Service Spezial (Archivversion) Vergleichstest Reífen der Mittelklasse

In der Dimension 110/70-17 und 150/70-17 trafen sich neun Gummipärchen zur wilden Kurvenhatz, brisantem Nässetest und finalem Verschleiß-Marathon

Die Qual der Wahl: neun verschiedene Reifen sind für Suzukis Bestseller frei gegeben, welcher taugt am besten? In wochenlanger Fahrversuchen hat MOTORRAD die Probanden auf Herz und Nieren geprüft, jetzt ist die Katze aus dem Sack. Den absoluten und unmumstößlichen Testsieger kann MOTORRAD aber auch in diesem Reifentest nicht krönen, dazu sind die Ansprüche der individuellen Bandit-Treiber zu verschieden. Zur einfacheren Orientierung sind die einzenen Testblöcke mit Punkten bewertet und zusammengefaßt. Aufgrund der jeweiligen Punktezahl gibt es also klare Sieger und Verlierer in den einzelnen Kriterien wie Naßhaftung oder Kurvenverhalten. Wer wirtschaftlich denkt und eine hohe Lebensdauer supersportlichem Grip vorzieht, wird sich anders orientieren als der flotte Rastenkratzer. Die endgültige Wahl der neuen Besohlung sollte erst getroffen werden, wenn man sich von den einzeln aufgelisteten Qualitäten der Testpaarungen überzeugt hat. Die Bandbreite dabei ist weit gespannt. Extreme Dauerläufer sind unter den Testpneus ebenso zu finden wie supergriffige Heizdecken. MOTORRAD splittete den Test in zwei Kategorien: zum einen drei Pneus in einfacher Diagonalbauweise mit dem Geschwindigkeitsindex H (siehe Technikteil Seite XX), zum anderen sechs Paarungen mit radialem Karkassaufbau und einer zulässigen Geschwindigkeit über 250 km/h (Bezeichnung: ZR). Selbst für eine flott getunte GSF 600 zwar nicht zu erreichen, aber von allen Herstellern im Angebot. Die Testergebnisse der neun Pneus sind mit Ausnahme des Verschleißes direkt vergleichbar. Der Hintergrund: Um absolut identische Bedingungen zu schaffen, müssen Streckenführung, Tempo, Witterung, Außen- und Bodentemperaturen für alle Reifen des Verschleißtest gleich sein. Also schaffte sich die Redaktion sechs nagelneue Bandit 600 an und startete zunächst mit einem Konvoi von drei Maschinen in Richtung Süden. Doch während die erste Tour nach Süditalien ungewöhnlich frostig ausfiel, wehte dem wenige Tage später auslaufenden Sechser-Konvoi auf derselben Strecke ein sommerliches Lüftchen um die Ohren. Damit wars um die Vergleichbarkeit geschehen. Ärgerlich, aber leider nicht zu ändern. Markante Ausreißer konnten im Test nicht dingfest gemacht werden, alle Pneus meisterten die sicherheitsrelevanten Prüfungen, etwa Hochgeschwindigkeits-Stabilität oder Naßhaftung, mit ausreichenden Qualitäten. Überraschend gut in Form zeigten sich die preisgünstigen Diagonal-Reifen. Allen voran der Bridgestone BT 45 mit neuester Gummimischung setzte sich brillant in Szene. Selbst der Dunlop-Klassiker K 505, landläufig als Holzreifen verschrien, überraschte mit durchweg akzeptablen Resultaten. Die Erklärung: Auch Reifen, die schon lange im Program sind, werden mit den aktuellen, haftfähigen Gummimischungen ausgerüstet. Oft einfachen deshalb, weil bestimmte problematische Inhaltsstoffe der alten Mixturen nicht mehr verarbeitet werden dürfen und deshalb durch neue ersetzt werden müssen. Das freut den Kunden und die Umwelt. Aufmerksame Leser werden auch feststellen, daß bei den Reifentypen Dunlop D 205F und Pirelli MTR 01 die homologierte Vorderraddimension mit einem 80er Querschnittsverhältnis vom üblichen 110/70er Maß abweicht. Getestet wurde auf permanenten, abgesperrten Teststrecken. Zum Beispiel im Michelin-Versuchszentrum von Clermont-Ferrand in Zentral-Frankreich oder auf dem Rhein-Ring im südlichen Baden. Dem »synthetischen« Test folgte eine Straßenrundkurs aus Holperpisten, unreglementierten Autobahnen und schnellen, kurvigen Landstraßen. Nicht vergessen wurde natürlich auch die Kurvenstabilität mit Sozius. Eine für den Passagier nicht unbedingt witzige Angelegenheit. Vor allem dann, wenn Bridgestones BT 50/ BT 54 G-Kombination um den Kurs schlingerte und das flotte Kurventänzchen in einen sehenswerten Rodeo-Ritt verwandelte. Doch in anderen Disziplinen wurden auch erfreuliche Ergebnisse notiert. So pflügte der Pirelli Dragon GT, in größeren Dimensionen klarer Verlierer bei Nässe, souverän und verläßlich durch die Fluten. Zweifellos fließt hier ebenfalls die Weiterentwicklung der Gummimischungen in bestehende Produktreihen ein, ohne daß diese extra gekennzeichnet sind. Allenfalls anhand des Produktionsdatum oder der umlaufenden Farbmarkierungen lassen sich Umstellungen oder Verbesserungen in der Produktion nachzuvollziehen. Beste Haftung und als Folge die schnellste Rundenzeit bei trockenem Parcour zeichnen das sportliche Avon AV 35/36-Duett aus. Die Kehrseite: Nach 3400 Kilometern im Eiltempo quer durch die Toskana schleppt sich der karg profilierte Pneu nur noch mit bußgeldträchtigen 0,8 Millimetern Restprofiltiefe zum Ziel.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote