25 Jahre Yamaha SR 500 - Gebrauchtberatung (Archivversion) Kick-Kiste

Wer einen einfach aufgebauten Straßen-Eintopf sucht, landet fast zwangsläufig bei der klassischen SR 500. Gebrauchtinteressenten sollten jedoch einige Punkte beachten.

Das ungezügelte Hubraum- und Leistungswachstum heizte 1978 den Motorradboom gerade an, als Yamaha mit der SR 500 einen reizvollen Kontrast in die Schauräume der Händler stellte. Charakter statt Hightech lautete das Motto der Werbestrategen für den klassisch-schlichten Straßeneinzylinder im Halbliterformat, der mit seiner simplen Technik sowie der bescheidenen Leistung von maximal 33 PS den »Weg zurück zum Motorrad« weisen sollte. Und die Botschaft kam an. Rasch avancierte die SR 500 hier zu Lande zum meist-verkauften Motorrad und war beinahe an jeder Straßenecke anzutreffen. Mit ihrem günstigen Preis sowie der überschaubaren Technik war und ist die SR 500 praktisch der VW Käfer der Motorradszene. Und wie beim Wolfsburger Evergreen sind SR-Modelle der ersten Jahrgänge (Typ 2J4) im Originalzustand mittlerweile selten geworden. Die meisten wurden schlicht und ergreifend im harten Alltag aufgebraucht. Lange Vollgasfahrten mag der Einzylinder nämlich ebenso wenig wie nachlässige Wartung oder zweifelhafte Tuningmaßnahmen. Wer sich für eine Yamaha SR 500 interessiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass der Einzylinder nicht mit den Laufleistungen moderner, wassergekühlter Triebwerke aufwarten kann. Meist ist nach 20000 bis 30000 Kilometern eine Generalüberholung von Kolben, Zylinder und unter Umständen auch des Zylinderkopfs fällig. Wer keine Schrauberfahrung besitzt, fährt mit dem standfesteren Modell 48T ab Baujahr 1984 besser, das erst Ende 1999 aus dem Verkaufsprogramm von Yamaha Deutschland gestrichen wurde.MarktsituationFür Yamaha war die SR 500 ein riesiger Erfolg. Insgesamt 38328 Käufer entschieden sich für den Eintopf. Heutzutage weist das Kraftfahrt-Bundesamt noch einen Bestand von rund 21000 Stück aus, dem eine beständige Nachfrage nach Gebrauchten gegenübersteht, wenngleich auf deutlich niedrigerem Niveau als früher. Aufgrund des 25 Jahre zurückliegenden Debüts der SR ist der Anteil an Bastelkisten mit hohen Laufleistungen überproportional hoch. Solche Exemplare wechseln in der Regel für weniger als 500 Euro den Besitzer, während für gepflegte und technisch überholte Modelle der ersten Jahre (2J4) im Serienzustand mittlerweile Liebhaberpreise verlangt und gezahlt wer-den, die zum Teil über dem damaligen Neupreis von rund 2300 Euro liegen. Doch auch für SR 500 in vergleichbarem Zustand klafft die Preisspanne weit auseinander, weil es für die Baujahre vor 1993 keine Richtwerte nach Schwacke- oder DAT-Notierungen gibt, der Preis sich also nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage ergibt. Im Fall der SR ist die Schwacke-Liste allerdings ohnehin keine große Hilfe, weil sie beispielsweise den Händlerverkaufspreis eines 1995er-Modells (70000 Kilometer) auf 1700 Euro taxiert – ein Betrag, der sich bei solch hohen Laufleistungen wohl kaum realisieren lässt. Der ausführliche Vergleich der Angebote ist daher bei der SR 500 ganz besonders zu empfehlen.BesichtigungDie attraktivsten SR-500-Modelle sind jene des Typs 48T der Baujahre von 1987 bis 1990. Diese können noch legal auf 34 PS entdrosselt werden und besitzen bereits die standfestere Technik sowie den größeren 14-Liter-Tank. Außerdem hat man ab Baujahr 1988 die Wahl zwischen Scheiben- und Trommelbremse im Vorderrad. Wer kein SR-Kenner ist, sollte zur Besichtigung einer Gebrauchten einen Experten mitnehmen, der die mechanischen Lebensäußerungen des Singles besser einordnen kann. Starkes Klappern deutet auf einen verschlissenen Kolben hin, während ein lautes Klickern aus dem Zylinderkopf ein Indiz für einen verschlissenen Ventiltrieb sein kann, besonders bei den Baujahren bis 1983. Weitere Schwachpunkte des Einzylinders sind ein hoher Ölverbrauch bei Laufleistungen ab 20000 Kilometern, festgerostete Schwingenlager sowie defekte Lichtmaschinen (bis 1983), verbogene Hauptständer, verschlissene Federbeine und diverse Vibrationsschäden an Krümmer (bis 1980), Seitendeckeln, Nummernschild- und Auspuffhalter. Bei Laufleistungen über 25000 Kilometer sollte man außerdem die bald anstehende Überholung von Kolben und Zylinder berücksichtigen, falls nicht bereits geschehen. Tests in MOTORRAD*5/1978 (T); 7/1978 (VT); 8/1978 (VT); 5/1982 (LT); 8/1982 (T); 7/1983 (VT); 9/1984 (T); 16/1984 (VT); 13/1985 (VT); 9/1986 (VT); 12/1987 (VT); 5/1988 (MR); 8/1991 (T); 8/1992 (VT); 16/1992 (VT); 21/1993 (VT); 10/1995 (VT); 26/1998 (MR)Internetwww.sr500.de; www.kedo.de; www.wunderlich.de; www.egu-motoren.de; www.miles-motors.de

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