Vergleichstest Zentralfederbeine

Neues Federbein fällig? MOTORRAD drehte die unterschiedlichsten Nachrüstteile von acht Herstellern durch die Mangel.

Wenn´s schlingert, wippt und wackelt, ist die Ursache oft eindeutig: Federbein defekt. Bei aufwendigen, meist in Sportmaschinen eingesetzten Dämpfern ist eine Reparatur möglich. Diese kostengünstigste Lösung führen jedoch nur wenige Fachbetriebe aus. Ansonsten läßt sich häufig Geld sparen, wenn statt der Original-Ersatzteile ein Nachrüstfederbein gewählt wird. Die verschiedensten Hersteller versuchen, mit einer besseren Abstimmung oder individueller Auslegung von Feder und Dämpfung dem Kundenanspruch gerecht zu werden.
Aber nicht nur ein ausgelutschter Dämpfer, sondern auch schlecht abgestimmte Serienteile machen aus manchen Bikes wahre Schaukelstühle. Der Grund: Bei zu hohen Anforderungen an den Komfort bleibt die Fahrstabilität speziell bei schwergewichtigen Fahrern oder im Soziustrieb auf der Strecke.
Nahezu alle Federbein-Hersteller bieten zwei Produktlinien an. Der preisgünstigere Gasdruckdämpfer mit stufenlos einstellbarer Federvorspannung und oft auch regulierbarer Zugstufendämpfung, aber ohne Ausgleichsbehälter und Druckstufeneinstellung reicht für den anspruchsvollen Straßenbetrieb völlig aus. Im Sportbereich oder bei Tourern mit unterschiedlich hoher Zuladung empfehlen sich die teuren Varianten, die zusätzlich eine Druckstufenregulierung am Ausgleichsbehälter besitzen. Der Vorteil: Die Dämpfung bleibt selbst unter extremen Bedingungen wie Hitze, Wellblechpisten oder zerfurchten Rennstrecken nahezu konstant. Zudem läßt sich mit wenigen Handgriffen die Druckstufendämpfung den Ansprüchen im Touren- oder Sporteinsatz anpassen, denn diese wirkt federunterstützend und beugt Durchschlagen vor, ohne daß dazu die Federvorspannung nachreguliert werden muß. Dieses Prozedere ist bis auf wenige Ausnahmen mit einem umständlichen Gefummel mit dem Hakenschlüssel verbunden. Die bessere Lösung: ein rund 200 Mark teurer hydraulischer Vorspannzylinder mit externem Stellrad.
Stellvertretend für die Mittelklasse-Maschinen wählte MOTORRAD als Testfahrzeug für die einfachen Federbeine die Honda CBR 600 F (PC 25), Baujahr 1993. Bei dem ansonsten sehr guten Motorrad ist das zu lasche Federbein in der Serienausführung Kritikpunkt Nummer eins. Für die aufwendigen Federbein-Varianten bediente sich die Testcrew einer Suzuki GSX-R 750, Baujahr 1999. Im Straßenbetrieb akzeptabel, bei sportlicher Hatz jedoch überfordert und mit einem zu geringen Verstellbereich versehen, kann die GSX-R ihr Leistungspotential mit dem Seriendämpfer nicht ganz umsetzen. Dem Einsatzzweck entsprechend war auch das Testprogramm ausgelegt. Landstraßen Marke Rübenacker, Soziusfahrten und zackige Runden auf dem Rennkurs für die Honda. Umgekehrte Gewichtung bei der Suzuki: Rennstrecke letzte Rille, zusätzlich löchrige Landstraßen.
Gefahren wurden die Federbeine mit in regelmäßigem Turnus erneuerter Bereifung und serienmäßigem Luftdruck. Der Grund: Reifenkonstruktion und Luftdruck tragen einen nicht unerheblichen Teil zu Stoßdämpfung und Abrollkomfort bei. Als zusätzlichen Test spannte MOTORRAD alle Probanten auf den Stoßdämpferprüfstand beim holländischen Hersteller White Power. Dort lassen sich Dämpfungs-Charakteristik, Federrate und die Hitzeempfindlichkeit exakt aufzeichnen und vergleichen.
Erfreuliches Ergebnis: Praxisbewertung und Prüfstandsergebnisse deckten sich bei allen Testkandidaten. Markante Ausreißer gab es keine, doch überraschte das bewährte Öhlins-Federbein mit einem bislang ungewohnten Nachlassen der Dämpfung in heißem Zustand. Unsere Vermutung: die laut Öhlins ausschließlich bei den GSX-R 600/750-Federbeinen verwendeten Dämpfergehäuse aus Aluminium, die sich bei Erwärmung stärker ausdehnen als die üblichen Stahlzylinder und damit mehr Undichtigkeiten zwischen Dämpferkolben und Zylinder bewirken.
Ungewöhnlich war außerdem das Ergebnis des Koni-Dämpfer für die CBR 600 F. Die verwendete Feder war deutlich zu weich, das Federbein schlug im Soziusbetrieb gnadenlos durch. Zudem arbeitete die progressiv gewickelte Feder auch bei deutlich erhöhter Vorspannung ausschließlich im weichen Federbereich, konnte also den theoretischen Vorteil der Progression nicht umsetzten. Doch das soll sich ändern. Koni will ab der achten Produktionswoche 1999 eine härtere Feder mit hohem Durchschlagschutz aufgrund starker Progression einsetzten. MOTORRAD wird den modifizierten Koni-Dämpfer nachtesten und darüber berichten.
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Suzuki Original

