999 Euro-Bikes und die Folgen (Teil 1) (Archivversion) Kauf beim Händler

Ohne Internet geht heute gar nichts mehr. Das gilt speziell für den Handel mit Gebrauchtfahrzeugen. Besonders Gewerbetreibende setzen voll auf dieses Medium, um einen möglichst großen Kreis von Interessenten zu erreichen. Tatsächlich hätten wir auf anderem Wege
vermutlich nie von der Existenz dieser FJ 1100 erfahren, die in der Nähe von München ganz hart an der Grenze zur Provinz bei einem auf abgehangenes Material spezialisierten Händler zusammen mit einer ebenfalls stark gebrauchten Honda VFR 750 die günstigste Occassion darstellte. Generell verkaufen gewerbsmäßige Händler seit der Schuldrechtsreform 2002 nur ungern Motorräder, die deutlich älter als zehn Jahre sind. Schließlich muss der Händler gegenüber Privatkunden ein Jahr für sogenannte Sachmängel gerade stehen und in den ersten sechs Monaten im Zweifelsfall beweisen, dass der Schaden zum Zeitpunkt des Kaufs noch nicht vorhanden war. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein altes Motorrad im weiteren Betrieb Gebrechen zeigt, die es zum Zeitpunkt des Kaufs noch nicht hatte, steigt überproportional mit zunehmendem Alter. Weswegen unsere FJ aufgrund des nicht fahrbereiten Zustands als Bastlerfahrzeug deklariert wurde. Der deswegen im Kaufvertrag festgeschriebene Sachmängel-Haftungsausschluss ist im Ernstfall kein Freibrief. Ob er vor Gericht Bestand hat, wird im Einzelfall entschieden. Wer aber nicht bereit ist, ein gewisses Restrisiko selbst zu tragen, sollte vielleicht besser ein paar Hunderter drauflegen und sich nach einem jüngeren Exemplar umsehen.

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