Vergleichstest Zubehörverkleidungen (Archivversion) Under Cover

MOTORRAD kaufte verdeckt vier GfK-Hüllen für die Honda CBR 600 - und schraubte, feilte und bohrte volle zwei Tage lang. Verkleidungsnachbauten stellen eben hohe Anforderungen an die Hersteller.

Sie gehören zu den zahlreichen Besitzern einer Honda CBR 600, Modell PC 31, haben bedauerlicherweise Ihr Fahrzeug in den Graben geworfen und dabei die Verkleidung zerstört, besitzen darüber hinaus überdurchschnittliches handwerkliches Geschick und Improvisationstalent und wissen nicht, womit Sie sich am Wochenende die Zeit vertreiben sollen? Dann hätten wir da was für Sie: Zubehörverkleidungen. Voraussetzung ist allerdings, daß Sie ein reichhaltiges Sortiment an Bohrern, Schrauben, Feilen und Raspeln besitzen.MOTORRAD hat ein solches Sortiment - was lag also näher, als sich Verkleidungsnachbauten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) zu besorgen und sich handwerklich zu betätigen. Damit die Arbeit für die MOTORRAD-Mitarbeiter auch wirklich die gleiche ist wie für Sie, kaufte die Redaktion unter einem Decknamen vier der besonders aufwendig herzustellenden, handgefertigten Verkleidungen für die Honda PC 31. Auf diese Weise wurde vermieden, daß MOTORRAD in den Besitz überdurchschnittlich paßgenauer Verkleidungen gelangte.Gern hätten wir noch mehr Verkleidungen gekauft, doch die meisten Hersteller bieten für diese Honda aufgrund der schwierigen Paßform keine Nachbauten an oder lassen ihr Verkleidungsprogramm auslaufen - wie bei der Firma Fechter Drive der Fall. Jetzt, nach dem Test, wissen wir auch, wieso - doch dazu später.Zunächst wurden die Verkleidungen telefonisch bestellt und trafen bis auf eine Ausnahme (siehe Kasten Bestell-Ärger) innerhalb weniger Tage bis acht Wochen ein. Bereits beim Auspacken gab es den ersten Grund, die Nase zu rümpfen: Anstatt die Verkleidungsteile einzeln scheuersicher einzupacken, werden Kartonagen, Papierschnipsel, alten Rechnungen und Plastiktüten aller Größen für diese Aufgabe mißbraucht. Der eine oder andere Kratzer ließ sich so nicht vermeiden. Da man die Verkleidungen vor dem Lackieren aber ohnehin ausnahmslos bearbeiten muß, nicht allzu tragisch. Den geringsten Arbeitsaufwand vor dem Lackieren bereitet die MPR-Verkleidung, deren Oberfläche nahezu frei von Unebenheiten und Nahtstellen ist. Wer die MPR-Verkleidung in die Lackierwerkstatt gibt, muß mit rund 700 Mark für eine Zweischicht-Lackierung rechnen. Die Lackierung der Konkurrenzprodukte kostet rund 200 Mark mehr, da die Oberflächen zuerst mehrfach geschliffen und gespachtelt werden müssen. Besonders talentierte Schrauber führen diese Arbeiten selbst aus und können dann ihre Verkleidungen für 400 bis 500 Mark lackieren lassen.Teuer kann es auch noch mal bei der vorgeschriebenen Eintragung des Verkleidungsnachbaus in die Papiere werden. Von den Herstellern wird zu diesem Zweck ein Festigkeitsgutachten mitgeliefert - bei MPR nur gegen 40 Mark Aufpreis. Eine ABE gibt es für keinen der Nachbauten. Der Prüfer kann deshalb auf Anbau- und Fahrversuche bestehen - und dann sind 300 Mark schnell weg.Apropos Fahrversuche: MOTORRAD fuhr alle Testkandidaten auf Landstraße und Autobahn und konnte weder Vibrationen noch auffällige Luftwirbelungen feststellen. Daß sich die Aerodynamik nicht verändert, war in Anbetracht der Tatsache, daß es sich um Verkleidungsnachbauten handelt, zu erwarten - fehlende Vibrationen sind durch die starken Verspannungen der einzelnen Verkleidungsteile zu erklären. Und diese Verspannungen zeigten sich vor allem bei der Montage der Oberteile, die man nur mit Mühe an den vorgeschriebenen Haltepunkten befestigen kann. Doch auch die Verbindung zwischen den Ober- und den Unter- beziehungsweise Seitenteilen ließ bei allen Verkleidungen stark zu wünschen übrig. Mit wenigen Verschraubungen und ohne Versetzung der vorgegebenen Haltepunkte entstehen teilweise gewaltige Spaltmaße. Nur extrem begabten Schraubern wird es überhaupt gelingen, in einem Vielfachen der ermittelten Montagezeiten die Paßform auf ein erträgliches Maß zu bringen.Eine sinnvolle Alternative zur 4,54 Kilogramm schweren und knapp 3600 Mark teuren Originalverkleidung sind die Nachbauten also keineswegs. Rechnet man die Kosten für die Lackierung, die Arbeitszeit und den Ärger über die Paßform hinzu, ist man mit der auch in Einzelteilen zu kaufenden, bereits fertig lackierten und vor allem sehr paßgenauen Originalverkleidung besser bedient, zumindest im Fall der Honda CBR 600.

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