Bezugsquelle: SuzukiPreis: XXX MarkEinbaulänge: 353 mmGewicht: 3,24 kgFederrate: 62,5 N/mm,AusführungGasdruckdämpfer mit integriertem Ausgleichsbehälter, Zug- und Druckstufendämpfung stufenlos über Schlitzschrauben einstellbar, oben GummilagerungBewertungSensibles Ansprechverhalten; recht gering gespreizter Verstellbereich, komfortbetonte Abstimmung von Zug- und Druckstufendämpfung, okay für sportliches Landstraßenfahren, für Rennstrecke schon mit sportlichen Straßenreifen zu wenig Reserven; unter allen Fahrbedingungen viel Unruhe und Bewegung am Fahrzeugheck, hartes Hinterradstempeln, wenig Grip, Tendenz zum Lenkerschlagen; läßt heißgefahren etwas nachEinstelltipsRennstrecke: D: 0 U, Z: ½ ULandstraße: D: 1 ½ U, Z: 2 ½ UVL: 196 mmMOTORRAD-Urteilbedingt empfehlenswert

HAT-Paioli

Bezugsquelle: Alpha-TechnikPreis: 1189 MarkEinbaulänge: 356 - 366 mmGewicht: 2,86 kgFederrate: 67,5 N/mmAusführungGasdruckdämpfer mit integriertem Ausgleichsbehälter, Zug- und Druckstufendämpfung über Handräder mit Klickrasterung einstellbar, GelenklagerBewertungSensibles Ansprechverhalten; perfekt gewählter, weit gespreizter, in High- und Lowspeed gut abgestimmter Einstellbereich mit großen Zug- und größten Druckstufendämpfungsreserven auf Landstraße und Rennstrecke; sattes, äußerst sicheres Fahrgefühl; deutlichste Verbesserung zur Serie, Motorrad wird handlicher und zielgenauer; Heck unter Belastung sehr ruhig, am wenigsten Hinterradstempeln; deutlich mehr Grip, sehr gut kontrollierbarer Grenzbereich; auch heißgefahren stabilEinstelltipsRennstrecke: D: 2 K, Z: 10 KLandstraße: D: 7 K, Z: 12 KVL: 167 mmMOTORRAD-Urteilsehr empfehlenswert

