Test Verkleidungsscheiben für Honda Fireblade (Archivversion) Volle Deckung

Sportbikes taugen nicht nur zum Kurvenkratzen, sondern auch für die Langstrecke. Mit besserem Windschutz macht’s noch mehr Spaß. Sieben Zubehörprodukte stellen sich der Serienscheibe.

Schon mal gehört? Fahrer von Sportmotorrädern haben alle Stiernacken, während Besitzer von vollverkleideten Tourenbikes ihren Kopf auf dürren Storchenhälsen tragen. Klar: Der Winddruck sorgt für den Unterschied. Wer mit Dauertempi über 150 km/h über die Autobahn bügelt, dessen Nackenmuskulatur wird auf einem Sportler wesentlich stärker beansprucht als am Lenker einer Tourenmaschine mit hoher Verkleidungsscheibe. Dabei werden auch Motorräder à la GSX-R 1000, YZF-R1 und Fireblade gern für Langstrecken eingesetzt. Vom Motor und Fahrwerk her überhaupt kein Thema. Wäre nur nicht diese anstrengende Sitzposition in Verbindung mit dem spärlichen Windschutz.
Doch darüber freut sich der Zubehörmarkt, der höhere Verkleidungsscheiben anbietet, die dieses Problem zum Teil
beseitigen oder zumindest lindern helfen. MOTORRAD hat sich die Honda Fire-
blade vorgenommen und sieben Zubehörscheiben gegen das Serienmodell antreten
lassen. Zu den Probanden gehören Ermax, Five Stars, Givi, MRA mit zwei Modellen, Power Bronce und Puig.
Alle Nachrüstexemplare besitzen eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE). Wer die Scheibe montiert, muss lediglich die ABE mitführen – ein Eintrag in die Fahrzeugpapiere ist nicht erforderlich. Der Anbau ist eine Sache von wenigen Minuten und bereitet selbst Laien keine Schwierigkeiten. Außer sie wenden beim Anziehen der sechs filigranen Kreuzschlitz-Schrauben Gewalt an – das mögen die gar nicht. Leichtes Festziehen reicht völlig, um die Scheiben zu fixieren.
Den größten Ausrutscher, was die Montage anbelangt, leistete sich die Racing-Scheibe von Power Bronce, bei der alle sechs Bohrungen einen Tick zu klein geraten waren – die gummiummantelten Haltepfropfen der Fireblade passten nicht hindurch. Wer keinen 9,5-Millimeter-Bohrer zur Hand hat, muss zur Rundfeile greifen. Ärgerlich und unnötig, wie sicherlich nicht nur MOTORRAD meint.
Neben der Montage zählten Passform, Verarbeitung und natürlich der Windschutz, bei dem es die meisten Punkte zu sammeln gab, zu den Testkriterien. Letzteren überprüften die Tester bei 150 und 200 km/h
in sitzender sowie bei 250 km/h in hinter der Scheibe zusammengekauerter Haltung. Entscheidend dabei war die Größe der Schutzzone und wie effizient der Winddruck abgehalten wird sowie die Neigung zu Verwirbelungen hinter der Scheibe.
Die aerodynamischen Eigenschaften von Verkleidungsscheiben werden von deren Form (mit oder ohne Spoiler, steil oder flach) und den Abmessungen (Scheibenlänge und -höhe) beeinflusst. Im vorliegenden Test entstehen beispielsweise bei der sehr langen Five-Stars-Scheibe vergleichsweise wenige Verwirbelungen, da sie den Luftstrom gut über den Fahrer leitet. Sehr kurze und steile Scheiben führen generell zu stärkeren Verwirbelungen. Doch irgendwie gehört der Winddruck zum Motorradfahren dazu. Wer dem Fahrtwind nicht ausgesetzt sein möchte, muss sich entweder komplett hinter den oft winzigen Verkleidungsscheiben zusammenfalten oder eben aufs Auto umsteigen.

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