Schraubertipp: Bowdenzüge (Archivversion)

Zugnummer

Bowdenzüge verrichten ihren Dienst gewöhnlich sehr zuverlässig. Bei schwergängigen Zügen ist jedoch Wartung oder gar Austausch angesagt. MOTORRAD zeigt, wie es geht.

Dank Teflonführung gleiten die verdrillten Seelen moderner Bowdenzüge geschmeidig durch die Außenhülle. Wenn’s hakt und Gas geben nur noch ruckartig geht oder die Betätigungskräfte der Kupplung – begleitet von knarzenden Geräuschen – stark anwachsen, kann die Teflonschicht an einigen Stellen aufgerieben oder das Seil verrostet sein. Dann ist zumeist ein Austausch erforderlich. Dies gilt ebenfalls, wenn die Hülle äußerlich beschädigt oder stark geknickt ist.
Meist ist das Wechseln von Bowdenzügen kein Hexenwerk und kann – zumindest bei Naked Bikes – auch von weniger erfahrenen Schraubern bewerkstelligt werden. Bei vollverkleideten Modellen muss unter Umständen aber mit deutlich höherem Arbeitsaufwand gerechnet werden, um an die Züge heranzukommen. Oft genügt es jedoch, lediglich den Tank abzunehmen. Beim nebenstehenden Demonstrationsobjekt, einer Honda CB 450 S, entfällt
sogar dies, weil alle Züge frei
zugänglich sind. Die hier gezeigten Arbeitsschritte beim Austausch der Züge sind problemlos auf andere Motorräder übertragbar.
So beginnt der Wechsel des Kupplungszugs immer mit dem Lösen der Verstellmuttern am motorseitigen Ausrückhebel (1) sowie am Handhebel, um maximales Spiel des Zugs zu erhalten. Hierzu am Handhebel die Rändelmutter lösen und die Einstellschraube ganz hineindrehen (2). Danach die Einstellschraube und die Rändelmutter so ausrichten, dass sie mit dem Schlitz des Handhebels fluchten (3). Jetzt die Außenhülle mit einem kräftigen Zug aus der Führung der Verstellschraube ziehen und den Kupplungszug aus dem Lager des Handhebels herausfädeln (4). Nun lässt sich das andere Ende einfach vom Ausrückhebel am Motor abnehmen. Wichtig: Bevor man den alten Zug herauszieht, sollte man sich den genauen
Verlauf einprägen oder – sofern möglich – das Neuteil parallel
zum alten verlegen. Immer darauf achten, dass der Zug keine engen Biegungen macht und ausreichend Abstand zu Motor und Auspuff hat. Außerdem beim Verlegen berücksichtigen, dass der Zug bei vollem Lenkeinschlag nicht unter Spannung stehen oder gar den Lenkeinschlag behindern darf.
Der Einbau geschieht in umgekehrter Reihenfolge. Den Zug also zunächst unten am Motor
einhängen, danach am Handhebel, wobei Lager, Nippel und Zugende mit Fett geschmiert werden
sollten. Die Grobeinstellung des Spiels wird unten am Motor vorgenommen. Bei der Einstellung des
korrekten Kupplungsspiels (Angaben im Handbuch) (5) sicher-
stellen, dass der Schlitz der Einstellschraube nach unten zeigt,
um bei Regen Wassereintritt zu vermeiden.
Der Austausch eines Gaszugs erfolgt analog der vorangegangenen Beschreibung. Demnach also auch hier zunächst das Spiel
des betreffenden Zugs (Gas- oder Rückholzug) vergrößern. Dann den Zug aus der Führung am Vergaser nehmen und den Nippel aus dem Lager der Drosselklappenführung ziehen (6). Anschließend die zwei Schrauben am Gehäuse des Gasdrehgriffs herausschrauben. Das Gehäuse lässt sich jetzt teilen, und der betreffende Zug kann am Drehgriff abgenommen werden (7). Nun den Gaszug
mitsamt Führungen durch einen
neuen ersetzen, der in umgekehrter Reihenfolge eingebaut wird.
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Bowdenzüge: Schraubertipp (Archivversion) - REPARATUR

Wenn ein Zug reißt, dann oft fernab einer Werkstatt. In solchen Fällen kann man sich mit
einem Pannenset (zirka fünf Euro) und den darin enthaltenen Schraubnippeln und Ersatzzügen behelfen. Haufig reißt ein Zug direkt am Nippel ab. Wer keine neue Seele einbauen will, muss zur Schnellreparatur die originale unterhalb der Bruchstelle abzwicken. Anschließend die Außenhülle in der gleichen Länge kürzen und mit der beiliegenden End-
hülse versehen. Dann den passenden Schraubnippel mit der Seele verschrauben – fertig (von links). Schraubnippel taugen jedoch nicht auf Dauer und sollten daher alsbald durch einen originalen Zug ersetzt werden.

Bowdenzüge: Schraubertipp (Archivversion)

Teflonzüge vertragen keine Schmiere. Bei schwergängigen Zügen helfen das Teflonspray von Louis (links, 5,95 Euro) oder der Bowdenzug-Öler von Hein Gericke (35,95 Euro)

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