Test: Nachrüst-Stoßdämpfer für Yamaha XJ 900 (Archivversion) Dressur-Akt

MOTORRAD versuchte, der betagten XJ 900 mittels Zubehör-Stoßdämpfern Manieren beizubringen. Doch so sehr sich die Tester auch ins Zeug legten: nicht alle Kandidaten ließen sich bändigen.

Das Fahrwerk der Yamaha XJ 900 aus dem MOTORRAD-Fuhrpark fühlt sich in manchen Situationen ziemlich wackelig an. Eigentlich wenig überraschend, berücksichtigt man das fortgeschrittene Alter von 12 Jahren und den hohen Tachostand von rund 80000 Kilometern. Aber auch im Neuzustand wären Fahrwerke von damals nicht mit den stabilen, modernen Konstruktion vergleichbar. Um so stärker reagieren die älteren Maschinen auf abgefahrene Reifen, auf defekte Lenkkopflager oder auf ausgelutschte Stoßdämpfer. Da die XJ-Federbeine verschweißt, somit also nicht für Renovierungen vorgesehen sind, bleibt nur der Tausch gegen Neuteile, entweder originale oder aus dem Zubehörhandel. Stellvertretend für viele ältere Zweiräder verglich MOTORRAD sechs verschiedene Zubehör-Federbeine für die Yamaha zum Preis von 339 Mark bis 1095 Mark mit den gut 500 Mark teuren Original-Teilen. Außer den Kandidaten von Bitubo, Koni, Öhlins und U.S.A. Progressive Suspension waren zwei Teilnehmer des Herstellers Hagon mit von der Partie: die Standard-Classic- und eine kurze Version, mit der die Sitzhöhe der XJ um einige Zentimeter schrumpft.Das Fahrverhalten ermittelte MOTORRAD auf einer festgelegten Testrunde, die zum größten Teil aus einer holprigen Landstraße besteht. Jede Paarung mußte mehrere Durchgänge im Solobetrieb und mit voller Zuladung absolvieren. Federvorspannung und, falls vorhanden, Dämpfung wurden solange variiert, bis sich keine Verbesserungen mehr erzielen ließen.Als einzige Paarung weist Bitubo eine stufenlose Verstellung der Feder-Vorspannung auf. Die Vorspannung aller anderen Teilnehmer ist drei- bis fünffach verstellbar. Gemeinsamkeit der stufenlosen und mehrstufigen Verstellung: Für jede Veränderung benötigt man den mitgelieferten Hakenschlüssel, der seinem Namen alle Ehre macht. Es empfiehlt sich, beim Einstellen Handschuhe anzuziehen, da man mit dem hakeligen Schlüssel leicht abrutscht und sich die Fingerknöchel ruiniert. Eine zusätzliche, leicht justierbare Zugstufen-Verstellung besitzen nur Bitubo, Koni und die Original-Dämpfer. Zweifellos eine feine Sache - wenn sie funktioniert und der Besitzer damit umgehen kann.Nun zu den Testergebnissen. Im Solobetrieb machen die getesteten Federbeine durchweg eine passable Figur. Nur das kurze Modell von Hagon stößt bei größeren Bodenwellen buchstäblich an seine Grenzen, es geht auf Block. Am komfortabelsten erweisen sich die Öhlins-Beine - sowohl im Solobetrieb als auch vollbeladen mit zwei Personen, danach folgen Koni und U.S.A Progressive Suspension. Als nur sehr eingeschränkt tauglich für die Zwei-Personen-Fahrt erwiesen sich die Bitubo- und die kurzen Hagon-Federbeine. Während bei den Hagon low der geringe Federweg das Problem ist, fehlt es den Bitubos offensichtlich an Dämpfung. Bei korrekt eingestellter Federvorspannung schlagen die Federbeine gnadenlos durch. Als Notbehelf wurde ein geringerer Durchhang probiert. Das beschleunigte wiederum die Ausfederbewegung nach Bodenwellen. Die Yamaha begann zu »springen« - und das trotz maximaler Zugstufen-Dämpfung. Die richtige Fahrwerkseinstellung ist nicht ganz einfach und sehr stark vom jeweiligen Beladungszustand abhängig. Das sollte beim Kauf berücksichtigt werden. Wer hauptsächlich solo unterwegs ist, findet leichter eine passende Federbein-Paarung. Sobald es sportlich zugeht oder oft vollbeladen gefahren wird, schränkt sich das Angebot an empfehlenswerten Federbeinen ein.

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