Vergleichstest Motorrad-Komplettreiniger (Archivversion) Putz-Kolonne

Zwölf Komplettreiniger mussten ihre Fähigkeiten im Labor- und Praxistest von MOTORRAD unter Beweis stellen. Welcher löst das Schmutzproblem am besten, ohne die verschiedenen Teile eines Bikes anzugreifen?

Glaubt man den Versprechen der Reinigungsmittelindustrie, brauchen Motorradfahrer zur perfekten Pflege ihres Bikes nicht viel mehr als einen speziellen Komplettreiniger sowie Wasser: Besagtes Mittel aufsprühen, kurze Zeit einwirken lassen und anschließend mit einem scharfen Wasserstrahl den gelöstem Schmutz abspülen. Putzen kann so einfach sein – zumindest in der Theorie.Die Praxis sieht jedoch anders aus. Kein einziger der zwölf von MOTORRAD getesteten Komplettreiniger zu Literpreisen von 6,95 Mark (Gericke Motorrad-Reiniger) bis 37,95 Mark (S 100 Totalreiniger im Set) schaffte es, den aufgebrachten Ganzjahres-Testschmutz mit Ruß-, Öl- und Staubkomponenten selbsttätig zu lösen. Ein besseres Ergebnis erzielten einige Reiniger lediglich beim Entfernen des angetrockneten Insektentestschmutzes. Leider besitzen die in dieser Disziplin überzeugenden Produkte von Castrol, Götz und WBK einen alkalischen pH-Wert und sind somit ziemlich aggressiv. Sie lösen nicht nur Insekten an, sondern unter Umständen auch Lack und Kunststoffe. Außerdem hinterlassen die Mittel von Castrol, Delo (Gel Spezial-Reiniger), Götz und WBK im Test bereits nach einer Einwirkzeit von 30 Minuten deutliche Spuren auf Aluminiumteilen in Gestalt einer weißen Oxidationsschicht, die sich nur schwer oder überhaupt nicht mehr entfernen lässt. Umso unverständlicher ist es daher, dass ausgerechnet bei Castrol, dem aggressivsten Mittel, sowohl Anwendungshinweise als auch Warnhinweise zur Materialverträglichkeit fehlen. Wie wichtig diese Angaben sind, zeigt das Beispiel von Polo: Wird die exakt vorgegebene Einwirkzeit von maximal fünf Minuten (maximal zwei Minuten bei Aluminium) eingehalten, bleibt der Einsatz des Reinigers ohne Folgen für die Maschine. Doch bereits nach einer Einwirkzeit von 30 Minuten löst auch der Reiniger von Polo – wie alle anderen Testteilnehmer – den Felgenlack leicht an. Somit erreichte keiner der Kandidaten beim Prüfpunkt Materialverträglichkeit Top-Platzierungen. Bestnoten gab es dafür, wenn Schwamm oder Bürste zur Hilfe genommen wurden: Alle zwölf Reiniger, selbst die weniger aggressiven, konnten in diesem Punkt mit sehr guten Leistungen voll und ganz überzeugen. Angesichts dieser Tatsache wäre es besser, wenn die Hersteller bei ihren Motorrad-Reinigern auf das Propagieren der ohnehin nur in Ansätzen vorhandenen selbsttätigen Schmutzablösung verzichten würden. Statt dessen sollte weniger aggressiven Produkten mit einem neutralen pH-Wert der Vorzug gegeben werden, die bei Unterstützung mit einem Schwamm ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie die alkalischen Mittel aus dem Testfeld. Wer ein Reinigungsmittel verwendet und auf Nummer Sicher gehen möchte, säubert sein Motorrad am besten in mehreren Abschnitten. So wird der Reiniger auf jeden Fall nach kurzer Zeit wieder abgespült. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass keine Rückstände auf der Maschine verbleiben. Bei längerem Einwirken offenbaren selbst die noch relativ verträglichen und mit »empfehlenswert« eingestuften Artikel von Gericke (Performance Gel), Polo, Wack (S 100 Totalreiniger) und Sonax einen aggressiven Charakter, unter dem besonders die Aluminiumteile zu leiden haben. Ganz wichtig: Reiniger dürfen nicht in der prallen Sonne oder auf heißen Flächen wie Motor oder Auspuff angewendet werden. Und letztlich sollte einem immer bewusst sein, dass ein Reiniger nicht nur Aluminium, Lack und Kunststoff angreifen kann, sondern auch die Haut.

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