Topcase-Vergleich (Archivversion)

Pack-Waren

Alle Transportprobleme lassen sich mit einem Topcase zwar nicht lösen, aber für bestimmte Zwecke sind die kleinen Boxen sehr nützlich. MOTORRAD nahm neun der potentiellen Verpackungskünstler genauer unter die Lupe.

Den eigenen Geburtstag vergessen und plötzlich stehen zwanzig Freunde vor der Tür? Zugegeben, dann reicht auch das größte Topcase nicht mehr, um rasch beim Pizza-Service die nötige Verpflegung zu besorgen. Doch wer es leid ist, beim Stadtbummel mit seinem helmbewehrten Ellbogen überall anzuecken, der könnnte auf den folgenden Seite eine Lösung für sein Problem finden. Denn ein Kriterium für die Auswahl der Testkandidaten unter den vielen am Markt befindlichen Topcases lautete: ausreichend Platz für einen Integralhelm. Und da die Wetterverhältnise in hiesigen Breitengraden wenig stabil sind, galt als weiteres Auswahlkriterium: Wasserdichtigkeit mußten die Hersteller für ihre Kandidaten versprechen. Zu guter Letzt sollten sie über ein universelles Trägersystem für die Befestigung auf jeder Gepäckbrücke verfügen. Da Hepco & Becker und Krauser für ihre Koffer und Topcases nur in Kombination mit einem Gepäckträger aus eigenem Hause eine Gewährleistung anbieten, schieden die beiden Hersteller vom Test aus. Übrig blieben neun verschiedene Boxen für das Testfahrzeug Kawasaki ZR 750 Zephyr mit Original-Gepäckträger, die laut Herstellerangaben die Testkriterien erfüllen - von Büse, Götz, Greenfrog, Hein Gericke, IXS, JF Motorsport, Louis, Polo und Schuh.Der Anbau der universellen Trägerplatten, die praktisch auf jeden Rohrgepäckträger geschraubt werden können, ist bei allen Kandidaten problemlos. Nach rund zehn Minuten sitzen die Platten und sind zum Beladen bereit. Bei den Haltesystemen fällt auf, daß die von Givi, IXS, Kappa und Polo identisch sind - anscheinend werden die Topcases beim gleichen Hersteller produziert. Das Befestigen auf den Trägerplatten funktioniert in diesen Fällen folglich exakt gleich. Aufgesetzte Gumminoppen an den Trägerplatten sorgen für satten Druck beim Einrasten und verhindern, daß die Systeme auf schlechten Straßen zu klappern anfangen. Weniger gelungen ist das Trägersystem von Götz. Die Free XXX-Box auf die Halteschienen zu schieben erweist sich als etwas schwierig, und selbst nach dem Verriegeln hat die Verbindung etliche Millimeter Spiel - Klappern ist somit programmiert. Hinzu kommt, daß für die Verbindung Träger/Topcase ein Extra-Schloß benötigt wird - ebenso wie beim Takai-Topcase von Hein Gericke. Alle anderen Teilnehmer verfügen über ein Kombischloß, mit dem das Topcase geöffnet und entriegelt werden kann.Dank eines großen Entriegelungsgriffs läßt sich das Modell von Nonfango besonders gut vom Träger lösen. Ganz im Gegensatz zu der Box von Louis, deren Entriegelungstaste sich im Inneren befindet. Das Topcase läßt sich also nur in geöffnetem Zustand vom Träger lösen. Außerdem ragt der Haltedorn in den Innenraum - ein Weg, über den auch Regenwasser dorthin gelangt.Womit wir beim Kriterium Wasserdichtigkeit wären. Alle Kandidaten wurden ausgiebig abgeduscht, um ihre Dichtigkeit zu prüfen. Zwei Teilnehmer bestanden diesen Test nicht - die Modelle von Götz und Louis. Alle anderen Innenräume blieben trocken. Doch selbst bei denen empfiehlt sich als zusätzlicher Schutz eine Innentasche. Damit läßt sich das Topcase außerdem schneller und bequemer be- und entladen.Beim Beladen gilt für alle Testteilnehmer: Platz für das kleine Reisegepäck ist bei allen ausreichend vorhanden. Zwar geben einige Hersteller das Packvolumen etwas zu optimistisch an (siehe Datenkästen), doch für einen Integralhelm reicht’s allemal. Und viel mehr sollte auch nicht eingepackt werden, um die vom Hersteller angegebene zulässige Beladung nicht zu überschreiten. Mehr zu diesem Thema im Kasten »Lade-Hemmung« (Seite 142).Da ein Topcase üblicherweise hinten auf der Gepäckbrücke sitzt, steht der Mitnahme eines Beifahrers nichts im Weg. Und der kann es sich mit einem passenden Rückenpolster, wie es einige Hersteller anbieten, noch bequemer machen. Die Polster werden mit dem Topcase verschraubt und kosten zwischen 30 und 50 Mark. Für einige Modelle gibt’s noch weitere Extras: von der passenden Innentasche über zusätzliche Haltegriffe, Zusatzgepäckträger aus Kunststoff oder verchromt, über Weichschaum-Innenböden bis hin zu universellen Innenbeleuchtungen oder Zusatzbremsleuchten. Die Zusatzbremsleuchte darf allerdings nur dann eingebaut werden, wenn das Topcase als fester Fahrzeugbestandteil in die Papiere eingetragen wird und ständig am Motorrad bleibt.Eingeschworene Solofahrer, die auf ihren Sozuissitz zugunsten eines größeren Topcases verzichten, finden vielleicht an den Spezialgeboten von Gumpp (siehe Kasten »Maßanzug«) Gefallen. Von den getesteten Modellen sind lediglich die Free XXX-Box sowie das Modell von Louis nicht empfehlenswert. Zu viele Detailmängel trüben das Bild der beiden nicht wasserdichten Kandidaten. Alle anderen Boxen sind empfehlenswert, wobei das Road-Topcase von Polo durch das beste Preis-/Leistungsverhältnis überzeugt.
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Topcases: Vergleichstest (Archivversion)