Öhlins

Bezugsquelle: ZupinPreis: 1795 MarkEinbaulänge: 350 - 365 mmGewicht: 3,16 kgFederrate: 72,5 N/mmAusführungGasdruckdämpfer mit integriertem Ausgleichsbehälter, Zug- und Druckstufendämpfung über Handräder mit Klickrastung einstellbar, Höhenverstellung, hydraulische Federvorspannung, GelenklagerBewertungSehr sensibles Ansprechverhalten; riesiger Einstellbereich, gewaltige Reserven; nur bei kaltem Dämpfer perfekt nutzbar, warm wenig Lowspeeddämpfung; zunächst sattes, stabiles und äußerst sicheres Fahrgefühl mit nahezu perfekter Dämpfung auf Straße und Rennstrecke, erhebliche Verbesserung zur Serie; nach wenigen Runden aber nachlassende Dämpfung, unruhiges Fahrzeugheck; Nachregulieren verbessert das Fahrgefühl wieder, aber nicht mehr auf den Standard des kalten DämpfersEinstelltipsRennstrecke: D: 7 K, Z: 18 KLandstraße: D: 9 K, Z: 23 KVL: 154 mmMOTORRAD-Urteilempfehlenswert

Proflex

Bezugsquelle: Moto PartsPreis: 1398 MarkEinbaulänge: 350 - 365 mmGewicht: 3,12 kgFederrate: 70,5 N/mmAusführungGasdruckdämpfer mit Ausgleichsbehälter, Zug- und Druckstufendämpfung über Schlitzschrauben mit Klickrastung einstellbar, Höhenverstellung, GelenklagerBewertungGuter, insgesamt straffer Einstellbereich mit ordentlichen Dämpfungsreserven auf Landstraße; Druckstufendämpfung auf Rennstrecke fast ausgereizt; sattes, stabiles und sehr sicheres Fahrgefühl, deutliche Verbesserung zur Serie; Motorrad wird handlicher und zielgenauer. Heck unter Belastung ruhig, wenig Hinterradstempeln; mehr Grip, gut kontrollierbarer Grenzbereich; auch heißgefahren stabilEinstelltipsRennstrecke: D: 1 K, Z: 13 KLandstraße: D: 6 K, Z: 20 KVL: 155 mmMOTORRAD-Urteilempfehlenswert

Technoflex

Bezugsquelle: WilbersPreis: 1199 MarkEinbaulänge: 358 mmGewicht: 3,22 kgFederrate: 67,5 N/mmAusführungGasdruckdämpfer mit Ausgleichsbehälter, Zug- und getrennt einstellbare High- und Lowspeed-Druckstufendämpfung über Schlitzschrauben mit Klickrastung, GelenklagerBewertungSensibles Ansprechverhalten; sehr gut abgestimmter, sensibel regulierbarer Einstellbereich mit großen Dämpfungsreserven in High- und Lowspeed auf Straße und Rennstrecke; sattes, stets stabiles und äußerst sicheres Fahrgefühl, deutliche Verbesserung zur Serie; Motorrad wird handlicher und zielgenauer, Heck unter Belastung sehr ruhig, wenig Hinterradstempeln; deutlich mehr Grip, gut kontrollierbarer Grenzbereich; auch heißgefahren stabilEinstelltipsRennstrecke: D: h: 2 K, l: 5 K, Z: 10 KLandstraße: D: h: 5 K, l: 7 K, Z: 13 KVL: 167 mmMOTORRAD-Urteilsehr empfehlenswert

White Power

Bezugsquelle: BaehrPreis: 1289 MarkEinbaulänge: 360 mmGewicht: 3,42 kgFederrate: 64,0 N/mmAusführungGasdruckdämpfer mit Ausgleichsbehälter, Zug- und Druckstufendämpfung über Handräder mit Klickrastung einstellbar (gegen Uhrzeigersinn straffer), GelenklagerBewertungSensibles Ansprechverhalten; komfortable Dämpferabstimmung, zu geringe Lowspeed-Druckstufendämpfungsreserven, auch zu geringe Druckstufendämpfungsreserven für die Rennstrecke; Zugstufendämpfung für alle Anforderungen in Ordnung; auf der Landstraße angenehm und fahrstabil, auf der Rennstrecke unruhig, wenig Grip, starkes Hinterradstempeln; Fahrverhalten etwas besser, aber sehr ähnlich zum Seriendämpfer; heißgefahren keine Veränderung der DämpfungscharakteristikEinstelltipsRennstrecke: D: P 4, Z: P 5Landstraße: D: P 2, Z: P 2VL: 197 mmMOTORRAD-Urteilbedingt empfehlenswert

