Test Zelte bis 200 Euro (Archivversion) Zeltanschauung

Motorradfahren und Campen gehört für viele Biker untrennbar zusammen – schließlich steht beides für Freiheit und Abenteuer. Sieben Markenzelte bis 200 Euro im harten Praxistest.

Preisgünstige Zelte – da haben die meisten pergamentdünne Hundehütten oder silbrig flatternde Kuppeln vor Augen, die der erste kräftige Windstoß bis auf die Grasnarbe zusammendrückt. Doch es geht auch anders – wie der vorliegende Test zeigt. Zusammen mit den Spezialisten der Zeitschrift »Outdoor« hat MOTORRAD gesucht und gefunden. Und zwar Markenzelte, die weniger als 200 Euro kosten und mindestens zwei Personen mit Reisegepäck Platz bieten. Die sieben ausgewählten Kandidaten kommen von Black Rock, Coleman, Nordisk, Rejka, Robens, Salewa und Vaude und kosten zwischen 130 und 199,95 Euro.Dass Zelte zu diesen Preisen nicht mit expeditionstauglichen Exemplaren verglichen werden können, die teilweise viermal so viel kosten, versteht sich von selbst. Die Hersteller müssen also zwangsläufig bei Material und Verarbeitung Abstriche machen.So verwenden Black Rock und Coleman bei ihren Modellen preisgünstige – und leider auch etwas schwerere sowie labilere – Fiberglas- statt Alustangen. Die Heringe sind teilweise nicht aus hochwertigem, harten Aluminium, sondern aus weichem (Nordisk), oder gar aus schwerem Stahl (Black Rock, Coleman, Vaude). Hinzu kommen Reißverschlüsse minderer Qualität, wie bei Coleman, die sich durch schlechten Lauf und starken Abrieb bemerkbar machen, und ungleichmäßige Beschichtungen der Bodenwanne (Black Rock und Robens).Trotz dieser Sparmaßnahmen und teilweisen Verzicht auf zusätzliche Belüftungsöffnungen oder metallene Spannösen können die meisten Testkandidaten überzeugen und bieten qualitativ weit mehr als die supergünstigen Angebote einiger großer Motorrad-Zubehörketten. Und jeder, der schon mal tage- oder gar wochenlang bei Regen und Sturm campen musste, weiß hochwertige Zelte zu schätzen.Kommen wir zu den Praxis-Kriterien: Auf- und Abbau flutscht beim Robens besonders schnell, dessen Außenzelt zuerst aufgebaut wird. Bei allen anderen Kandidaten errichtet man zunächst das Innenzelt, was aber bei den meisten Modellen – allen voran Salewa und Vaude – einfach vonstatten geht. Nur Nordisk-Besitzer brauchen ein wenig Geduld.In puncto Komfort sammeln allen voran die teureren Modelle von Rejka, Robens, Salewa und Vaude mit leicht laufenden Zippern, guten Befestigungsmöglichkeiten für die Eingänge sowie vielen Ösen Pluspunkte. Weitere Testkriterien sind der sichere Stand im Wind und Schnitt der Zelte. Letzteres ist ein Indikator für eine saubere Verarbeitung und für wenig Geräusche im Innenzelt, wenn’s windet. Robens und Vaude standen am saubersten, erstaunlich gut für ihre Preisklasse sind auch die Zelte von Black Rock und Coleman. Nur das Nordisk fiel ab, was unter anderem an seiner umständlichen Verankerung im Boden liegt - Außen- und Innenzelt müssen separat fixiert werden.Das Platzangebot im Innenraum ist bei allen sieben Kandidaten sehr ähnlich, während bei den Apsiden (Zeltvorräumen) die Unterschiede gewaltig sind. Beispielsweise bietet das Coleman nur einen guten dreiviertel Quadratmeter – ein Klacks gegenüber den jeweils mehr als 2,5 Quadratmeter großen Apsidenflächen von Black Rock und Robens, in denen sich komplette Motorradfahrer-Austattungen plus Kocher und Kleinkram verstauen lassen. Um die Sturmstabilität zu beurteilen, wurden alle Zelte mit Windstärke 7 bis 8 belastet. Dazu wurde jedes Modell in einem Abstand von 150 Zentimetern hinter der Windmaschine mit allen mitgelieferten Heringen und Sturmabspannungen bestmöglich fixiert. Anschließend standen die Kandidaten jeweils eine Minute lang im simulierten Sturm. Und zwar einmal mit der günstigen Seite zur Windmaschine gewandt und einmal mit der weniger günstigen zur Windmaschine – schließlich kann der Wind auch in freier Wildbahn rasch drehen. Klarer Sieger in dieser Disziplin: das Nordisk, das konstruktionsbedingt (vier Gestängebögen) am stabilsten steht. Coleman, Rejka und Salewa hingegen fallen ab.Bei der Weiterreißfestigkeit des Außenzeltstoffes wird beschädigter Stoff unter Zugspannung gesetzt um zu schauen, ab welcher Krafteinwirkung sich der Riss vergrößert. Hierbei bleiben alle Kandidaten im Rahmen der bei Polyesterzelten üblichen Werte. Salewa und Robens liegen vorne, alle anderen überraschten durch starke Schwankungen innerhalb der Messreihen.Auch bezüglich der Wasserdichtigkeit des Bodens überraschten einige Zelte mit starken Schwankungen innerhalb ihre Bodenwannen - vor allem Robens und Black Rock, die aber trotz allem ausreichend dicht halten.Und Wasserdichtigkeit gehört zweifellos zu den wichtigsten Kriterien beim Campen. Außerdem spielen Gewicht und Packmaß für Motorradfahrer eine entscheidende Rolle. Außerdem sollte die Innenraumlänge die eigene Körpergröße wenigstens um 20 Zentimeter übertreffen, um ausreichend Bewegungsfreiheit zu lassen.Insgesamt hinterließen alle Zelte einen positiven Eindruck (das Nordisk mit Abstrichen), wobei die drei teuersten Kandidaten von Robens, Salewa und Vaude besonders gut abschnitten und sich auf keinem Campingplatz der Welt zu verstecken brauchen.

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