Vergleichstest Enduro-Tankrucksäcke (Archivversion) Rutsch mir doch den Buckel runter

Enduro-Tankrucksäcke haben keine leichte Aufgabe: Sie sollen sich den buckligsten Tanks formschlüssig und rutschsicher anschmiegen - und reinpassen soll auch noch was. Ein Vergleichstest.

Immer diese Enduro-Fahrer. Nicht genug, daß sie in den letzten Jahren die Kiesgruben und Feldwege der Heimat unsicher machen, begeben sie sich jetzt auch immer öfter auf große Reise und werden mit ihren vollgepackten Enduros in den entferntesten Ländern gesichtet.Und da man auf langen Touren viel Gepäck braucht, muß jede Transportmöglichkeit ausgenutzt werden. Und tatsächlich findet sich selbst auf dem schmalsten, spitzigsten Tank ein Plätzchen für einen Tankrucksack. Allerdings sollte es nicht der Urvater aller Tankrucksäcke sein - der Harro Elefantenboy, sondern ein ganz spezieller Enduro-Tankrucksack, der sich den Formen eines Enduro-Tanks besser anpaßt.Wie gut sie diesen hohen Anforderungen gewachsen sind, mußten zehn Modelle in einem Vergleichstest beweisen.Als Testfahrzeug wurde aus dem großen Angebot an Enduro-Motorrädern eine Suzuki DR 650 SE ausgewählt. Ihr anspruchsvoll geformter Stahlblechtank sollte die Tankrucksäcke mit Magnet- und Riemensicherung vor eine schwere Aufgabe stellen.Die Fahrversuche fanden unter anderem auf einer holprigen Landstraße in der Nähe von Stuttgart statt. Außerdem mußten die Tankrucksäcke bei Brems- und Beschleunigungsversuchen ihre Stabilität unter Beweis stellen. Ebenso sollten sie bei Höchstgeschwindigkeit ihre Position beibehalten, was vor allem den Magnet-Tankrucksäcken schwerfiel.Die Testbedingungen waren für alle Kandidaten gleich: das maximale Packvolumen wurde voll ausgenutzt, das Staufach war prall gefüllt.Alle Testteilnehmer besitzen ein einteiliges Staufach, das bis auf den Tankrucksack von Louis mit Hilfe eines umlaufenden Reißverschlusses stufenlos bis zum maximalen Packvolumen vergrößert werden kann.Bei drei der getesteten Modelle besteht die Möglichkeit, zusätzliche Seitentaschen anzubringen, was aber bei der Gesamtbeurteilung keine Rolle spielte. Wegen der Vergleichbarkeit wurden die Fahrversuche ohne Seitentaschen absolviert. Nur soviel zu diesem Thema: Seitentaschen bieten recht viel zusätzlichen Stauraum, sind aber nicht stabil genug mit dem Motorrad zu verzurren und schränken den Kniefreiraum ein. Die besten Lösungen bieten Hein Gericke mit dem Tuareg M, und Polo mit dem Pharao, deren Seitentaschen weit vorn angebracht sind und ausreichend Beinfreiraum lassen.Da Motorradreisen leider oft genug mit Fahren im Regen verbunden sind, gibt es für alle Tankrucksäcke - soweit nicht sowieso serienmäßig vorhanden - Regenhauben gegen Aufpreis. Eine pfiffige Lösung bietet der Enduro-Magnet-Tankrucksack von Louis, bei dem die Regenhaube in einer kleinen Tasche am Tankrucksack untergebracht ist. Die Haube kann bei Bedarf ausgerollt werden und ist fest mit dem Rucksack verbunden. Alle anderen Hauben sollte man bei flotter Fahrt mit einem Gummispanner sichern, damit das gute Stück nicht urplötzlich davongeweht wird. Besonders nötig ist diese Sicherungsmethode dann, wenn der Tankrucksack nicht prall gefüllt ist. Da die Regenhauben für das maximale Packvolumen ausgelegt sind, hat der Fahrtwind sonst leichtes Spiel, unter die Kunststoffhüllen zu kriechen, diese aufzublähen und anzuheben. Im ungünstigsten Fall landet die Hülle dann vor dem Helm, und Blindflug ist angesagt.Wenigstens sind alle Regenhauben - zumindest im oberen Teil - transparent, so daß auch bei Regen ein Blick auf die Landkarte geworfen werden kann.Die Kartenfächer der Tankrucksäcke sind allerdings sehr unterschiedlich. Ein gutes Kartenfach sollte von außen zugänglich sein, um nicht jedesmal das Gepäckfach öffnen zu müssen, was besonders