19 Bilder

2007: Honda CBR 600 RR Neue Aerodynamik

Foto: Honda
Über die CBR 600 RR des Jahrgangs 2007 gibt es eine Menge zu lernen und zu wissen. Betrachtet man die Maschine von der Seite, wird schnell klar, warum sie eigentlich zu den halbverkleideten Motorrädern zählen müsste: Das rahmenfeste Oberteil der Verkleidung ist von dem, was darunter sitzt, deutlich getrennt und auch durch die Farbgebung abgesetzt. Was darunter sitzt, zeigt mehr, als es verhüllt, besitzt nur wenig "Positivfläche". Offenbar betreibt Honda mit dieser Konstruktion Aerodynamik in ihrem eigentlichen Sinn. Statt den Fahrer und das Motorrad in einen Plastikmantel zu hüllen, sollen flügel- und flossenartige Teile die Luftströme so lenken, dass dieser in einer langsam und turbulenzfrei durchströmten Zone sitzt. Vermutlich hilft dieser Ansatz auch, die Aufheizung der immer kompakter zusammengefassten Antriebsaggregate in den Griff zu bekommen. "Air management" nennt Honda das. Wie gut die neue CBR 600 RR ihre Umgebungsluft managen kann, ist eine spannende Frage. Dass ausgerechnet eine CBR 600, die ja direkt von der Urmutter aller komplett verschalten Plastikbomber abstammt, diese Entwicklung erfahren hat, ist eine kuriose Fügung.

Das gab es - unter anderem - in Köln zu sehen:

Anzeige
Der 599er-Vierzylinder wird als "all new" bezeichnet, was für seine Grundkonstruktion sicher nicht zutrifft. Bohrung und Hub sowie die äußere Erscheinung sind von den Vorgängermodellen bekannt, innen wurde ein Vielzahl von Teilen optimiert. Die Kolben tragen eine neue Beschichtung und dünnere Ölabstreifringe; durch neue Pleuel, deren Fußlager ohne Muttern verschraubt werden, eine leichtere Lichtmaschine und eine leichtere Kupplung wurden rotierende und oszillierende Massen verringert.

Der Leistungssteigerung dienen ein von den VTR-1000-SP-Modellen bekanntes Ram-Air-System, bei dem die Luft am Lenkrohr vorbei durch den Rahmen geführt wird, optimierte Ein- und Auslasskanäle, eine sequentielle Einspritzung und die Klopfregelung, die stets für den besten Kompromiss zwischen leistungsfördernder Frühzündung und dem Erreichen der materialmordenden Klopfgrenze sorgt. Nominell drei PS von 117 auf 120 soll die CBR 600 RR zugelegt haben, und es war zu hören, dass die üblicherweise zwischen Prospekt und Realität" entstehende "Verlustleistung" bei ihr äußerst gering sei. Dies gelte auch – so ein Honda-Sprecher – für die fast schon sensationelle Gewichtsangabe. 184 Kilogramm mit vollem 18-Liter-Tank soll die 600er wiegen, das wären zehn weniger als die Vorgängerin. Dafür mussten Rahmen und Auspuffanlage Material abgeben, der Motor erhielt einen Ventildeckel aus Magnesium. Um trotz des beträchtlich geringeren Gewichts keine verschärfte Kickback-Neigung aufkommen zu lassen, hat die 600er den elektronisch gesteuerten Lenkungsdämpfer von der 1000er-Fireblade übernommen, verbirgt ihn jedoch dezent links vorn unter der Tankattrappe. Ein weiteres rennsporttaugliches Merkmal, das bei der Konkurrenz zum Standard gehört, bekam die CBR nicht: eine Anti-Hopping-Kupplung.

Stattdessen setzt Honda ähnlich wie MV Agusta auf ein Bypass-Ventil, welches das Bremsmoment des Motors im Schiebebetrieb verringern und damit das lästige Hacken im Antriebsstrang beim scharfen Anbremsen von Kurven verhindern soll.

Zur Einstimmung: Fotos der vergangenen Intermot

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel