Vergleichstest Sintermetall-Bremsbeläge für Yamaha TDM 850 (Archivversion) Platten-Spieler

Damit die Suche nach geeigneten Zubehör-Bremsbelägen nicht zum Glücksspiel wird, probierte MOTORRAD zehn Sintermetallbeläge und testete sie auf Biss und Durchhaltevermögen.

Dass allein mit brachialer Beschleunigung kein Blumentopf zu gewinnen ist, weiß im Rennsport mittlerweile jedes Kind. Verwegene Bremsmanöver sind es, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Und die ermöglichen erst leistungsfähige Bremsanlagen mit standfesten Belägen. Ganz so »verbissen« geht es im Alltag zwar nicht zu, doch sind die Anforderungen an straßentaugliche Beläge kaum geringer als im Rennsport.Beispielsweise sollten die Stopper viel mehr als nur eine Ausfahrt überstehen, außerdem müssen sie auch im Regen und in kaltem Zustand ausreichend verzögern – alles Eigenschaften, mit denen Hightech-Karbonbremsen so ihre Probleme haben. Immerhin sind diese Anlagen hochtemperaturfest und neigen nicht zu gefährlichem Fading (stark nachlassende Bremswirkung bei wiederholter hoher Belastung bis zum Totalausfall). Dieses Standvermögen sollten auch straßenzugelassene Bremsbeläge aufweisen, damit es bei längeren Passabfahrten keine bösen Überraschungen gibt.In allen diesen Bereichen erweisen sich schon seit Jahren Sinter-Bremsbeläge als eine gute Wahl. MOTORRAD bat deshalb neun Kandidaten aus dem Zubehörmarkt zum Vergleichstest an einer Yamaha TDM 850. Als Referenzbelag dienen die original Yamaha-Stopper. Die Zubehörbeläge sind übrigens teilweise für viele andere Yamaha-Modelle zugelassen wie etwa TRX 850, XJR 1200 und FJ 1200. Diese Freigaben variieren von Hersteller zu Hersteller – nachfragen lohnt. Voraussetzung für die gesinterten Testteilnehmer war nur die Freigabe für Yamahas TDM 850, aktuellen Baujahrs.Zum Testablauf: Alle Beläge wurden zunächst vermessen und vorschriftsmäßig eingefahren. Anschließend mussten sie ihre Qualitäten auf trockener Fahrbahn beweisen. Beim Ansprechverhalten ist entscheidend, wie spontan die Beläge auf Bremsbefehle reagieren. Zu schwammiges oder verzögertes Ansprechen wird negativ bewerter. Die Dosierung gibt an, ob die Bremskraft kontinuierlich und kontrollierbar gesteigert werden kann. Optimal ist ein steil ansteigendes, aber linear verlaufendes Kraft-Verzögerungsdiagramm. Das heißt, dass höhere Bremskräfte am Hebel eine proportional höhere Verzögerung bewirken. Einige Testbeläge, wie EBC oder Premier, weisen stark progressiv ansteigende Verzögerungswerte auf, was eine kontrollierte Dosierung vor allem für weniger Geübte erschwert – nur echten Racern kommt diese Eigenart entgegen.Der Unterpunkt Handkraft bewertet die am Bremshebel aufzubringenden Kräfte. In diesem Punkt schneiden alle Testbeläge gut bis sehr gut ab. Wie gut sie bei einer Vollbremsung in kaltem beziehungsweise in warmgefahrenem Zustand verzögern, ist ebenfalls den einzelnen Datenkästen zu entnehmen. Einer der wichtigsten Punkte bei den Funktionstests ist Fading. Das erfreuliche Ergebnis: Alle Kandidaten schneiden vorbildlich ab und verzögern auch nach der sechsten kurz nacheinander ausgeführten Vollbremsung aus 100 km/h nahezu unbeeindruckt.Nächster Testkriterium: das Nassbremsverhalten. Um dies zu testen, wurden alle Kandidaten während der Fahrt bewässert. Aus einem Kanister im Tankrucksack fließt Wasser durch Leitungen direkt auf die Bremszangen und -scheiben. Bei mehreren Bremsvorgängen mussten die Testbeläge ihr Können bei Nässe zeigen. Und das überzeugt sogar beim vermeintlichen Nasstest-Verlierer SBK3 von Carbone Lorraine, dessen Ansprechverhalten und Wirkung bei regennasser Fahrbahn allemal ausreichen.Fazit: Alle getesteten Sinter-Bremsbeläge hinterließen einen guten Eindruck und sind preisgünstigen, organischen Belägen in puncto Standfestigkeit, Wirkung und Fading bei weitem überlegen. Am allerbesten schnitten die Lucas-Stopper ab mit hauchdünnem Vorsprung vor AP-Racing, Brembo und EBC.

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