bei Regen und Sturm unangenehm werden kann. Und das größte Kartenfach nutzt nichts, wenn der Zugang zu klein ist. Die Landkarte kann schließlich nicht erst im Inneren aufgefaltet werden. Ein Kartenfach, das vorn 25 Zentimeter, hinten aber nur 14 Zentimeter breit ist, ist ebenfalls wenig sinnvoll, da sich kein Mensch die Mühe macht, eine Landkarte trapezförmig zusammenzufalten. Die Werte in den Datenkästen geben deshalb die möglichen Abmessungen einer rechtwinklig zusammengelegten Landkarte an, die gerade noch untergebracht werden kann.Natürlich gilt hier: je größer das Kartenfach, desto besser, doch bei den schmalen Enduro-Tankrucksäcken ist das zugegebenermaßen nicht ganz so einfach wie bei den großen Verwandten, die auf den dicken Tanks der Straßenmaschinen Platz nehmen dürfen.Einigermaßen problemlos verläuft die Montage der einzelnen Tankrucksäcke. Kandidaten, die nur eine Magnetbefestigung besitzen, müssen nur aufgelegt werden, und los geht’s. Die Vorteile bei der Montage und beim Tanken schlagen aber schnell ins Negative um, wenn es auf unebenes Terrain geht. Magnet-Tankrucksäcke, die nicht zusätzlich mit einem Lenkkopfriemen ausgestattet sind, haben kaum eine Chance, sich auf den buckligen Tanks festzukrallen. Auf der DR 650 SE so gut wie gar nicht, auf vielen anderen Enduros zwar etwas besser, aber oft ebenfalls nicht ausreichend.Alle mit Riemen befestigten Tankrucksäcke im Vergleich bieten eine abnehmbare Bodenplatte für einen einfacheren Tankstopp. In der Zeit, die man zum Öffnen und Schließen des Verbindungsreißverschlusses benötigt, kann man allerdings ebensogut die Haltegurte etwas lösen und den Tankrucksack verschieben, um an den Tankdeckel zu gelangen.Damit die Kandidaten auch in wenig beladenem Zustand nicht nur schlaff über den Tank hängen, besitzen bis auf die beiden Tankrucksäcke von Götz und Held alle Teilnehmer ein Stützkorsett im unteren Teil des Rucksacks. Dieses ist auch dann sehr hilfreich, wenn das Gepäck aus allerlei Kleinkram besteht, der sonst im Fahrbetrieb zum Verrutschen neigen würde. Und die Stabilität eines Tankrucksacks hängt nun mal ganz entscheidend von der Art und Weise der Beladung ab.Ist man schließlich am Ziel seiner Reise angelangt, freut man sich über einen funktionellen Tragegriff, den bis auf den Pharao-Tankrucksack von Polo alle Kandidaten besitzen.Wer den Tank seines Motorrads vor Kratzern und Scheuerstellen bewahren möchte, der kann den Lack mit Schutzfolien bekleben, wie sie beispielsweise Hein Gericke für 12,95 Mark je DIN A4-Folie anbietet. Besonders für die Benutzung der leicht verrutschenden Magnet-Tankrucksäcke ist dies ein wirkungsvolles Mittel gegen Beschädigungen.Die Frage, ob riemengesichertes oder Magnet-Modell, sollte man sich jedoch schon im Vorfeld überlegen. Solange der Tankrucksack nur für lange Autobahn- oder Landstraßenetappen eingesetzt werden soll, kann man mit dem Magnet-Tankrucksack durchaus glücklich werden, wobei man ein Modell mit zusätzlichen Lenkkopfriemen zur Sicherung wählen sollte.Wer allerdings vorhat, mit seiner Enduro hin und wieder auch schlecht geteerte Landstraßen oder gar Schotterpfade zu bereisen, der ist mit einem Tankrucksack, den man mit Riemen verzurren kann, besser bedient.Vom Platzangebot, sowohl was den Stauraum als auch die Bewegungseinschränkung des Fahrers anbelangt, gibt es keine Unterschiede der beiden Befestigungssysteme. Wichtig ist, beim Kauf auf eine ordentliche Paßform zu achten und darauf, ob der Lenkeinschlag nicht zu sehr eingeschränkt wird, was in engen Kurven leicht zum Verhängnis werden kann.Doch glücklicherweise sind nicht alle Enduro-Tanks so kurz und steil wie der einer DR 650 SE, der die Testkandidaten auf eine besonders harte Probe gestellt hat.

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