,
in lang gezogenen Kurven etwas früher, und selbst auf einer derben Rüttelstrecke konnte der Tester keinerlei Geräusche wie Klappern ausmachen – das System sitzt absolut fest. Allerdings etwas zu fest, denn aufgrund von Mängeln in der Passgenauigkeit entsteht beim Schließen der Schnellverschlüsse eine nicht unerhebliche Spannung in den Stahlrohren. Die Seitenträger können mit je zehn Kilogramm belastet werden, der Topcase-Träger mit fünf Kilogramm.
Gegenüber dem Givi-System baut das Delock rund fünf Zentimeter breiter und ist innerhalb von rund 1,5 Stunden zu montieren.

Kofferträger mit Schnellverschluss (Ausprobiert) (Archivversion) - Quicklock

Ausgereift: Das komplette Quicklock-System (Preis für TDM 900: 307,50 Euro plus
optional 30 Euro für Diebstahlschutz-Kit) lässt sich auch von Laien innerhalb einer Stunde anbringen. Rüttel- und Ziehproben mit eingeklickten Koffern erwecken im Stand zunächst keinen besonders stabilen Eindruck des nicht besonders verwindungssteifen, jedoch
sehr passgenauen Trägersystems. Beim Fahren gibt’s indes nichts zu bemängeln. Genau
wie bei Givi und Delock beginnt das Hinterteil der TDM erst ab zirka 180 km/h mit voller
Beladung etwas zu wackeln, und auch böse Schlaglöcher und Patchwork-Asphalt können
das Quicklock-Trägersystem nicht aus der Ruhe bringen. Es ist rund zwei Zentimeter
breiter als die festen Träger von Givi.

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