50 Jahre Bundesverband der Motorradfahrer (Archivversion)

Bewegte Zeiten

Seit 1958 sorgt der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) für politische Interessenvertretung, organisiert Treffen, Touren und Trainings.

Viele echte Windgesichter sind zum Jubiläum erschienen, die Haut gegerbt von zig tausenden Kilometern. Alte und Junge hören und erleben Geschichte(n) aus erster Hand. Blicken zurück auf große Erlebnisse, auf Höhen und Tiefen. Feiern Wiedersehen, lassen ein halbes Jahrhundert Revue passieren. Sie wollen Faszination fürs Motorrad- fahren in die Zukunft weitertragen. Aber bei aller Begeisterung nicht vergessen, dass der Kampf gegen Benachteiligungen heute genauso aktuell ist wie 1958, als der BVDM aus der Not heraus entstand.

Der gemeinnützige Verein für die damals wenigen verbliebenen Motorrad-Enthusiasten sollte ursprünglich „Der gelbe Schal“ heißen. Der Grund: Dank einer Initiative von „DAS MOTORRAD“ galt ein gelber Schal am Lenker als Erkennungszeichen für Notfälle und die zu jener Zeit häufigen Pannen. „Aber das war doch kein Name für ein Vereinsregister“, erläutert Walter Fahrenholz, einst BVDM-Schriftführer. Daher kam es zum bis heute verwendeten Namen, der „Gelbe Schal“ wurde Beiname. 1958 war der gebürtige Ostwestfale Fahrenholz erst 25 Jahre alt. Per simpler Bleistiftskizze entwarf er seinerzeit das Verbands-Logo, eine Windrose. „Als Zeichen dafür, dass wir nach allen Seiten offen sind.“

Vier Kompassnadeln, die für die vier Himmelsrichtungen ebenso stehen wie für die vier Buchstaben des BVDM. Und von Anfang an vier große Aufgaben symbolisieren: Interessenvertretung und das Ausrichten von Treffen, Touren und Trainings. Sie werden im vierteljährlich erscheinenden Mitglieder-Magazin „Ballhupe“ sowie im eigenen Touren- und Treffen-Kalender veröffentlicht. Seit 1961 veranstaltet der BVDM alljährlich das Elefantentreffen, bis 1977 zunächst am Nürburgring. Nach langjährigem Intermezzo in Österreich (Salzburgring) lädt der BVDM seit 1989 allwinterlich zum Elefantentreffen nach Thurmansbang-Solla in den Bayerischen Wald.

Modellcharakter hatten „Meckerstunden“ zwischen Industrie und Motorradfahrern auf frühen Elefantentreffen. Für Weiterbildung rund um zwei Räder sorgten technische Seminare mit namhaften Referenten. Bei seinen Lehrgängen, etwa Gespannfahrer-Kursen, Sicherheits- und Trialtrainings bietet der BVDM seinen 13000 Mitgliedern Rabatt, Frauen sind seit 1963 dabei. Der Mitgliedsbeitrag beträgt vier Euro pro Monat, Fördermitglieder zahlen einen Euro.

Politische Arbeit ist ein Dauerbrenner: Ungleichheit beim Überholverbot, freie Wahl der Fahrspuren in geschlossenen Ortschaften, Sperrungen für Motorräder wegen Lärms, Stufenführerschein. Seit 1972 genießt der Verband Anhörungsrecht bei Gesetzgebungsverfahren des Deutschen Bundestags. Er nimmt an ministeriellen Anhörungen teil und erläutert dort die Standpunkte von Motorradfahrern. Beharrliche Lobby-Arbeit zeigte mitunter große Erfolge. 1975 führten die Versicherungen den Schadensfreiheitsrabatt für Motorradfahrer wieder ein und unterteilten von da an die Versicherungsklassen nach Leistung statt Hubraum.

Immer ein zentrales Thema: Sicherheit. Zum Beispiel der Kampf gegen gefährliche Leitplanken, rutschige Fahrbahnmarkierungen, Kanaldeckel und Bitumen. Bereits 1985 ummantelte der BVDM scharfkantige Leitplankenpfosten mit Anpralldämpfern aus Styropor und montiert heute noch sicherere, moderne Doppelplanken.

Auf der Homepage www.bvdm.de finden sich Informationen über Streckensperrungen aller Art sowie Nachtfahrverbote. Dort kann man auch online motorradspezifische Gefahrenstellen an und auf deutschen Straßen nachlesen und melden. Mag die Welt heute eine ganz andere sein als 1958, der BVDM hat Motorradfahrer in bewegten Zeiten begleitet.
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Europas Dach-Verband (Archivversion)

Was der BVDM, Kuhle Wampe und die Biker Union in Deutschland sind, ist seit 1998 die FEMA in der EU: die Interessenvertretung der Motorradfahrer. FEMA steht für Federation of European Motorcyclists‘ Associations. Zu deutsch: europäischer Dachverband nationaler Motorradverbände. Er pflegt den Kontakt zur EU-Kommission sowie den Abgeordneten des Europa-Parlaments und berät sie bei der Ausarbeitung von Gesetzen, die sich auf Motorräder auswirken. Durch diese Lobbyarbeit gelang es der FEMA zum Beispiel, 1994 das Gesetz für ein europaweites 100-PS-Limit für Neumaschinen oder 1990 den Vorschlag für einen drei-stufigen Zweiradführerschein zu verhindern. Aktuell setzt sich die FEMA unter anderem gegen die Anwendung der Altautoverordnung auf Motorräder ein. Ein ständiges Thema ist zudem der Unterfahrschutz bei Leitplanken. Ferner berät die FEMA auch die UNO und die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei der weltweiten Harmonisierung von Normen und Standards etwa bei Leitplanken. 24 nationale Interessenverbände aus 19 europäischen Staaten, etwa der BVDM, bilden die FEMA. Die Mitgliedsverbände entsenden Delegierte zu den dreimal pro Jahr stattfindenden Tagungen des FEMA-Komitees, auf denen Aktivitäten geplant und koordiniert werden. Die FEMA ist politisch neutral und sitzt in Brüssel.

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