Test Kettensprays Sprühnachrichten

Was taugen die aktuellen Kettensprays? MOTORRAD hat 15 Kandidaten ausgiebig zerstäubt und berichtet im Folgenden über die gewonnenen Erkenntnisse.

Foto: fact
Mal abgesehen vom Motoröl ist Kettenspray das wichtigste Schmiermittel bei kettengetriebenen Motorrädern. Zugegeben, das Zweirad fährt zur Not auch ohne, doch dann erhitzen sich Kette sowie Ritzel und Kettenrad dermaßen, dass der Verschleiß rapide zunimmt und der ganze Kettensatz in kürzester Zeit reif für den Müll ist. Regelmäßige Pflege mit Kettenspray verlängert die Lebensdauer des Antriebs immens – was eigentlich jeder wissen müsste. Fragt sich nur, welches der zahlreichen Produkte man wählen soll. Genau acht Jahre nach dem letzten großen Test
in MOTORRAD 6/1997 ist es also Zeit, Entscheidungshilfen zu geben.
15 Sprays verschiedener Hersteller, die sich in den Kriterien Abschleuderverhalten, Handhabung, Korrosionsschutz, Kriech- sowie Schmiervermögen messen lassen mussten (siehe Kästen auf den folgenden Seiten), stellten das Testfeld. Da einige Produzenten gleich mehrere Sprays an-
bieten, jedoch pro Marke nur ein Produkt am Test teilnehmen konnte, wurde eine Auswahl getroffen. Um Chancengleichheit zu gewährleisten, bestimmten die Hersteller den Testkandidaten selbst.
Nachdem alle Probanden schließlich in zehnfacher Ausführung in der Redaktion eingetrudelt waren, ging es ans Testen. Unterstützung holte sich MOTORRAD dabei von den Experten der Dekra Umwelt
in Stuttgart, die in Laborversuchen das Kriechvermögen und den Korrosionsschutz ermittelten, sowie von den Technikern der
Ingenieurgesellschaft für Triebwerktechnik (IFT) in Clausthal-Zellerfeld im Harz. In
deren Räumlichkeiten steht ein spezieller Prüfstand für Motorradketten, auf dem das Abschleuderverhalten und das Schmiervermögen untersucht wurden.
Jedes Kettenspray bekam einen fabrikneuen Kettensatz, bestehend aus Ritzel, Kettenrad und 520er-Rollenkette, zugewiesen. Um innerhalb eines angemessenen Zeitraums vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, verwendete das IFT Ketten ohne
O-Ringe, die wesentlich empfindlicher auf Verschleiß reagieren als mit Dauerfettfüllungen versehene Exemplare. Von den Abmessungen her entspricht der verwendete Kettensatz dem einer Suzuki GS 500.
Bei den Prüfstandsläufen fuhr der verantwortliche Testingenieur nach einem exakt vorgegebenen Ablauf verschiedene Drehzahlen ab, und zwar 1000, 2000 und 3000/min. Übertragen in die Praxis entsprechen diese Drehzahlen einer Fahrgeschwindigkeit von 50, 100 beziehungsweise 150 km/h. Weiteres zum Prüfprozedere ist in den einzelnen Kästen zu den Testkriterien aufgeführt.
Keine Berücksichtigung bei der Beurteilung fanden Kaufpreis sowie Ergiebigkeit eines Sprays. Beide Punkte hängen von den in unterschiedlichen Größen angebotenen Spraydosen ab. Während die 300-Milliliter-Dosen nach MOTORRAD-Messungen für neun bis zehn Anwendungen reichten, schafften die 400er-Dosen elf bis 14 und die Halbliter-Behälter 15 bis 17 Kettenbehandlungen. Positiv bei allen Kandidaten: Die Dosen ließen sich bis auf den letzten Tropfen leeren. Allerdings kann es gelegentlich passieren – so wie bei einem Spray geschehen –, dass bei der Herstellung keine oder nicht ausreichend Druckluft in die Dose gelangte. Dann lässt sich das Schmiermittel trotz heftiger Schüttel-
attacken nicht aus dem Behälter locken. Dieses schwappt zwar deutlich spürbar im
Inneren, es kommt aber nichts mehr heraus. In so einem Fall am besten gleich im Fachhandel reklamieren und umtauschen.
Was die praktische Anwendung der einzelnen Sprays anbelangt, gelten für alle die gleichen Regeln: Die Kette sollte von der Innenseite, also der Seite, die dem
Ritzel und dem Kettenrad zugewandt ist,
in mehreren Umläufen (geht am besten mit auf dem Hauptständer – sofern vorhanden – stehenden Motorrad) satt und deckend eingesprüht werden. Der Außenseite genügt ein Durchgang, da sie durch die Flieh-
kräfte beim Fahren automatisch Schmierstoff abbekommt. Vor Fahrtantritt 15 bis 30 Minuten einwirken lassen, damit das Mittel in sämtliche Ritzen kriechen kann und die flüchtigen Bestandteile verdunsten.
Eine Faustregel für die Abstände zwischen der Kettenpflege lässt sich nicht festlegen, weil die äußeren Umstände eine ganz entscheidende Rolle spielen. Bei starkem Regen kann das Fett beispielsweise bereits nach 100 Kilometern von der Kette gespült worden sein. Ähnlich kurze Intervalle ergeben sich bei heftiger Staubeinwirkung. Wenn sich die Kette beim
Auflegen eines Fingers komplett trocken anfühlt und sich keine Anzeichen von Schmierstoff finden lassen, ist es höchste Zeit für die Pflege. Und die besteht, zu-
mindest bei stark verschmutzen Ketten, nicht gleich aus dem Aufsprühen des Sprays. Verklebte Glieder sollten zunächst mit speziellem Kettenreiniger behandelt werden. Erst anschließend kommt das Schmiermittel zum Einsatz, das nicht nur die Lebensdauer der Kette verlängert, sondern gleichzeitig auch die Reibungsver-
luste sowie die Geräuschentwicklung im Fahrbetrieb verringert.
Zurück zum eigentlichen Test und
den gewonnenen Ergebnissen: Insgesamt schneiden die Probanden erfreulich positiv ab. Zwei Drittel der Kandidaten erhalten das Urteil gut oder noch besser. Daran sind in erste Linie die sehr guten Resultate im Kriterium Schmiervermögen verantwortlich. Die gemessenen Kettenlängungen nach den Prüfstandsläufen waren bis auf wenige Ausnahmen derart gering, dass dies auf eine lange Lebensdauer der regelmäßig geschmierten Kette schließen lässt. Und das sind doch durchaus erfreuliche Sprühnachrichten.

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