Free XXX

Modell: Free XXX Box Extra

Anbieter: Götz GmbH, Telefon 07476/933150

Preis: 158 Mark

Volumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 39/36 Liter

Gewicht inklusive Trägerplatte: 3,85 Kilogramm

maximale Zuladung*: keine Beschränkung

empfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 120 km/h

Extras/Besonderheiten: ein Haltegriffset zum Anschrauben (siehe Foto) kostet 19,90 Mark; ein passendes Rückenpolster gibt’s für 38,90 Mark

Stärken: großer Öffnungswinkel des Deckels; sehr guter Tragegriff

Schwächen: nicht wasserdicht; mäßige Verbindung Koffer/Trägerplatte - schwierig einzufädeln und mit zuviel Passungsspiel; ein Schlüssel, aber zwei separate Schlösser für Verriegelung und Topcase-Öffnung; keine Bedienungsanleitung

Fazit: ein wenig gelungenes, billig wirkendes Topcase mit vielen Schwachstellen


MOTORRAD-Urteil: nicht empfehlenswert

*) Herstellerangabe
GiviModell: Compact, lackiertAnbieter: JF Motorsport GmbH, Telefon 06002/910391Preis: 195 MarkVolumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 29/27,5 LiterGewicht inklusive Trägerplatte: 2,85 Kilogrammmaximale Zuladung*: 3 Kilogrammempfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 130 km/hExtras/Besonderheiten: ein passendes Rückenpolster gibt’s für 48 Mark; in der unlackierten Version kostet das Compact 119 MarkStärken: gute Verbindung Koffer/Trägerplatte; wasserdicht; guter TragegriffSchwächen: etwas zu geringer Öffnungswinkel des DeckelsFazit: ein gut verarbeitetes, paßgenaues und wasserdichtes TopcaseMOTORRAD-Urteil: empfehlenswert

Topcases: Vergleichstest (Archivversion)

