Vorstellung Öhlins TTX 36 (Archivversion) Schweden- Happen

Ein Dämpferkolben, der an beiden Seiten Pakete aus dünnen Federstahl-Scheiben (Shims) trägt, Einstellventile für Zug- und Druckstufe, ein Ausgleichs-
behälter, in dem ein Trennkolben oder eine Membran sorgsam Dämpferöl und unter zehn bis 14 bar Druck stehendes Gas auseinander hält – so werden seit Jahr und Tag hochwertige Federbeine aufgebaut.
Das funktioniert eigentlich recht gut. Nicht gut genug, befand Öhlins und schickt jetzt zum 30-jährigen Firmenjubiläum einen neuen, TTX 36 genannten Dämpfer-Typ ins Rennen.
Der ist, obwohl wesentlich kompakter als die bisherigen Federbeine, als Zweirohr-System aufgebaut. Der Dämpferkolben läuft im inneren Rohr. Er besitzt kein Shim-Paket und keinerlei Durchlass-Bohrungen mehr. Das Öl strömt also nicht mehr durch ihn hindurch, sondern der Kolben pumpt beim Ein- und Ausfedern das verdrängte Öl in einem geschlossenen Kreislauf durch die Einstellventile hindurch und über den Raum zwischen Außen- und Innenrohr auf die gegenüberliegende Seite des Dämpferkolbens. Ein gravierender Vorteil: Zug- und Druckstufendämpfung arbeiten dabei völlig getrennt und ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
Beim ersten Fahrtermin lieferte das neue System – eingebaut in eine Yamaha YZF-R1 SP – auf dem großen Kurs in Hockenheim eine tadellose Vorstellung. Mit Vollgas in Schräglage alle sechs Gänge bis zum Abriegeln durchbeschleunigen – die lang gezogene Parabolica ist der absolute Härtefall fürs Fahrwerk. Die R1 nahm diese Passage mit unerschütterlicher Ruhe. Heftig ins Motodrom hineinfeuern – kein Pumpen, kein Eintauchen des Hecks, die R1 blieb satt und sauber auf Kurs. Benötigen konventionelle Dämpfer eine ganz kurze »Anlaufphase«, um Druck aufzubauen, bietet das neue System bereits vom ersten Millimeter Federweg an satte Dämpfung. Vor allem aber die Rückmeldung vom Hinterrad war enorm transparent. Jede Asphaltrunzel, jede noch so kleine Welle war ebenso klar zu spüren wie das sich sanft ankündigende Rutschen des Hinterreifens.
Speziell was das Ansprechverhalten und die Rückmeldung angeht, hat der
TTX 36 einige prinzipbedingte Vorteile. Bislang war im Ausgleichsbehälter ein Gasdruck von zehn bis 14 bar nötig. Schließlich musste auch bei harten Abstimmungen und blitzartigem Einfedern das Öl zuverlässig und schnell genug durch das Shim-Paket auf dem Dämpferkolben hindurchgepresst werden. Nun genügen nur noch vier bis sechs bar. Gleichzeitig schrumpfte der Durchmesser des Dämpferkolbens von 46 auf 36 Millimeter. Entsprechend kleiner fallen Umfang und Dichtfläche des Kolbendichtrings aus, der dadurch mit weniger Anpressdruck auskommt. Auch die Dichtung der Kolbenstange besitzt wegen des niedri-gen Drucks weniger Reibung zumal die Kolbenstange nur 14 statt seither 16 Millimeter dick ist.
Aber auch Abstimmungsänderungen sind leichter machbar. Es genügt, nach dem Ablassen des Gases die Druck- und Zugstufeneinsteller auszubauen und neu abzustimmen. Bisher war das Zerlegen des Federbeins nötig. Dazu soll der TTX 36 einen größeren Einstellbereich besitzen und sehr sensibel auf Set-up-Änderungen reagieren. Das nachzuprüfen, vereitelte allerdings einsetzender Regen.
Ab Anfang 2007 ist das neue Federbein erhältlich. Vorerst allerdings nur in limitierter Auflage für die supersportlichen japanischen 1000er und 600er. Der Preis dürfte dann um 1500 Euro liegen. Weitere Modelle werden aber folgen. Schließlich soll dieser Dämpfertyp bei Öhlins nach und nach zum Standard werden. abi

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