100 Jahre Husqvarna-Motorräder (Archivversion) Hurra, wir leben noch!

Gestern, heute, morgen: Nach einer langen Durststrecke wühlt sich die Offroad-Schmiede Husqvarna wieder aus der Krise.

Kein leichter Job, den sich Romano Albesiano da aufgehalst hat. Im Oktober 2002 fand sich der 40-Jährige von heute auf morgen als Entwicklungschef von Husqvarna wieder. Vorgänger Ampelio Macchi hatte nach einem heftigen Streit mit Big Boss Claudio Castiglioni sein eigenes Ingenieurbüro gegründet und widmet sich seither der Entwicklung eines Offroad-Motors für Aprilia (siehe Seite 8).Albesiano, bis dahin im Mutterkonzern MV Agusta für die Marke Cagiva zuständig, erbte neben dem Titel einen Sack voller Probleme. Zwar war ein moderner Viertaktmotor mit zwei Nockenwellen und Elektrostarter fertig, passend für 250, 450 und 510 cm3, und verdiente sich in der Cross- und der Enduro-WM auch schon seine Sporen. Doch er wurde nicht in Serie gebaut, da die ganze MV-Agusta-Gruppe in einer bösen Krise steckte. Ende 2002 kam die rettende Finanzspritze von den Banken. Erst dann konnte Albesiano loslegen und die Serienproduktion in die Wege leiten.Die läuft inzwischen auf vollen Touren. »Wir können unser Ziel von rund 14000 Motorrädern für dieses Jahr wohl einhalten«, sagt der Ingenieur erleichtert. Anfang des Jahres liefen die 125er- und 250er-Zweitakter vom Band, seit Sommer die lang erwarteten neuen 250er und 450er, im Dezember kommt dann die 510 dazu. Eile tut Not, denn die Japaner und KTM haben die Lücke, die Husqvarna in den letzten zwei Jahren ließ, gern besetzt. Albesiano will die treue Husky-Kundschaft vor allem durch bessere Verarbeitung zurückgewinnen. So ließ er den neuen Motor ein umfangreiches Dauertest-Programm durchlaufen und nahm sich vor dem Produktionsstart der Wehwehchen der Husky-Palette an – vom losgerüttelten Seitenständer bis zum Auspuff, der am Reifen scheuerte. »Das bringt viel Arbeit und wenig Ruhm«, meint der Norditaliener aus dem Piemont verschmitzt. »Aber es ist extrem wichtig.«Kleinere Tests für solche Verbesserungen macht Freizeit-Crosser Albesiano selbst, doch der Husky-Mann fürs Grobe heißt Alex Puzar. Auf dem Gelände Malpensa nahe Mailand, nur eine halbe Stunde vom Werk in Varese entfernt, testet der zweimalige Cross-Weltmeister gerade die 250er-Viertakter, sowohl die Cross- als auch die Enduro-Version. Der 34-Jährige nimmt seinen Job sehr ernst: »Mein Urteil entscheidet letztlich über die Geometrie des Motorrads. Das ist eine ganz schöne Verantwortung.« Und so kennt er keine Gnade, springt und driftet bis an die Grenzen des Materials. Eine überzeugende Vorstellung.Die Kunden werden es ihm danken, lieben die meisten das Dirty Dancing genauso wie Puzar. Rund 80 Prozent kaufen ihre Husqvarna für den Einsatz bei Cross-, Enduro- und Supermoto-Rennen. »Den Bereich außerhalb der Rennszene haben wir bis-lang vernachlässigt«, gibt Romano Albesiano zu. Das soll sich jedoch ändern. Zu den Zukunftsplänen des Ingenieurs gehört auch eine Reiseenduro – leicht, handlich und antrittstark soll sie sein. Den passenden Motor dafür hat er schon.

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