Honda Original

DatenBezugsquelle: Honda-HändlerPreis: XXXX MarkEinbaulänge: 290 mmGewicht: 3,64 kgFederrate: 133 N/mmAusführungGasdruckdämpfer mit Ausgleichsbehälter, Zug- und Druckstufe stufenlos über Schlitzschrauben einstellbar, Federvorspannung, Wälzlager/Gummilagerung.BewertungSensibles Ansprechverhalten, sehr komfortabel; für Fahrer bis 70 Kilogramm im Straßenbetrieb geeignet, im Soziusbetrieb und bei sportlicher Fahrweise zu wenig Druckstufenreserven; schwer beladen häufiges Durchschlagen, beim Beschleunigen unruhig, Aufschaukeln in schnellen, welligen Kurven, Reifenhaftung läßt nach, häufiges Aufsetzen mit Seitenständer und Fußrasten; Dämpfung läßt heißgefahren deutlich nachEinstelltipsLandstraße: Vorspannung 4. Position, Zug 1 ½ offen, Druck ¼ offen. Mit Sozius: Federvorspannung 7. Pos., Zug 1 offen, Druck ganz zu.MOTORRAD-Urteilbedingt empfehlenswert

Bitubo

DatenBezugsquelle: Alpha-TechnikPreis: 499 MarkEinbaulänge: 292 mmGewicht: 2,80 kgFederrate: 127 N/mmAusführungGasdruckdämpfer ohne Ausgleichsbehälter und Dämpfungseinstellung, Federvorspannung über Nutmutter einstellbar, Gelenklager, TÜV-Gutachten.BewertungRelativ unkomfortabel wegen zu hoher Zugdämpfung und relativ hoher Losbrechkraft; in langen Bodenwellen etwas ruhiger als Serienfederbein, auf holprigem Belag Fahrwerksunruhe bis hin zum Lenkerschlagen beim harten Beschleunigen; im Soziusbetrieb weniger Durchschlagen und höhere Fahrstabilität auf welligen Straßen als mit Serienfederbein; für sportliche Fahrer über 85 Kilogramm eine Verbesserung durch mehr Stabilität und eine klarere Rückmeldung an den FahrerEinstelltipsLandstraße: VL: 152 mm. VL mit Zuladung: 148 mm.MOTORRAD-Urteilbedingt empfehlenswert

Koni

DatenBezugsquelle: Koni DeutschlandPreis: 599 MarkEinbaulänge: 288 mmGewicht: 3,70 kgFederrate: 121 N/mmAusführungGasdruckdämpfer ohne Ausgleichsbehälter, Druckstufe über Handrad mit Klickrastungeinstellbar, progressiv gewickelte Feder, Federvorspannung über Nutmutter einstellbar, ungedichtete Gelenklager, TÜV-GutachtenBewertungSensibles Ansprechverhalten, sehr komfortable Abstimmung; breiter, gut nutzbarer Verstellbereich der Zugstufendämpfung; leider zu weiche Federrate, Feder muß sehr stark vorgespannt werden, um nicht bereits im Solobetrieb durchzuschlagen; Motorrad trotzdem hinten zu tief, wird dadurch unhandlich und setzt früh auf; sckhlägt mit Sozius hart durch und geht viel zu tief in die FederungEinstelltipsLandstraße: VL: 160 mm, Z: P 1.-2; Mit Zuladung: VL 158 mm, Z: P 3MOTORRAD-Urteilnicht empfehlenswert°°Fußnote: Federbein wird in modifizierter Abstimmung von MOTORRAD nachgetestet

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