Vergleichstest Sintermetall-Bremsbeläge (Archivversion) Brems-Assistent

Kräftig zubeißende Bremsbeläge sollen bei Supersportlern à la Suzuki GSX-R 1000 für angemessene Verzögerung sorgen. Acht Zubehör-Beläge messen sich mit den Original-Stoppern.

Stillstand ist Rückschritt – gemäß diesem Motto produzieren sämtliche Motorradhersteller der Welt immer neue, noch bessere Fahrzeuge. Mehr Leistung, mehr Komfort und mehr Sicherheit stehen ganz oben auf der Wunschliste. Vor allem der Zuwachs an PS und Beschleunigungsvermögen bei den Sportmotorrädern ist enorm. Wohl dem, der nicht nur flink am Gasgriff dreht, sondern auch mit dem Bremshebel umzugehen weiß. Deshalb
gilt ebenso: Stillstand ist lebensrettend – zumindest dann, wenn es darum geht,
das Motorrad vor einem auftauchenden Hindernis rechtzeitig zu stoppen.
Welche Zubehörbeläge diese Aufgabe am besten meistern, testete MOTORRAD am Beispiel der aktuellen Suzuki GSX-R 1000. Insgesamt acht Sintermetall-Bremsbeläge verschiedener Hersteller stellen sich den Suzuki-Stoppern. Häufigste Kritik an den Originalteilen sind der extrem hohe Preis sowie das für einen Sportler zu stumpfe Ansprechverhalten. In Sachen Kosten können die Zubehörbeläge fast ausnahmslos einen großen Vorteil verbuchen. Ob sie in der Funktion ebenfalls einen besseren Eindruck hinterlassen, musste sich bei den Testfahrten zeigen.
Für die Praxisprobe wurden zunächst sämtliche Testbeläge so eingefahren, dass sie auf der gesamten Belagsfläche an den Bremsscheiben anlagen. Beim Einbremsen ist darauf zu achten, dass die Beläge nicht überhitzen – also nicht mit Vollbremsungen beginnen, sondern die Bremsmanöver langsam steigern und die Beläge dazwischen immer wieder abkühlen lassen.
Bei den Funktionstests bewerteten
die Fahrer zunächst auf trockener Fahr-
bahn die im Folgenden erklärten Punkte.
Ansprechverhalten: Wie spontan reagieren die Beläge auf einen Zug am Bremsgriff? Druckpunkt: Wie stabil ist der Widerstand am Bremshebel? Ein weicher oder wandernder Druckpunkt gibt Punktabzug. Dosierbarkeit: Wie gut lässt sich die gewünschte Bremskraft dosieren?
Ideal für weniger Geübte ist eine linear ansteigende Kennlinie, das heißt, bei gleichmäßig zunehmender Handkraft nimmt die Bremswirkung ebenfalls gleichmäßig und somit berechnend zu. Bei höherer Handkraft stark progressiv zubeißende Beläge können leicht zum Überbremsen führen. Handkraft: Wie hoch sind die benötigten Handkräfte am Hebel? Bremswirkung kalt und warm: Wie hoch ist die maximale Verzögerung bei kalter beziehungsweise warmer Bremse? Fadingverhalten: Neigen die Beläge bei höchster Belastung (nach mehreren Vollbremsungen oder bei Passabfahrten in vollbeladenem Zustand) zum Leistungsverlust? Bei akutem Fading sind beim Bremsen wesentlich höhere Handkräfte nötig. Oft »fällt« der Bremshebel gar bis zum Lenker durch, und das Motorrad verzögert kaum noch.
Die Kriterien Ansprechverhalten, Dosierbarkeit, Handkraft und Bremswirkung wurden auch bei den nachfolgenden Fahrversuchen im Nassen bewertet. Dazu setzte MOTORRAD auf die bei vergangenen Tests bewährte Methode: Mittels eines Tankrucksacks mit Wasserkanister lassen sich über zwei verschließbare Leitungen beide Bremsscheiben der Suzuki gleichmäßig bewässern und somit ideale und
vor allem für alle Teilnehmer identische Testverhältnisse schaffen. Vorteil: Vollbremsungen sind ohne Gefahr eines auf regennasser Straße wegrutschenden Vorderrads möglich. Besonders wichtig bei Regenfahrten ist spontanes Ansprechen und zuverlässige Dosierbarkeit der Bremse. Mit Belägen, die zunächst keine Bremswirkung zeigen und dann urplötzlich kräf-
tig zubeißen, besteht erhöhte Sturzgefahr. Erfreulicherweise fiel keiner der Testkandidaten mit dieser unangenehmen Eigenheit auf. Dennoch ein kleiner Tipp für Fahrten bei Nässe: Gelegentliches Anlegen der Beläge durch sanften Zug am Hebel hält die Bremse auf Temperatur und sorgt dafür, dass im Bedarfsfall noch schneller Bremswirkung zur Verfügung steht.
Das positive Fazit des Praxistests: Das gesamte Testfeld bestand nur aus guten bis sehr guten Belägen. Beruhigend zu wissen, dass sich die Industrie nicht nur um die positive, sondern auch um die negative Beschleunigung angemessen kümmert.

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