Vergleichstest Motorradbatterien Kalt erwischt?

Wenn die Batterie schlapp macht, muss eine neue her. MOTORRAD testete zusammen mit der Dekra 13 Akkus zwischen 19 und 110 Euro.

Foto: Bilski
Wenns eisig wird, haben Batterien es schwer
Wenns eisig wird, haben Batterien es schwer
Glühende Drähte, hektisch flackernde Kontrolllampen, beißender Schmorgeruch, im roten Bereich der Messinstrumente pendelnde Zeiger, brodelnde Säure – von wegen! Ein Batterietest ist alles andere als eine spektakuläre Sache. Wohl aber eine spannende Angelegenheit. Welcher Saftspender macht sogar unter härtesten Bedingungen nicht gleich schlapp, verkraftet lange Standzeiten am besten, widersteht den zerstörerischen Vibrationen eines Motorrads? Sind teure Akkus tatsächlich besser als die billigen Hausmarken der Versender? Und bringen die wartungsfreien Batterien neben dem geringen Pflegeaufwand auch funktionelle Vorteile?
Die Antworten zu diesen Fragen suchte MOTORRAD zusammen mit Wolfgang Pohl von der Dekra Automobil GmbH und Dr. Roland Ackermann von der Dekra Umwelt GmbH. Die beiden
Experten testeten insgesamt 13 handelsübliche Motorradbatterien mit einer Kapazität von jeweils zwölf Amperestunden (Ah). Darunter waren sechs konventionelle Blei-Säure-Batterien für eine Yamaha XV 535 sowie fünf wartungsfreie Akkus für die Honda XRV 750 Africa Twin, die nach der Befüllung mit dem beiliegenden Säure-Pack dauerhaft verschlossen werden. Darüber hinaus mussten zwei vollständig versiegelte, auslaufsichere Akkus für die Honda CB 1300 zeigen, was in
ihnen steckt. Diese Batterien repräsentieren mit ihrem in einem Microglasvlies festgelegten Elektrolyten derzeit den aktuellen Stand der Technik.
Zunächst wurden die Probanden auf eventuelle Produktionsfehler oder zu lange Lagerzeiten überprüft. Ergebnis: Alle Testexemplare lagen im grünen Bereich, waren also (direkt nach dem Befüllen mit Batteriesäure bei Standardbatterien und wartungsfreien Typen) ohne zusätzlichen Ladevorgang einsatzbereit und fähig, ein Motorrad zu starten. Danach stand die Kapazitätsprüfung auf dem Plan. Die Kapazität gibt an, welchen nutzbaren Energieinhalt eine Batterie besitzt. Den Nennwert von zwölf Amperestunden nach dem erstmaligen vollständigen Laden verpassten fünf Kandidaten knapp, drei Kandidaten übertrafen mit bis zu 14,36 Ah (Varta) die Herstellerangaben deutlich. Einen entscheidenden Punktevorsprung konnten sich die drei allerdings nicht herausarbeiten, weil dieses Resultat nur mit fünf Prozent in die Wertung einfloss (siehe Kasten Seite 51).
Wesentlich gravierender wirkten sich Patzer beim Kaltstartversuch aus. Wenngleich sich heutzutage nicht mehr so viele bei frostigen Temperaturen auf ihr Motorrad schwingen, sagt dieser Test doch
einiges aus über die Leistungsfähigkeit eines Akkus unter schwierigsten Bedingungen. Große Kälte bedeutet für
die Stromversorger richtig Stress, weil
die chemisch-physikalischen Prozesse im
Inneren deutlich langsamer ablaufen, was einer erheblichen Schwächung gleichkommt. In diesem entscheidenden und entsprechend hoch bewerteten Kriterium zeigten sich denn auch die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Testkandidaten. Während die besten
Batterien von FB, Varta und Yuasa (YTX14-BS) zwischen 16 und 18 Startzyklen bewältigten, war beim versiegelten Typ von Licence bereits nach drei Versuchen Schluss. Auch der Nachtest mit einem Reserve-Exemplar verlief nicht besser, die Kapitulation kam nach fünf Startversuchen. Ebenfalls unterdurchschnittlich schnitt die Polo-Batterie mit sieben absolvierten Startversuchen (sechs beim Reserve-Exemplar) ab. Zur Ehrenrettung der in diesem anspruchsvollen Prüfpunkt schwächelnden Akkus ist jedoch anzumerken, dass die Leistungsreserven für den gewöhnlichen Alltagsbetrieb bei höheren Temperaturen noch ausreichen.
Der Tiefentladungsversuch gehört ebenfalls zu den härtesten Belastungen einer Batterie. Zur Tiefentladung kann es etwa durch lange Standzeiten während des Winters kommen. Im Test wurde
diese unter Laborbedingungen mit Hilfe einer 60-Watt-Halogenlampe simuliert.
Dieser Versuchsaufbau verkürzt die Zeitspanne bis zum Funktionsausfall der
Batterie, der bei einem Spannungsabfall auf sechs Volt eintritt, stark. Neben dem
Fiamm-Akku hielten erneut die Testexemplare von FB, Varta und Yuasa am längsten durch. Des Weiteren mussten die Batterien ihre Fähigkeit zur schnellen Stromaufnahme unter Beweis stellen. Sie wurden deshalb weiter entladen, bis nur noch eine Spannung von weniger als einem Volt anlag. Dann galt es, innerhalb einer Stunde am Ladegerät erneut so viel Energie aufzutanken, dass die Stromstärke zum Starten eines Motorrads ausreicht. Erfreulicherweise waren alle Probanden hierzu in der Lage. Durchweg sehr gute Ergebnisse ergab zudem die Rüttelfestigkeitsprüfung. Keine Batterie zeigte nach dem zweistündigen Test Ausfallerscheinungen, die auf mechanische Beschädigungen der Bleizellen zurückzuführen wären.
So unspektakulär wie das Testverfahren fällt letztlich auch das Ergebnis aus. Unter rein funktionellen Aspekten gibt es im Neuzustand keine signifikanten Unterschiede zwischen einer guten konventionellen Batterie und solchen mit wartungsfreier Technik. Außerdem schlugen sich selbst die schwächeren Teilnehmer so wacker, dass die Alltagstauglichkeit unter normalen Umständen gewährleistet ist. Wer also sein Motorrad vornehmlich in der wärmeren Jahreszeit bewegt und
den Akku keinen Extrembelastungen aussetzt, darf sich beim Neukauf getrost am Preis orientieren.

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