Test: Nachrüstdämpfer für GSX-R 750 (Archivversion) Kampf der Titanen

Echte Sportler achten auf jedes Gramm Gewicht und optimales Leistungsvermögen. MOTORRAD bat deshalb zwölf Nachrüstschalldämpfer mit Titanhülle für Suzukis Supersportler GSX-R 750 zum Kräftemessen in die Arena.

Wohl kein anderes Teil am Motorrad wird so häufig durch ein Modell aus dem Zubehör ersetzt wie der Schalldämpfer, und das vor allem bei Sportmotorrädern. Die wichtigsten Gründe für einen Kauf sind Aussehen, Leistungszuwachs und Sound sowie eine mögliche Gewichtsersparnis. Oder, wenn das Original bei einem Sturz oder Unfall beschädigt wurde und ersetzt werden muss, auch der oftmals günstigere Preis der Zubehördämpfer.Dämpfer mit Titanhülle dagegen kosten teilweise sogar noch deutlich mehr als ein Originaltopf, sind zur Zeit aber dennoch besonders gefragt – aus optischen Gründen. Deshalb testete MOTORRAD für eines der meistverkauften Sportmotorräder, die Suzuki GSX-R 750, alle lieferbaren Nachrüstdämpfer aus diesem edlen Werkstoff auf Herz und Nieren. Mit einer Einschränkung: Die Modelle mussten eine EG-Betriebserlaubnis besitzen. Die ermöglicht es dem Käufer, den Nachrüsttopf ohne Eintragung in die Fahrzeugpapiere gegen das Original zu tauschen. Die E-Kennzeichnung in Form einer Prägung oder Plakette auf dem Dämpfer genügt als Legitimation.Mit der Montage der Anlagen beginnt das Testprocedere. Bei der GSX-R sorgen zum Krümmer hin vier Schrauben für den nötigen Halt, und nach hinten sichert eine Verbindung zur Fußraste den Dämpfer. Bos und Scorpion verwenden am Krümmerflansch vier Inbusschrauben, die restlichen Kandidaten werden wie beim Original mittels in den Dämpfern verankerter Stehbolzen und Sicherungsmuttern befestigt.Bei der Verbindung zur Soziusraste gibt es ebenfalls zwei Variationen: ein am Topf befestigter Haltebügel (Suzuki, Bos, Remus) oder eine um den Dämpfer reichende Halteschelle. Formschöner ist zweifellos die Bügelvariante – eine Schelle stört das Erscheinungsbild stark, wie beim Flame-Modell von Scorpion besonders deutlich wird. Ingesamt geht der Anbau bei allen Modellen leicht von der Hand. Einziger Kritikpunkt sind die Gummiunterlagen der Halteschellen, die sich teilweise nur widerwillig montieren lassen.Es folgen die mit Spannung erwarteten Geräuschmessungen. Die Originalanlage erzielt mit 95 dB (A) Standgeräusch und 79 dB (A) Fahrgeräusch exakt die in den Papieren angegebenen Werte. Somit gilt auch für die Nachrüstdämpfer 79 dB (A) als Grenzwert für das Fahrgeräusch und nicht die für Deutschland gültige Obergrenze von 80 dB (A). Nur fünf Dämpfer halten den vorgeschriebenen Wert ein: BSM, Figaroli, Leovince, Scorpion und Termignoni. Arrow, L&W, Nikko, Remus und Sebring liegen mit 80 dB (A) ganz knapp darüber. Die Töpfe von Bos und SR Racing wurden mit 81 dB (A) gemessen.Beim Standgeräusch, das bei Polizeikontrollen als Anhaltspunkt dient, sieht es der Gesetzgeber nicht so eng und lässt für die Nachprüfung eine Toleranz von fünf dB (A) zu. Diesen Wert schaffen alle Testanlagen ohne Probleme. Einige Anlagen flüstern sogar noch leiser als das Original. Etwas geräuschvoller brabbeln Bos, Nikko und SR-Racing bei den vorgeschriebenen 6250/min im Stand, doch immer noch weit innerhalb der Toleranz.Kommen wir zur Leistungsmessung: in der Vergangenheit meist ein trauriges Kapitel für hoffnungsvoll ins Rennen gegangene Nachrüstdämpfer. Diesmal liegen praktisch alle zumindest auf dem Niveau der Originalanlage, mit der die GSX-R 136,5 PS mobilisiert. Schlusslicht ist der Figaroli-Topf mit 133,9 PS – eine geringe Einbuße, die nur echte Profis spüren. Das andere Ende der Leistungsskala bilden Bos mit 142 PS und SR-Racing mit 141,4 PS. Noch viel enger rückt das Feld bei der Drehmomentmessung zusammen. Zwischen der kräftigsten Anlage von SR-Racing und der schwächsten von Figaroli, liegen nur 1,2 Nm.Bleibt neben Preis und Erscheinungsbild noch das Gewicht als Unterscheidungsmerkale der getesteten Dämpfer. Hier liegen manche Varianten mit knapp vier Kilogramm deutlich über dem mit 2,74 Kilogramm sehr leichten Original, andere mit 2,22 darunter. Wer auf die Kosten achtet, ist mit den Modellen von Figaroli, L&W und SR-Racing am besten bedient, die für weniger als 700 Mark zu haben sind. Geht es ums Aussehen, kann MOTORRAD leider keine Hilfestellung leisten, da Geschmäcker bekanntlich sehr verschieden sind. Und eine schöne Hülle haben sie ja ohnehin alle.

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