IXS

Modell: Presta

Anbieter: Hostettler GmbH, Telefon 07631/18040

Preis: 119 Mark

Volumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 29/27,5 Liter

Gewicht inklusive Trägerplatte: 2,9 Kilogramm

maximale Zuladung*: 3 Kilogramm

empfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 120 km/h

Extras/Besonderheiten: Ein passendes Rückenpolster gibt’s für 49 Mark

Stärken: gute Verbindung Koffer/Trägerplatte; wasserdicht; guter Tragegriff

Schwächen: etwas zu geringer Öffnungswinkel des Deckels

Fazit: ein gut verarbeitetes, paßgenaues und wasserdichtes Topcase


MOTORRAD-Urteil: empfehlenswert
KappaModell: Topcase 9100Anbieter: Greenfrog GmbH, Telefon 06002/911337Preis: 139 MarkVolumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 26/25,5 LiterGewicht inklusive Trägerplatte: 2,55 Kilogrammmaximale Zuladung*: 3 Kilogrammempfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 130 km/hExtras/Besonderheiten: Eine zusätzliche Kunststoff-Gepäckreeling gibt’s für 40 Mark; eine verchromte Reeling kostet 89 MarkStärken: gute Verbindung Koffer/Trägerplatte; wasserdicht; guter TragegriffSchwächen: etwas zu geringer Öffnungswinkel des DeckelsFazit: ein gut verarbeitetes, paßgenaues und wasserdichtes TopcaseMOTORRAD-Urteil: empfehlenswert

Topcases: Vergleichstest (Archivversion)

Louis

Modell: Louis-Topcase

Anbieter: Louis GmbH, Telefon 040/73419360

Preis: 79 Mark

Volumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 37/31 Liter

Gewicht inklusive Trägerplatte: 2,775 Kilogramm

maximale Zuladung*: 5 Kilogramm

empfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 120 km/h

Extras/Besonderheiten: eine passende Innentasche gibt’s für 38,50 Mark

Stärken: leichte Bedienung beim Öffnen des Deckels; Tragegriff

Schwächen: nicht wasserdicht; mäßige Verarbeitungsqualität; Deckelverriegelung nur mit Schlüssel möglich; Entriegelungs-Taste Topcase/Trägerplatte befindet sich im Inneren

Fazit: nur mäßig verarbeitetes, nicht wasserdichtes Topcase mit vielen Detailmängeln


MOTORRAD-Urteil: nicht empfehlenswert
NadsaModell: SH 25Anbieter: Schuh GmbH, Telefon 06851/89010Preis: 99 MarkVolumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 25/25 LiterGewicht inklusive Trägerplatte: 2,525 Kilogrammmaximale Zuladung*: 5 Kilogrammempfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 130 km/hExtras/Besonderheiten: Ein passendes Rückenpolster gibt’s für 29 Mark; in farbiger Ausführung kostet das SH 25 131 MarkStärken: wasserdicht; sehr stabiler Sitz auf TrägerplatteSchwächen: etwas zu geringer Öffnungswinkel des Deckels; Tragegriff relativ eng und scharfkantig; leicht hakelige Verbindung Koffer/TrägerplatteFazit: gut verarbeitetes, wasserdichtes Topcase mit geringen DetailmängelnMOTORRAD-Urteil: noch empfehlenswert

Topcases: Vergleichstest (Archivversion)

Nonfango

Modell: 736 LX

Anbieter: Büse GmbH, Telefon 02471/12690

Preis: 199 Mark

Volumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 36/40 Liter

Gewicht inklusive Trägerplatte: 3,575 Kilogramm

maximale Zuladung*: 10 Kilogramm

empfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 130 km/h

Extras/Besonderheiten: eine passende Innentasche kostet 119,90 Mark; eine universelle Innenbeleuchtung 10,90 Mark; Option auf Zusatzbremsleuchte

Stärken: wasserdicht; sehr gute Verbindung Topcase/Trägerplatte; großer Öffnungswinkel, dadurch einfach zu beladen; durchdachtes Einschloß-System

