So geht's Alles über Ketten

Leichter als eine Kardanwelle, günstiger als ein Zahnriemenantrieb – die Kette hat immer noch ihre Berechtigung. Und gewisse Ansprüche.

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Kettenpflege

Garanten für eine lange Lebensdauer von Motorradketten sind regelmäßige Pflege und Wartung. Eine falsch eingestellte Kettenspannung – egal, ob zu straff oder zu locker – führt zwangsläufig zu erhöhtem Verschleiß und ist gefährlich. Zu lockere Ketten können vom Kettenrad springen, zu straffe beschädigen nicht nur das Getriebeausgangslager, sondern können durch die extremen Belastungen, vor allem beim Einfedern, sogar reißen. Eine regelmäßige Kontrolle des Kettendurchhangs nach den Angaben des Handbuchs ist deshalb sehr wichtig. Außerdem auch darauf achten, dass die Hinterachse nicht schief in der Schwinge steckt. Sonst müsste die Kette quasi einen Bogen beschreiben, was den Verschleiß extrem beschleunigt. Darum unbedingt die Skalen der Spannvorrichtungen in den Schwingenenden gleich weit nutzen. Zu den wenig beliebten, aber sehr sinnvollen Wartungsmaßnahmen gehört das Reinigen, um die Dichtringe vor Beschädigungen zu schützen, die schließlich zum Verlust der Dauerfettfüllungen führen können. Zur Anwendung: Das im Fachhandel ab rund vier Euro (300-ml-Dose) erhältliche Kettenreinigungsmittel auftragen, mit Pinsel oder Bürste nacharbeiten und anschließend abwischen beziehungsweise abspritzen. Keinesfalls mit einem Dampfstrahler draufhalten. Der würde die Fettfüllungen hinter den Dichtringen ausspülen. Das Aufbringen von Kettenspray sollte spätestens dann erfolgen, wenn die Kette trocken ist (Fingertest). Beim Einsprühen der Kette gilt: innen reichlich, außen mäßig. Außerdem lieber häufiger und sparsam auftragen als selten und dick.

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Der Kettendurchhang wird stets mit aufsitzendem Fahrer gemessen.

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Beim Einsprühen mit Kettenfett an der Innenseite großzügiger als an der Außenseite arbeiten. Viel hilft aber nicht viel, die Kette lieber häufiger und sparsam schmieren.

Kettenschlösser

Wer keine Lust hat, beim Kettenwechsel die Schwinge auszubauen, sollte sich für eine offene Kette mit Schloss entscheiden, die sich wesentlich schneller montieren lässt. Für den Offroad-Bereich, wo öfter mal die Sekundärübersetzungen geändert werden, und für leistungsschwache Motorräder eignen sich die mit Hilfe einer Zange in wenigen Sekunden montierten Clip-Schlösser. Ganz wichtig: die Montagerichtung des Clips. Die geschlossene Seite muss in Ketten-Laufrichtung weisen, damit sich das Schloss während der Fahrt nicht ungewollt öffnen kann. Das kann bei Nietschlössern nicht passieren, da sie mit entsprechendem Spezialwerkzeug (ab etwa 150 Euro) untrennbar vernietet werden. Für die zwei unterschiedlichen Niet-Arten, Hohlniete oder Vollniete, werden unterschiedliche Werkzeuge benötigt. Während die Hohlniete mit einem Dorn aufgespreizt wird, drückt das passende Werkzeug für die Vollniete deren Kopf einfach platt. Eine weitere Verschlusstechnik sind die patentierten Schraubschlösser. Sie lassen sich im Vergleich zu Nietschlössern ohne großen Aufwand mit einem passenden kleinen Schraubenschlüssel anbringen.

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Clip-Schloss, Schraub-Schloss und Niet-Schloss (von links nach rechts)

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Vollniet-/Hohlniet-Schloss

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Für Clip- und Schraubschlösser braucht man keine Spezialausrüstung, bei den anderen hilft ein Nietwerkzeug (links, um 150 Euro)

Kettensatzwechsel

Anders als beim Ölwechsel gibt es für den Kettensatz keine klare Vorgabe in Kilometern, wann dieser auszutauschen ist. Wie erkennt man, ob  die Kette ihre Verschleißgrenze erreicht oder gar überschritten hat? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Zum einen sitzen an den Schwingenenden die Verstellmechanismen für die Kettenspannung. Sind die Markierungen am Ende der Skala angelangt, ist es höchste Zeit für einen neuen Kettensatz. Der ist allerdings bereits dann fällig, wenn das Kettenrad sogenannte Haifischzähne aufweist oder sich die Kette bis zu den Zahnspitzen vom Kettenblatt abheben lässt (siehe Fotos). Tipps für den Kettensatzwechsel: Grundsätzlich den kompletten Satz wechseln, also Kette, Ritzel und Kettenrad. Wird nur die Kette getauscht, längt sich diese auf den mehr oder weniger stark verschlissenen Kettenrädern und Ritzeln extrem schnell. Zunächst bei aufgelegter Kette und blockierter Hinterradbremse die Verschraubungen von Ritzel und Kettenrad lösen. Zum Öffnen der alten Kette entweder eine Trennscheibe („Flex”) zu Hilfe nehmen oder spezielles Kettentrennwerkzeug (im Fachhandel ab etwa 10 Euro). Vor dem Einbau der Neuteile sicherheitshalber die Gliederanzahl der Kette und die Anzahl der Zähne an Ritzel und Kettenrad mit denen der Altteile vergleichen. Anschließend den Kettenspanner in die vorderste Position bringen, um den Einbau der etwas kürzeren, da noch nicht verschlissenen Kette zu erleichtern. Nach Einbau des neuen Ritzels und des Kettenrads (neue Sicherungsbleche beziehungsweise Schraubsicherungen verwenden) die Kette montieren und mit Clip-, Schraub- oder Nietschloss schließen. Wer sich für eine Endloskette entschieden hat, muss den sehr zeitaufwendigen Schwingenausbau in Kauf nehmen. Ganz zum Schluss Kettenflucht und Kettenspannung justieren und nach den ersten Kilometern Fahrt erneut kontrollieren.

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Ein Kettentrennwerkzeug (kostet zwischen 10 und 30 Euro) zum Öffnen und Kürzen ist schneller, leiser und in Hobbyschrauberhand meist auch weniger gefährlich als der Flex.

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Zeit zum Wechsel: Die Markierungen des Kettenspanners (ganz unten), typische Haifischzähne am Kettenrad (Mitte) und eine Kette, die sich abziehen lässt (links), verraten deutlich, dass der Kettensatz austauschreif ist.

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