Vergleichstest Austausch-Schalldämpfer (Archivversion) Topf-an-Topf-Rennen

Zehn Schalldämpfer für die Honda CBR 900 RR im Vergleich: Welcher Auspufftopf kann den Kampf um die Spitze für sich entscheiden?

Früher wurde die Lautstärke in Phon gemessen, waren davon im Harley-Brief 104 eingetragen, dann ahnte man: Das muß verdammt laut sein. Damals störte sich kaum ein Polizist an donnernden Conti-Pipes der Ducati oder kreischenden Dunstall- und Marving-Tüten von getunten CB 750 oder Z 900. Heute ist alles anders, Phon (griechisch für Laut) ist out, leise ist in. Das Dezibel ist das Maß der Dinge. Wie leise 80 dB(A) - das ist der zur Zeit gesetzlich erlaubte Grenzwert für das Fahrgeräusch - sind, zeigt, daß es elbst Großserienhersteller mit all ihren technischen Möglichkeiten nicht leicht fällt, mit luftgekühlten und unverkleideten Ein- oder Zweizylindern diese Hürde zu schaffen. Kleine Nebengeräusche werden zum großen Problem, das Auspuffgeräusch spielt oft gar nicht mehr die entscheidende Rolle. Trotz der rigiden Lärmbestimmungen verkaufen sich legale, ergo leise Nachrüst-Schalldämpfer für Sportmaschinen gut. Einerseits verleihen sie der Maschine einen Hauch Exklusivität, andererseits spricht oft auch der Geldbeutel für die Zubehörtüten: Denn die sind in der Regel auch billiger, nach einem Sturz läßt sich bei der Instandsetzung also Geld sparen. Weitere Argumente sind höhere Leistung und weniger Gewicht. In den beiden letztgenannten Punkten haben es die Zubehörteile im Fall der Honda CBR 900 RR aber nicht leicht. Denn der originale Aluminium-Schalldämpfer wiegt mit 3,9 Kilogramm schon recht wenig. Die meisten Zubehör-Dämpfer kommen auf einen ähnlichen Wert, bei einigen geht`s auch deutlich drunter. Spitzenreiter in puncto Gewicht ist der Moriwaki, mit dem sich gegenüber dem Serienzustand immerhin 1,5 Kilogramm einsparen lassen. Auch qualitativ ist der Seriendämpfer auf hohem Niveau, Rost ist kein Thema. Der Schalldämpfer der privaten CBR des Kollegen Lindner beispielsweise zeigt selbst nach 70 000 Kilometern noch keinerlei Korrosionsspuren. Bei der Leistung sieht`s ähnlich aus: Die sorgfältig abgestimmte Originalanlage läßt sich nur unwesentlich übertreffen. In der Spitze liegen alle Nachrüstdämpfer recht eng an der Serie, einige schaffen es, im mittleren Bereich etwas zuzulegen. Deutlich besser als das Serienmodell kann`s keiner. Sparen läßt sich in fast allen Fällen beim Preis, und das dürfte bei der CBR das gewichtigste Argument sein. 975 Mark kostet der Seriendämpfer beim Honda-Händler. Die Austauschteile liegen zum Teil deutlich darunter, die Testexemplare bewegen sich zwischen 513 und 950 Mark. Bastlerische Fähigkeiten sind beim Austausch kaum erforderlich. Am Flansch sind lediglich drei Schrauben zu lösen, dazu die Schraube der Halterung. Alles eine Sache weniger Minuten. Grundsätzlich sollte immer eine neue Dichtung verwendet werden. Diese liegt nur den wenigen Zubehörtöpfen bei, bei denen die originale Dichtung nicht paßt. Der Gang zum Honda-Händler bleibt dem Kunden daher nicht erspart. In vielen Fällen ist es auch ratsam, statt billiger verzinkter Schrauben die rostbeständigen original-Schrauben von Honda zu verwenden. Schrauben sollten immer mit Kupferpaste eingesetzt werden. Besonders Edelstahl-Schrauben neigen extrem schnell zum Festfressen in den Alu-Gewinden des Auspuff-Flansches. Die ganze Anlage sollte spannungsfrei montiert sein, wenn irgendwo Schrauben mit Gewalt reingewürgt werden müssen, stimmt was nicht.Neben diesen ganzen vernünftigen Erwägungen spielt beim Umrüsten natürlich auch Prestige und die Optik eine Rolle. Der eine mag eher die kurzen dicken, der andere bevorzugt lange dünne Dämpferrohre. Ob kurz oder lang, besser als der originale Dämpfer im Ofenrohr-Look sehen fast alle Nachrüst-Tüten aus.

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