4. MOTORRAD-Zweitakt-Treffen 2007 (Archivversion) Feinstaub-Alarm

Tiefgrüne Wälder, satte Wiesen, sanfte Ruhe – und mittendrin eine Meute grellbunter Oldies, umringt von engagiertem Publikum, das aus reiner Begeisterung für die schrillen Zweitakter gleich zu Hunderten ins Krummbachtal nahe Stuttgart angereist ist.

Als MOTORRAD 2002 zum ersten Treffen der Zweitakt-Rätschen, eine eher abfällige Bezeichnung der Viertakt-Fraktion für zweitaktende Maschinen, gerufen hatte, machte die Einladung schnell die Runde. In allen Ecken der Republik wurden die eingestaubten Klassiker flott gemacht und hüllten alsdann ein kleines, aber feines Waldgasthaus nahe Stuttgart in zarten Zweitaktnebel.
Auch am ersten September-Wochenende 2007 ließ sich die Fangemeinde nicht lange bitten und verwandelte die Waldlichtung ins reinste Museum.
Obwohl die meisten Zweitakt-Fans für den täglichen Gebrauch auf einen Falsch-, äh, Viertakter setzen, ist die Leidenschaft für den simpelsten aller Otto-Motoren geblieben. Geblieben deshalb, weil man versucht, die Jugend und mit ihr auch die Träume in die Gegenwart zu retten. Und Jugend heißt für viele Motorradfahrer Kreidler RS oder Yamaha DT 50, Suzuki GT 250 oder Kawasaki Mach III, Yamaha RD 350 LC oder Honda RS 250. Motorräder, die Furore machten, die man einst besaß – oder immer besitzen wollte. Und so ist es kein Wunder, dass sich draußen vor dem Tor der Falschtakter-Parkplatz fast ebenso prall füllte wie das idyllische Two-stroke-only-Gelände auf der Wiese im ehemaligen Waldfreibad.
Rolf Eisenmann, einst Sponsor des Südafrikaners Jon Ekerold, 350er-Weltmeister von 1980, stellte den ersten Ya-maha TZ 750 A-Production-Racer im Originalzustand auf das MOTORRAD-Podest. Bei der Yamaha waren sogar noch die serienmäßigen Slicks mit den drei umlaufenden Rillen montiert. »Die TZ bleibt so, wie sie damals ausgeliefert wurde: Jede Schraube original, sogar der Sicherungsdraht ist noch von damals.«
Erneut zeigte auch das Garagen-Team aus Böblingen (www.garagenteam.de), was sich so alles an Zweitakt-Raritäten ansammeln kann: Neben einer Yamaha TZ 250 und etlichen Gelände-Mopeds schleppte Gerhard Mitter Junior den Eigenbau-Motor seines berühmten, 1969 auf der Nordschleife tödlich verunglückten Vaters und Porsche-Werksfahrers an. Den nach dem Square-Four-Prinzip konstruierten Drehschieber-Zweitakter hatte Gerhard Mitter senior in Heimarbeit für seinen Formel-2-Rennwagen ausgetüftelt.
Mit einer Horde plärrender Kreidler, Hercules und anderer Jugendträume aus den 70er Jahren tobte eine Schwarzwälder Moped-Bande (www.museum-verein.de) über die (noch) grüne Wiese und bestätigte, dass die Kleinsten mal wieder den größten Radau veranstalten. »Jungs, eure 50er«, so ihr Motto, das noch heute wirkt, weshalb die Mopeds und ihre wilden Reiter im Nu umlagert waren.
Aber nicht nur die Lauten, auch die Leisen waren vor Ort. Maico-Schrauberlegende Hans Hinn rasselte mit seiner MD 250 vorbei und tratschte mit dem Journalisten und Zweitakt-Fan Franz-Josef Schermer, kurz als FJS bekannt, über Steuerzeiten und Kolbenspiel. Der zweifache deutsche 50er-Meister Wolfgang Müller tummelte sich ebenso im Krummbachtal wie Ludwig »Lucke« Braun, wagemutiger MOTORRAD-Testfahrer in den Siebzigern und vor wenigen Jahren noch für die Suzuki-Entwicklungsabteilung unterwegs. Es versteht sich quasi von selbst, dass auch das Stuttgarter Motorrad-Urgestein Werner Hiller, seines Zeichens ältester aktiver Suzuki-Händler Deutschlands, das Heimspiel nicht verpasste. Schließlich dürfte er einen Großteil der angereisten Suzuki GT-Modelle (www.wasserbueffel-club.de) in Umlauf gebracht haben.
Völlig erstaunt, dass er zur Prämierung aufgerufen wurde, nahm der Besitzer der Honda MVX 250 das Geschenkpaket für den dritten Platz von MOTORRAD-CLASSIC-Chef Waldemar Schwarz in Empfang. Der Grund: Seine kleine Honda mit Dreizylinder-Motor war auch dem fachkundi­gen Publikum fremd. Kein Wunder, wurden doch nur wenige dieser 250er ausschließlich in die Schweiz importiert.
In original Metallicgrün-Lackierung knatterte eine Adler MB 250 Favorit ins Krummbachtal und kassierte den ersten Preis der MOTORRAD-Prämierung für den am schönsten restaurierten Zweitakt-Oldtimer im Feld. Was in Anbetracht der unzähligen, mit viel Liebe und noch mehr Mühe und Kennerschaft zurechtgemachten Einzelstücke keine leichte Entscheidung war.
Neben den Freunden echter Klassiker und Oldtimer versammelte sich natürlich auch die modernistische Klientel, die ihre Yamaha RD 500, Honda NSR 400 oder Suzuki Gamma mit modernen und super-sportlichen Fahrwerks-Komponenten, fetten 180er-Reifen und bissigen Bremsanlagen auf Vordermann gebracht hatte. Allen voran eine Fraktion des französischen RG-Clubs (www.rg500.org), die ihre Spätsommer-Tour schnurstracks zum MOTORRAD-Rätschentreffen verlegt hatte. In diesem Sinne: »Merci pour votre visite du Krummbachtal« – und das gilt nicht nur für unseren französischen Freunde, sondern für alle Besucher, die für ein herzerfrischend freundliches und kameradschaftliches Rätschen-Treffen 2007 gesorgt haben. Womit dem 5. Rätschentreffen nichts mehr im Wege steht. Was nicht heißt, dass bei der nächsten Zusammenkunft kein Platz für Verbesserungen wäre. Kritik, Anregungen und Vorschläge? Her damit.

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