Abgasuntersuchung – so funktioniert sie Viel Rauch um nichts?

Motorräder müssen im Rahmen der Hauptuntersuchung künftig auch eine Abgasuntersuchung bestehen. MOTORRAD zeigt, was bei TÜV, Dekra und Co. zu erwarten ist, außer einer höheren Rechnung.

Foto: Bilski
Das macht dann 51 Euro, inklusive AUK«, meint die Dame hinterm Tresen und hält lächelnd die Hand auf. Inklusive was? »Abgasuntersuchung Krad«, kurz AUK. Sie ist seit 1. April 2006 fester Bestandteil der alle zwei Jahre fälligen Hauptuntersuchung. Kostete die bisher 33 Euro, macht das Ganze nun 18 Euro mehr (Preise: TÜV Süd). Hintergrund:
Im Februar hat der Gesetzgeber für alle Motorräder ab Erstzulassung 1. Januar 1989 verbindliche Grenzwerte (siehe Kasten) für das Abgasverhalten festgeschrieben. Bläst ein Bike mehr hinten raus, gilt das als erheblicher Mangel, folglich gibt’s von TÜV, Dekra oder den anderen Prüforganisationen keine neue HU-Plakette.

Gleich nach Einführung der Pflichtabgasmessung fuhr MOTORRAD mit einer nicht mehr ganz taufrischen Suzuki DR 350 zum TÜV und wollte wissen, wie ein einigermaßen gepflegtes, 13 Jahre altes Motorrad ohne jegliche Abgasreinigung dabei abschneidet. Und was genau wird überhaupt wo und wie gemessen?
Frank Ulrich ist seit zehn Jahren Prüf-ingenieur beim TÜV Filderstadt nahe Stuttgart: Hupe, Licht, Lenkkopflager, Kette, Reifen, nacheinander nickt er die Prüfpunkte an der Enduro ab. Kurze Probefahrt, Bremsung, alles okay. Wieder in der Halle, lässt er den Einzylinder im Stand
tuckern und stellt den Adapter für die Mess-Sonde dahinter auf: »Die Sonde muss mindestens 300 Millimeter tief in den Schalldämpfer eingeführt werden«, sagt er.
Doch dafür ist das rostige Serienteil der Suzuki zu kurz. Deswegen braucht’s den Adapter, quasi als Verlängerung (großes Foto). Der Übergang zwischen Endtopf und Adapter wird mit einer hitzebe-
ständigen Kunststoff-Manschette gasdicht abgeschlossen. »Das wird, unabhängig von der Schalldämpferlänge, bei Ein- und Zweizylindern bei uns grundsätzlich so
gemacht. Sonst könnte die Pulsierung der Abgase die Messung beeinträchtigen«, erklärt der TÜV-Mann und schiebt die Sonde ins Adapterrohr. Die Suzuki pröttelt derweil weiter vor sich hin. Ein kontrollierender Blick auf den Bildschirm, dann startet
Ulrich die Messung per Fernbedienung. Nach nur fünf Sekunden hat sich der
Balken auf dem Bildschirm eingepegelt: 1,468 Volumen-Prozent Kohlenmonoxid (Vol.% CO). Damit, das zeigt auch die
Balkenfarbe, ist die Suzuki noch weit im grünen Bereich. Sie könnte glatt mehr als das Dreifache, nämlich maximal 4,5 Vol.% CO, emittieren, um für weitere zwei Jahre auf die Straße zu dürfen. Anstandslos
verpasst ihr der Prüfer denn auch die Plakette, der ausgedruckte AU-Bericht muss künftig als Nachweis mit den Fahrzeug-
papieren mitgeführt werden.
Kein Grund zur Besorgnis also? So sieht es jedenfalls Christoph Gatzweiler, zuständig für Technik beim Industrie-Verband Motorrad (IVM). Der Verband hatte
in einer beratenden Arbeitsgruppe zur AU mitgewirkt, die das Bundesverkehrsministerium ins Leben gerufen hatte: »Die Werte sind so festgelegt, dass ein Fahrzeug nur dann die AU nicht besteht, wenn irgendwas nicht in Ordnung ist. Defekte Motorräder haben wesentlich mehr CO. Bei Vergaser-Modellen gibt’s dafür etliche denkbare Ursachen, von ausgeschlagenen Nadeln bis zu falschen Einstellungen. Bei der Einspritzung kann in der Regel der Fehler aus dem Fehlerspeicher ausgelesen werden. Umgekehrt gilt: Für ein gut gewartetes, technisch einwandfreies Motorrad, egal, ob mit oder ohne G-Kat, sollte die Abgasuntersuchung kein Problem darstellen.«
Vor allem deswegen nicht, weil viele Hersteller von der ihnen eingeräumten Möglichkeit Gebrauch machen, die gesetzlichen Grenzwerte je nach Modell zum Teil deutlich nach oben zu korrigieren (siehe unten). Besonders für die vermeintlich sauberen Kat-Modelle scheint das nötig.

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