Vergleichstest Verkleidungsscheiben Windabweiser

Sieben Nachrüst-Verkleidungsscheiben für die Suzuki Hayabusa und neun Modelle für die Yamaha FZS 1000 Fazer im Labor- und Praxistest.

Foto: Bilski
Windschilder im Vergleich
Windschilder im Vergleich
Motorradler sind schon eine seltsame Spezies. Einerseits lieben sie es, die Nase (oder zumindest den Helm) in den Wind zu strecken, andererseits bemängeln sie, nach Kritikpunkten ihres Fahrzeugs befragt, häufig den Windschutz. Trotz Verkleidungsscheibe sind sie mehr oder weniger schutzlos dem heranbrausenden Fahrtwind ausgesetzt, oder es kommt zu starken Turbulenzen und Geräuschentwicklung im Helmbereich. Diesen Umstand nutzt der Zubehörmarkt und bietet für fast jedes Motorrad Nachrüstscheiben in verschiedenen Ausführungen.
Selbst die Fahrzeughersteller erkennen gelegentlich das Problem der Serienscheiben und bieten alternative Modelle für besseren Windschutz an. So hat beispielsweise Yamaha für eines ihrer beliebtesten Motorräder, die FZS 1000 Fazer, angeblich funktionelleren Ersatz. Die Alternativscheiben nennen sich Sport, Spoiler und Touren, wobei die Sportscheibe wesentlich kleiner ausfällt als das
Original und für eine Verbesserung des Windschutzes damit nicht in Frage kommt. Die
beiden anderen Modelle ließ
MOTORRAD zusammen mit sieben Nachrüstscheiben aus dem Zubehör gegen die Serienscheibe antreten.
Ein großes Problem bei Motorrädern wie der Fazer ist der relativ große Abstand
zwischen Scheibe und Fahrer sowie der steile Anstellwinkel, der für große Turbulenzen sorgt. Mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit tendiert der verwirbelte Luftstrom dazu, bereits vor dem Fahrer wieder nach unten zu streben. Dies ist besonders bei steilen und kurzen Scheiben der Fall.
Während die Yamaha FZS 1000 Fazer in diesem Test für die Gattung der Tourer steht, vertritt die Suzuki Hayabusa 1300 die Gruppe der Hochgeschwindigkeits-Motorräder. Kompromisslos auf geringen Luftwiderstand ausgelegt, geriet die Serienscheibe extrem niedrig und taugt allerhöchstens noch flach auf dem Tank liegend als Windabweiser. Bei normaler Sitzhaltung hängen Hayabusa-Treiber gnadenlos im Sturm. Für Abhilfe will der Zubehörmarkt sorgen, der sieben Modelle anbietet – allein vier davon stammen, wie bereits bei der Fazer, aus dem Hause MRA.
Für sämtliche Verkleidungsscheiben auf dem Markt gelten bestimmte Voraussetzungen, um eine Zulassung für den Straßenverkehr zu erhalten. Werden diese erfüllt, zählt eine allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) zum Lieferumfang – was auf alle von MOTORRAD getesteten Modelle zutrifft. Die ABE muss zusammen mit den Fahrzeugpapieren ständig mitgeführt werden. Wer mag, kann das Nachrüstteil zwar eintragen lassen, doch beim Zurückrüsten auf die Serienscheibe ist dann erneut der Gang zum TÜV erforderlich.
Eines der zahlreichen Zulassungskriterien ist ein Materialgutachten, das bestätigen muss, dass die Scheiben beim Unfall nicht scharfkantig zersplittern. Außerdem muss der obere Scheibenrand einen Mindestradius aufweisen. Er darf nicht zu klein und keinesfalls scharfkantig ausfallen. Deshalb liegt sämtlichen Zubehörmodellen ein Kantenschutz aus Gummi bei, der selbst montiert werden muss (Ausnahme: Five Stars, deren Kantenschutz ist bereits vormontiert).
Transparenz gehört dagegen – auch wenn viele dieser Meinung sind – nicht zu den Zulassungsvoraussetzungen. Scheiben dürfen also komplett verspiegelt, getönt oder völlig schwarz sein. Nach Ansicht des Autors ein netter Gimmick, doch für all diejenigen, die ihr Motorrad flach liegend zur Höchstgeschwindigkeit treiben, nicht ganz ungefährlich. Ein gewisses Maß an Durchblick sollte unbedingt vorhanden sein – doch wie gesagt: Die Entscheidung steht jedem frei. Ebenso wie die Wahl von
Marke und Modell des Wind-
abweisers.

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