Schwächen: Deckelverriegelung nur mit Schlüssel möglich

Fazit: sehr gut verarbeitetes, wasserdichtes Topcase mit pfiffigem Kombischloß


MOTORRAD-Urteil: empfehlenswert
PoloModell: RoadAnbieter: Polo Expreßversand, Telefon 0211/9796699Preis: 79 MarkVolumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 32/27,5 LiterGewicht inklusive Trägerplatte: 2,7 Kilogrammmaximale Zuladung*: 5 Kilogrammempfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 130 km/hExtras/Besonderheiten: Ein passendes Rückenpolster gibt’s für 39 Mark; eine Innentasche kostet 14,95 MarkStärken: gute Verbindung Koffer/Trägerplatte; wasserdicht; guter TragegriffSchwächen: etwas zu geringer Öffnungswinkel des DeckelsFazit: ein gut verarbeitetes, paßgenaues und wasserdichtes TopcaseMOTORRAD-Urteil: empfehlenswertMOTORRAD Preis-Tip

Topcases: Vergleichstest (Archivversion)

TakaiModell: Takai TopcaseAnbieter: Hein Gericke GmbH, Telefon 0211/98989Preis: 69,95 MarkVolumen (Herstellerangabe/MOTORRAD-Messung): 32/30,5 LiterGewicht inklusive Trägerplatte: 2,65 Kilogrammmaximale Zuladung*: 5 Kilogrammempfohlene Höchstgeschwindigkeit*: 130 km/hExtras/Besonderheiten: keineStärken: sehr guter Tragegriff; relativ großer Öffnungswinkel; leicht zu beladenSchwächen: etwas hakelige Topcase/Träger-Verbindung, die darüber hinaus nur mit Schlüssel betätigt werden kann; leichte Sitzkomfort-Einbußen für den SoziusFazit: wasserdichtes, preiswertes Topcase mit kleinen DetailmängelnMOTORRAD-Urteil: bedingt empfehlenswert

Topcases: Vergleichstest (Archivversion) - Lade-Hemmung

Hersteller-Vorschriften schränken die Alltagstauglichkeit der Topcases gewaltig ein
Um dem Pack-Wahn vieler Motorradfahrer vorzubeugen und im Schadensfall aus dem Schneider zu sein, geben die Topcase-Hersteller Beladungs- und Geschwindigkeitsgrenzen für ihre Boxen an. Die zulässige Beladung schwankt meist zwischen drei und fünf Kilogramm - nur selten sind zehn Kilogramm oder mehr erlaubt. Die Höchstgeschwindigkeit beschränken die Hersteller auf 120 bis 130 km/h. Außerdem schieben die Anbieter von Gepäckbrücken übermäßiger Beladung einen Riegel vor: fünf Kilogramm Zuladung ist häufig das Ende der Fahnenstange. Zweifellos läßt sich mit den meisten Motorrädern trotz Topcase und mehr als fünf Kilogramm Gepäck deutlich schneller fahren, ohne daß es gleich gefährlich wird. Bei Schäden oder Unfällen, die durch zu schnelles fahren oder ein überladenes Topcase verursacht werden, haftet dann aber der Fahrer.

Topcases: Vergleichstest (Archivversion) - Maßanzug

Spezielle Topcases für Solofahrer hat die Firma Gumpp im Programm
Einen völlig eigenständigen Beitrag zum Thema Topcase liefert die Firma Design Gumpp. Für rund 30 verschiedene Motorrad-Modelle - von BMW über Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha - werden Topcases für Solofahrer angeboten. Das meistverkaufte ist das abgebildete F2-Modell aus schlagzähem Kunststoff. Im Preis von 890 Mark sind Lackierung und Befestigungssatz enthalten. Am Testfahrzeug Kawasaki ZR 750 Zephyr gelingt der Anbau ohne jegliches Werkzeug. Nachteile des F2: Das Topcase kann nur unbeladen abgebaut werden - eine passende Innentasche empfiehlt sich folglich. Mit montiertem Topcase kommt der Besitzer nicht mehr an das Werkzeug unter der Sitzbank heran. Die Vorteile des F2: sehr einfache Montage, wasserdicht, exklusives Design, keine Zuladungsbeschränkung und eine vom Hersteller zulässige Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Nähere Informationen zu Modellen, Preisen, Sonderanfertigungen und Fahrverhalten bekommen Interessenten bei Design Gumpp im bayerischen Sachsenried, Telefon 08868/234.

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