Sind deutsche Biker Umweltmuffel? (Archivversion) KAT-astrophal

Den Kat kennen die meisten nicht, und den dB-Killer wollen sie nicht. MOTORRAD hat sich mit Vertretern der Auspuffmarken Laser, Remus und Termignoni über die Kauf- und Fahrgewohnheiten ihrer deutschen Kunden unterhalten.

Wer kauft heute einen Nachrüstschalldämpfer inklusive Katalysator?
Schwarzenberg: Bei BMW-Fahrern sind es um die 85 Prozent. Hier merkt man die Vorreiterrolle von BMW. Bei japanischen Motorrädern sind es zirka 35 Prozent.
Juninck: Trotz der geänderten Gesetzgebung werden immer noch die meisten Anlagen ohne Katalysator verkauft. Im Moment steckt in drei von zehn verkauften Anlagen ein Kat.
Kinzy: Auch bei unserer Kundschaft macht das nicht mehr als fünf Prozent aus. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass bei vielen Fahrzeugen der Kat im vorderen Teil der Krümmeranlage sitzt und beim Wechsel des Endschalldämpfers erhalten bleibt. 
Hat sich seit Einführung der AUK das Kaufverhalten beim Nachrüstschalldämpfer geändert?
Kinzy: Auf jeden Fall. Die Kunden sind sensibler für das Thema Katalysator geworden, da nicht ohne Grund die baldige Einführung einer emissionsabhängigen Steuereinstufung ähnlich dem Pkw befürchtet wird.
Juninck: Grundsätzlich sind die Kunden durch die neuen Gesetze verunsichert und vorsichtiger geworden. Sie warten ab oder fahren doch mit dem originalen Dämpfer weiter.
Schwarzenberg: Es besteht Aufklärungsbedarf, da selbst der Motorradhandel oft nicht Bescheid weiß. Hier ist die Gesetzeslage eher als kompliziert anzusehen.
Fast jede Anlage wird mit Hinweis auf einen herausnehmbaren dB-Killer beworben, die Entnahme selbst ist eine Sache von Minuten. Wird dem Kunden der Schritt in die Illegalität nicht zu leicht gemacht?
Schwarzenberg: Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Kunden für sich selbst entscheiden können. Bei Anlagen nach anderen Wirkungsprinzipien wurde und wird ebenfalls
manipuliert. Es ist keine Frage des Produkts, sondern der persönlichen Einstellung. Bei einer Ordnungswidrigkeit vom Schritt in die Illegalität zu reden, halten wir darüber hinaus für überzogen. Ist beispielsweise ein Rotlichtsünder auch auf dem Weg in die Illegalität? Dies würden wir bezweifeln.
Kinzy: Dem Biker eröffnet sich durch den herausnehmbaren dB-Killer eine außerordentlich kostengünstige und praktische Möglichkeit, mit nur einer Auspuffanlage sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke optimal ausgestattet zu sein. Die verbesserten Siegchancen beim Sound-Contest auf dem heimischen Motorradtreffen spielen hier eine untergeordnete Rolle.
Juninck: Ein 600er-Supersportler kann innerhalb weniger Sekunden eine höchst illegale Geschwindigkeit erreichen. Auch das ist eine Sache von gesundem Verstand und eine Selbstverantwortung des Verbrauchers. Das Entfernen des Inserts ist eine bewusste Handlung. Anlagen ohne db-Killer sind übrigens weitaus schwieriger zu verkaufen. Die Antwort ist also: nein!
Was glauben Sie: Wie viele fahren ohne den dB-Killer nur auf der Rennstrecke?
Kinzy: Alle, da bin ich mir ganz sicher – wenn ich auch mein Haus nicht darauf verwetten würde. Aber im Ernst: Ich bin der Überzeugung, dass nur ein sehr geringer Anteil der Motorradfah-
rer ohne den dB-Killer im öffentlichen
Straßenverkehr unterwegs ist. Neben der Abschreckung durch empfindliche Bußgelder, Punkte in Flensburg und vermehrte mobile Geräuschmessungen ist die Lautstärke auf Dauer nicht an-
genehm.
Juninck: Auf der Rennstrecke werden die Geräuschregelungen fast noch strenger als auf der Straße verfolgt. Jedes zu laute Motorrad wird von der Strecke verwiesen. Ich würde fast sagen, dass dort mehr mit db-Killer gefahren wird als auf der Straße.
Schwarzenberg: Persönlich glaube ich, dass die meisten Fahrer ihren db-Killer entweder immer drin oder immer draußen haben. Oft erfahre ich auch, das er nur kurz versuchsweise entfernt wurde, um »mal zu hören«.
Vom Sound einmal abgesehen:
Ein eingesetzter dB-Killer kostet doch keine Leistung.
Schwarzenberg: Dies kann man pauschal nicht sagen. Bei den meisten ansonsten serienmäßigen Fahrzeugen kostet das Entfernen des dB-Killers Leistung. Dies rührt daher, dass wir im Sinne einer optimalen Leistungsausbeute für jedes Fahrzeug auch den optimalen dB-Killer entwickeln. Allerdings bewegt sich die Veränderung in Bereichen, die zwar messbar sind, aber beim Fahren kaum bemerkt werden können.
Juninck: Ein dB-Killer wird in der Regel gebraucht, um einen offenen Auspuff leiser zu bekommen. Meistens hat das dann negative Einflüsse auf die Durchströmung und damit auf die Leistung, welche durch den offenen Auspuff geboten wurde. Die Performance wird deshalb oftmals schlechter als bei der offenen Anlage.
Kinzy: Auf jeden Fall hängt
sehr viel vom jeweiligen Motorrad und dessen Komponenten ab. Im Durchschnitt kann man bei serienmäßigen Fahrzeugen von zwei bis drei PS ausgehen. Doch entscheidend ist bei einer guten Auspuffanlage nicht der Leistungsunterschied zwischen dem Endschalldämpfer mit oder ohne dB-Killer, sondern das Leistungsplus des zugelassenen Austauschschalldämpfers gegenüber dem Serienpendant.

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