Vergleich: Funk-Gegensprechanlagen (Archivversion) Auf gleicher Wellenlänge

Nicht ganz billig, aber technisch machbar und legal: Die Unterhaltung von Motorrad zu Motorrad während der Fahrt. Die gängigen Systeme im Vergleich - jetzt funkt’s.

Für die einen ist die kommunikative Isolation unter dem Motorradhelm nach wie vor ein paradiesischer Zustand, gegen den ganz sicher nichts unternommen werden sollte. Für andere dagegen ist’s die Hölle auf Erden, sich eine Zeitlang nicht mitteilen zu können. Wie auch immer, für die Anschaffung einer Funk-Gegensprechanlage spricht beileibe nicht nur ein übersteigertes Mitteilungsbedürfnis. Vielmehr sind mittels eines Funkgeräts neben den obligatorischen Hinweisen auf landschaftliche Schönheiten zum Beispiel auch Warnungen des Vorausfahrenden vor gefährlichen Streckenabschnitten oder Straßenzuständen möglich - eine durchaus sinnvolle Angelegenheit also.MOTORRAD verglich sechs der in letzter Zeit stark in Mode gekommen Geräte auf LPD-Basis, für einen Systemvergleich dienten ein CB- und ein Kurzstreckenfunk-Gerät - alles zulassungs- und gebührenfrei sowie ohne Lizenz zu betreiben. Als Testfahrzeuge mußten die beiden Yamaha XJ 900 F und XVS 650 aus dem MOTORRAD-Dauertestfuhrpark herhalten. Die Lautsprecher und Mikrofone wurden jeweils in einen agv-Helm Quasar und einen Arai FV eingebaut, als Teststrecke diente ein Abschnitt der schwäbischen Alb, der sowohl flache als auch hügelige Abschnitte bot. Das Wetter war durchgehend schön - und jetzt Schluß mit Bemerkungen zu den Testbedingungen, denn vorher durfte eifrig montiert werden.Die elektrische Installation der Anlagen machte durch die Bank keine Probleme. Schwieriger wird’s meist, wenn Mikrofon- und Lautsprecher-Einbau anstehen. Um die maximale Lautstärke und Klangqualität zu erzielen, müssen die Lautsprecher genau ins Ohr tönen. Außerdem soll sich das Mikrofon in den meisten Fällen (Einbau-Anleitung beachten) sehr nah am Mund befinden, um die nicht ausbleibenden Windgeräusche zu minimieren. Wer hier verzagt (schließlich muß oft auch die Polsterung und die Styroporschale bearbeitet werden): Einige Anbieter übernehmen gegen Aufpreis (meist rund 80 Mark) den Einbau des Headsets in den Helm.Der erste Fahr-Eindruck: Verfügt das Gerät nicht über eine Sprach-Automatik, VOX genannt, muß zum Senden eine Sprechtaste gedrückt werden - und das ist anfangs auf einer anspruchsvollen Strecke recht gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig fahren, drücken und sprechen will gelernt sein - Vorsicht also auf den ersten Kilometern. Das gilt allerdings auch für die VOX-Geräte, denn nach einer längeren Sendepause schreckt der Funkneuling zusammen, wenn die gewohnten Windgeräusche urplötzlich durch eine Stimme unterbrochen werden.Beim Vergleich der LPD-Geräte stellten sich keine Unterschiede in der Reichweite heraus, kein Wunder, da LPDs durch die Bank nur eine Ausgangsleistung von 10 Milliwatt aufweisen dürfen. Ausschlaggebend für die Reichweite ist allerdings die Unterbringung des kleinen Funkgeräts (siehe Seite 139), im Stand ließen sich mit einer externen Antenne (zum Beispiel von Stabo, zirka 60 Mark) immerhin rund 1700 Meter überbrücken. Die maximale Reichweite verringerte sich zwar während der Fahrt deutlich, aber erfahrungsgemäß sind, zumindest für ein Pärchen, selbst 200 bis 300 Meter schon ausreichend, da die Verständigung bei den meisten Geräten ohnehin nur bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h annehmbar funktionierte. Diese Schwelle lag bei jenen Anbieter-Lösungen, bei denen dem schwachen LPD-Verstärker kein weiterer Niederfrequenz-Verstärker in Form eines zusätzlichen Steuergeräts zur Seite gestellt wurde, sogar noch deutlich niedriger - durch die lauten Windgeräusche im Helm war hier im Extremfall schon bei 70 km/h das Ende der Fahnenstange erreicht.Von den vier unterschiedlichen LPDs, XP 200 und XP 500 von Stabo, Pan PC 400 und Kenwood Funkey wirkte das XP 500 mit seinen mannigfaltigen Funktionen ein wenig überfrachtet. Mehr Funktionen als das Pan-Gerät bereitstellt - Kanalwahl, Lautstärkeregler, abschaltbare Rauschsperre, Tastensperre, Batterie-Sparschaltung und beleuchtbares Display - braucht derjenige, der das Gerät ausschließlich auf dem Motorrad nutzt, sicher nicht.Und braucht man überhaupt eine Funkverbindung? Das muß jeder für sich selbst unterscheiden. Vielleicht ist manchen die gute, alte Zeichensprache doch lieber.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote