Vergleichstest Tankrucksäcke Aufbau-Studium

MOTORRAD packte zwölf Tankrucksäcke auf eine Honda CB 1300 und erkundete in ausführlichen Fahrversuchen, ob deren universelle Befestigungsmöglichkeiten tatsächlich für alle Benzinbehälter taugen.

Foto: Bilski
Großer Tankrucksack-Vergleich
Großer Tankrucksack-Vergleich
Der heftige Ruck kam so überraschend, dass nichts mehr zu retten war. Beim Einscheren vor dem überholten Pkw blockierte schlagartig das Hinter-
rad der Yamaha FJ 1200 und brach aus. Die reflexartigen Lenkkorrekturen erwiesen sich als aussichtslos im Kampf mit
dem wild schlingernden Motorrad. Nach etlichen Purzelbäumen auf dem rauen Asphalt einer südfranzösischen Landstraße machte ich die schmerzhafte Erfahrung, dass unzureichend gesichertes Gepäck – damals eine lax befestigte Gepäckrolle – manchmal nicht zum Ziel, sondern geradewegs ins Krankenhaus führt.
Die üblen Schürfwunden und Prellungen sind längst verheilt. Geblieben ist aber ein gesundes Misstrauen, was die Befestigungsmöglichkeiten von Motorrad-Gepäck anbelangt. Stellt sich also die Frage, ob die zwölf zum Test geladenen Tankrucksäcke den Anforderungen an einen sicheren Transport genügen. Für diesen Vergleich orderte MOTORRAD auschließlich Tankrucksäcke, die nach Angaben der Hersteller als Universaltalente sowohl für Spritbehälter aus Stahlblech als auch aus Aluminium oder Kunststoff taugen sollen.
Zehn Kandidaten erfüllten diese Vor-
aussetzungen, indem sie neben der obli-
gatorischen Magnet-Grundplatte zudem die Befestigung per Riemen ermöglichen, entweder mit beiliegenden Strapsen (Cameron, Moto-Detail, Spool) oder aufpreispflichtigen Grundplatten zum Auswechseln. Als interessante Alternative komplettierten Bagster und Vanessa das Testfeld. Beide Anbieter verzichten auf Magnete und setzen auf
spezielle Haltesysteme.
Mit Erfolg. Auf der Honda CB 1300 funktionierte das Bagster-Prinzip mit der Kombination aus maßgeschneiderter Tankschutzhaube und dem daran einzuklinkenden Athena-II-Tankrucksack perfekt. Gut schnitt ebenfalls das High-Tech-Bag von Vanessa ab, dessen aufgeklebte Halter
mit der vollen Beladung keine Probleme hatten. Ganz im Gegensatz zum Cameron Sydney. Erwies sich bereits die Magnet-Grundplatte als zu schwach für den hoch bauenden Tankrucksack, so fragt man sich angesichts der völlig untauglichen Plastikbänder, ob die Franzosen ihr Produkt jemals in der Praxis getestet haben. Nicht mehr als eine Alibi-Funktion besitzen ebenso die vier Riemen mit den Plastikhaken des Moto-Detail-Tankrucksacks, der mit seiner Magnetplatte aber immerhin auf Stahlblechtanks befriedigenden Halt findet.
Wie man es besser macht, demonstrierten die Tankrucksäcke von Famsa, FLM, Hein Gericke, Held und Oxford. Deren Grundplatten hielten die Packtaschen sowohl mit Magnet- als auch mit Riemenbefestigung zuverlässig und ohne übermäßige Wackelei auf dem Tank. Auch beim anspruchsvollen Rütteltest. Hierbei wurden die jeweils mit sechs Kilogramm beladenen und auf maximale Größe entfalteten Tankrucksäcke durch mehrmaliges ruckartiges Ziehen am Lenker bei Geschwindigkeiten zwischen 100 und 160 km/h zum Aufschaukeln gebracht. An diesem Härtetest scheiterte nicht nur die zu schwache Magnetplatte des Cameron, sondern auch jene des Ixs Kiba. Wer bei Tankrucksäcken generell auf Nummer Sicher gehen möchte, fährt daher am besten mit einer fest verzurrbaren Riemengrundplatte. Unliebsame Überraschungen durch sich lösende Gepäcktaschen sind damit jedenfalls ausgeschlossen.

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