24 Stunden und ihre lange Geschichte (Archivversion)

Nachts, wenn alles schläft: nicht bei 24-Stunden-Rennen. Die sind für Aktive wie Zuschauer eine echte Herausforderung

Langstreckenrennen sind eine zutiefst französische Sache – und waren es von Anfang an. Der erste 24-Stunden-Marathon fand 1922 in Vaujours bei Paris statt. Der Kurs: gut fünf Kilometer lang
und in weiten Teilen geschottert. Doch nicht nur das: Statt Boxen-
stopp und Reifenwechsel in Sekundenschnelle gab’s einen Tornister
mit Werk- und Flickzeug, Luftpumpe und für den Fall der Fälle eine Brotzeit. Dafür durfte der Sieger damals den Bol d’Or, den »goldenen Pott« entgegennehmen.
Um diesen Bol d’Or geht es auch heute noch einmal im Jahr, aber
der Ort der Handlung wechselte im Lauf der Zeit. Berühmteste Aus-
tragungsorte sind ohne Zweifel Le Mans (1967 bis 1977), rund 200 Kilometer südwestlich von Paris gelegen, und Le Castellet (1978 bis 1999) nahe der Mittelmeerküste östlich von Marseille.
Heute gastiert der Bol d’Or in Magny-Cours, doch auch ohne dieses Prädikat sind die 24 Stunden von Le Mans zumindest beim französischen Publikum weiterhin ein echter Klassiker. Schließlich war Le Mans in der Hochphase der 24-Stunden-Rennen Austragungsort des Bol d’Or. Nachdem er 1960 gerade einmal 800 Zuschauer locken konnte, kam Ende der 60er Jahre die Wende. Den Ausschlag gab ein Motor-
rad: Honda brachte den Meilenstein CB 750, aber für den Vierzylinder-
Viertakter existierte in Europa keine Rennklasse. Die Königsklasse im Grand-Prix-Sport war auf 500 Kubikzentimeter limitiert. So stürzten sich Honda und später der deutsche Honda-Händler Roland Eckert aus dem schwäbischen Kupferzell (siehe Interview Seite 29) voller Engagement in den Langstreckensport.
Die Langstreckenszene wurde zum Publikumsmagnet, Honda räumte Siege en masse ab. In den siebziger Jahren strömten über 150000 Zuschauer nach Le Mans, Honda gewann mit dem Werksmotorrad auf
CB-750-Basis allein 13-mal den Bol d’Or, der französische Importeur Japauto mit Honda-Motor war zweimal erfolgreich. Und auch ein deutsches Fabrikat mit deutschem Fahrer konnte sich platzieren. 1973 wurde Helmut Dähne auf BMW Dritter, ein paar Jahre später auf Eckert-Honda zur deutschen Langstreckenlegende. Und ist es bis heute geblieben.

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