1000-Punkte-Wertung: Update 2004

Radar-Kontrolle

Neues, satellitengesteuertes Mess-Equipment, strengere Punktevergabe für Inspektionskosten, Abgase und Verbrauch – das sind 2004 die wesentlichen Änderungen im Testbereich.

Foto: Jahn
Hightech-Messequipment bei MOTORRAD
Hightech-Messequipment bei MOTORRAD
Das Bessere ist des Guten Feind – nach diesem Motto überarbeitet MOTORRAD die Ende 2001 eingeführte 1000-Punkte-Wertung im jährlichen Turnus. Kleine Änderungen hier, etwas Feinschliff da, die Basis bleibt aber auch in Zukunft erhalten.
Eines hat die Techniker der Redaktion schon lange gestört: Dass die Messwerte nicht ganz exakt waren. Beschleunigt die ZX-12R nun wirklich in 2,9 Sekunden auf hundert, oder sind es vielleicht doch »nur« 3,1? Das Problem: Konventionelle Messgeräte basieren auf der Erfassung der Raddrehzahl. Der effektive Abrollumfang des Reifens ist jedoch keineswegs konstant. Er ändert sich in Abhängigkeit von der Beschleunigung und der Geschwindigkeit, zum einen durch die Entlastung des Vorderrads und die daraus resultierende geringere Verformung des Reifens, zum anderen durch das dynamische Reifenwachstum infolge der Fliehkräfte.
Um diese Ungenauigkeiten zu umgehen, misst MOTORRAD inzwischen streng genommen keine Testmaschinen mehr, sondern Beschleunigung und Durchzug des jeweiligen Fahrers. Das neue Mess-Equipment benutzt die Signale des GPS (Global Positioning System), das auch Autos im Verkehr navigiert.
Die Messung der Geschwindigkeit funktioniert im Gegensatz zum Navigationsgerät im Auto nicht über eine Berechnung der Position, sondern über den Doppler-Effekt. Jeder kennt dieses Phäno-
men: Beim schnellen Vorbeifahren eines Fahrzeugs ändert sich dessen Tonlage für Außenstehende. Die gleich bleibende Frequenz von Schallwellen oder elektromagnetischen Wellen kommt in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des Senders beim Empfänger verändert an. Das
funktioniert auch bei den Funkwellen der GPS-Technik. Die Messung der winzigen Verschiebung der Trägerfrequenz erlaubt die Berechnung der Geschwindigkeit, dabei liegen die Frequenzänderungen im Billionstel-Bereich. Obwohl sich die angepeilten Satelliten gleichzeitig mit einigen 1000 km/h in ihrer Umlaufbahn bewegen, ist durch die Kombination mehrerer Satellitensignale eine Genauigkeit von etwa 0,1 km/h möglich.
Die nun wirklich exakten Messwerte liegen allerdings – das kristallisierte sich in den letzten Monaten heraus – im Schnitt ein paar Zehntel unter den bisherigen. Daher passt MOTORRAD das Bewertungsschema an das neue Messverfahren an. Gleichzeitig gibt es für 2004 einige weitere Änderungen, die sich auf das Gesamtergebnis auswirken können.
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Beschleunigung

Im Vergleichstest in MOTORRAD 1/2002 erhielt die VFR beim Kriterium Beschleunigung noch 21 Punkte, durch die GPS-Messtechnik (seit Mitte 2003 angewendet) verlor sie wegen der schlechteren Werte zwei (Vergleichstest in MOTORRAD 26/2003). Natürlich beschleunigt die VFR immer noch so wie vorher, gemessen werden aber von null auf 100 km/h statt 3,1 nun 3,3 Sekunden, auf 200 km/h statt 12,4 jetzt 13,0 Sekunden. In der neuen Punktewertung gibt es dafür wieder ein Pünktchen mehr.

Durchzug

Beim Durchzug wirkt sich die GPS-Messtechnik weniger gravierend aus, da die Motorräder im letzten Gang nicht so stark beschleunigen und der Abrollumfang einigermaßen konstant bleibt. Trotzdem verschiebt sich auch hier die Bewertung etwas. Die VFR verlor durch GPS in den Durchzugsmessungen rund ein bis zwei Zehntel, bekommt ab sofort dafür einen Punkt mehr. Bei den Fahrleistungen erreicht sie somit insgesamt wieder die gleiche Punktzahl wie Anfang 2002.

Verbrauch

Höhere Strafen für Spritfresser, mehr Punkte für Benzinsparer, so lässt sich der neue Bewertungskatalog für den Verbrauch zusammenfassen. Gar keinen Punkt gibt es nun ab einem Benzinkonsum von über 8,8 l/100 km statt ab 9,75 l/100 km auf der Landstraße. Umgekehrt werden weniger als 3,0 l/100 km mit voller Punktzahl belohnt, bislang waren es 2,5. Im Mittelfeld ändert sich wenig, die VFR muss sich in Zukunft bei 5,9 l/100 km jedoch mit einem Punkt weniger begnügen.

Inspektionskosten

Bisher wurden bei den Inspektionskosten die Herstellervorgaben über 60000 Kilometer berücksichtigt. Da jeder Werkstatt-Termin Aufwand, Zeit sowie Kosten bedeutet, wurde die Maximal-Punktzahl für die Inspektionskosten auf zwanzig reduziert, die frei gewordenen zehn gibt’s für die Intervalle. Mehr als 11500 Kilometer zwischen den Werkstattbesuchen bringen die volle Punktzahl, unter 2500 Kilometern gibt es keine Punkte mehr. Für 6500 Kilometer bekommt die VFR vier Punkte.

Abgaswerte

Ab Mitte des Jahres 2004 müssen Neumaschinen zwingend die Euro-2-Norm einhalten. Daher verschärft MOTORRAD die Bewertungsmaßstäbe. Motorräder, die die aktuellen Grenzwerte gerade eben schaffen, erhalten statt der bisherigen zwölf jetzt nur noch sechs Punkte. Auf der anderen Seite ändert sich für diewirklich umweltfreundlichen Maschinen wenig.So kassiert die in dieser Beziehung weiterhin vorbildliche VFR für ihre sehr geringen Schadstoff-Emissionen hervorragende 28 Punkte.

Fazit

Wie bereits im letzten Jahr handelt es sich auch beim Update 2004 um Feintuning, das sich nur minimal auf das Endergebnis auswirkt. Die VFR, bislang unangefochtener Spitzenreiter der MOTORRAD-Punktewertung, verliert beispielsweise aufgrund der verschärften Bewertungsgrundlagen gegenüber dem Test in Motorrad 26/2003 lediglich drei Punkte. Damit kann sie weiterhin ihren Spitzenplatz behaupten, denn auch die Konkurrenten büßen nach der neuen Wertung Punkte ein.

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