Test Zubehör-Hupen (Archivversion) Honk

In kritischen Situationen kann eine laute Hupe lebensrettend sein. Ein Vergleichstest von zwölf Blasebälgern.

»Eine Einrichtung für Schallzeichen ist eine Einrichtung, die ein Schallzeichen abgibt, das dazu bestimmt ist, in einer gefährlichen Situation im Straßenverkehr auf die Anwesenheit oder auf ein Manöver eines Fahrzeugs aufmerksam zu machen.« Schöner kann man es wohl kaum formulieren, neben vielen hochtechnischen Prüfanforderungen nachzulesen in der vierseitigen Vorschrift 93/30/EWG. Hersteller, die diese Prüfung bestehen, dürfen anschließend ihre Hupen, pardon, ihre Einrichtungen für Schallzeichen mit dem »e« im Rechteck schmücken.Für den Betrieb in Deutschland ist diese Prüfung eigentlich überflüssig, denn laut Paragraph 55 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) unterliegen Hupen keiner Bauartgenehmigungspflicht. Und eintragungspflichtig sind sie auch nicht. Verboten für den Normalbürger sind lediglich Sirenen oder Einrichtungen, die eine Folge von Klängen verschiedener Grundfrequenz abgeben - womit zum Beispiel die Einsatzhörner von Polizei und Feuerwehr gemeint sind. Und lauter als 105 dB(A) dürfen die Hupen, Hörner oder Fanfaren laut StVZO nicht sein - gemessen im Freien und in sieben Meter Entfernung.Leider stand MOTORRAD für die Geräuschmessung der zwölf Hupen, die von den Zubehör-Anbietern zur Verfügung gestellt wurden, keine entsprechende Lokalität im Freien zur Verfügung, an der nach Herzenslust gehupt werden durfte. So mußte eben das ohnehin mit entsprechenden Meßgeräten vollgestopfte Büro von Dirk Waasen, seines Zeichens Leiter des Ressorts Test und Technik bei der ebenfalls zur Motor-Presse gehörenden Fachzeitschrift »auto hifi«, für die ohrenbetäubende Zeremonie herhalten. Die hier in einem Meter Entfernung mit einem Präzisions-Schalldruckmesser gemessenen Werte wurden anschließend auf sieben Meter heruntergerechnet, um wenigstens eine ungefähre Vergleichbarkeit zu den maximal zulässigen 105 dB(A) der StVZO zu erreichen.Stolze 109 dB(A) erreichte die Zweiklang-Kompressor-Fanfare von Louis, mit Abstand die lauteste Tröte im Vergleich, müde 80 dB(A) die Riesen-Hupe Harley-Style Classic vom gleichen Anbieter. Um sich ein Bild von dieser Differenz machen zu können: Zehn dB Schalldruckerhöhung entsprechen einer Verdopplung der Lautstärke - die Fanfare ist also fast achtmal so laut.Die Kompressor-Fanfaren erwiesen sich zwar durch die Bank als die lautesten Signalgeber, sind aber leider längst nicht für jedes Motorrad geeignet, da deren Platzhunger recht groß ist - neben den zwei beziehungsweise drei »Trompeten« muß schließlich auch noch der Kompressor untergebracht werden. So kommen eigentlich nur die großen verkleideten Tourer oder Sporttourer in Frage. Wegen des hohen Strombedarfs von rund 18 Ampere (zum Vergleich: Motorrad-Anlasser ziehen meist zwischen 80 und 100 Ampere) müssen die Bläser auf jeden Fall über ein Relais angeschlossen werden, da sonst ruckzuck die Kontakte des Hupknopfs verschmoren würden. Und so eine Relais-Schaltung überfordert so manchen Elektrik-Laien. Am meisten graust es dem Anfänger davor, wie er herausfinden soll, ob der Hupknopf Plus oder Minus schaltet - und für den Anschluß muß er’s nun mal wissen. Dabei ist’s gar nicht so schwer: Zunächst beide Drähte von der serienmäßigen Hupe abziehen. Der eine davon ist mit dem Hupknopf, der andere dauerhaft mit Plus oder eben mit Minus verbunden. Ein Anschluß eines Zwölf-Volt-Prüflämpchens kommt an einen der Drähte, der andere an Masse, also an eine Motorhalteschraube oder direkt an den Minuspol der Batterie. Dann Zündung an und Hupknopf betätigen. Wenn das Lämpchen jetzt schon leuchtet, ist der Fall klar - der Knopf schaltet Plus. Wenn nicht, kommt die Prüflampe an den anderen Draht und wieder »hupen«. Leuchtet’s jetzt, schaltet der Knopf ebenso Plus. Und leuchtet’s bei beiden Drähten nicht, schaltet der Knopf Minus.Da gestaltet sich der Anschluß der Doppelhupen schon etwas einfacher. Bei Stromstärken von sechs bis sieben Ampere kann der Bastler schon auf den Einbau eines Relais verzichten. Meinen zumindest Hein Gericke und Louis und verzichten großzügig auf die Mitlieferung dieses kontaktschonenden Bauteils. Auch bei Bosch gehört nur bei den Zweiklang-Minifanfaren EC-9 ein Relais zum Lieferumfang, die Mini-Hörner FC-9 gehen leer aus. MOTORRAD empfiehlt dennoch, die Doppelhupen über ein Relais anzuschließen - Kostenpunkt maximal zehn Mark.Richtig einfach wird’s erst bei den Einzelhupen. Da normalerweise jedes Motorrad schon eine Hupe hat, braucht das Teil nur ausgetauscht zu werden. Allerdings wird’s dann auch nicht viel lauter.

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