04.09.2006 Von: Stefan Kaschel
Erschienen in: 19/ 2006 MOTORRAD

ABS-Spezial Der Stand der Dinge

Über den Sinn von ABS im Motorrad diskutieren heute nur noch ein paar Unverbesserliche. Die Umsetzung ist das Thema. MOTORRAD begab sich mit elf Maschinen und unterschiedlichen Antiblockiersystemen auf die Suche nach dem Status quo.
In diesem Artikel: KTM 990 AdventureHonda CBF 1000BMW F 800 SYamaha FJR 1300 ABMW K 1200 SBMW R 1200 RTriumph Sprint STDucati ST 3 S ABSSuzuki V-Strom 650Honda Varadero 1000Kawasaki ZZR 1400

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Das Ziel ist stets das gleiche, der Weg nicht.  

 

Die technologische Rückständigkeit der Zweiradbranche gegenüber der vierrädrigen Zunft ist mitunter erstaunlich. Nicht nur, was Abgas- und Gemischaufbereitungstechnologien angeht. Auch dort, wo der Motorradfahrer mehr als jeder Autofahrer auf die Unterstützung moderner Technik angewiesen ist, tat sich bisher erstaunlich wenig.

Elektronische Fahrdynamikregelungen sind in der Branche bis heute nicht en vogue. Man muss sich das einmal vorstellen: In der Vierradfraktion gehören perfekt funktionierende Antiblockiersysteme zur Serienausstattung fast jedes Kleinwagens. Dazu fordern Fachpresse und Versicherungswirtschaft unisono die serienmäßige Ausstattung aller Autos mit elektronischen Stabilitätsprogrammen (ESP). Bei uns beginnt mit 25 Jahren Verspätung der flächendeckende Zug der Antiblockiersysteme durch die Instanzen. Noch grotesker wird diese Tatsache angesichts aberwitziger Leistungsgewichte (bei Supersportlern ein Kilogramm pro PS), Beschleunigungszeiten weit unter zehn Sekunden von null auf
200 km/h und Spitzengeschwindigkeiten bis annähernd 300 km/h. Das Ganze ausgefahren auf handtellergroßen Reifen-Kontaktflächen und im vollen Bewusstsein, dass ein blockierendes Vorderrad beinahe als Sturzgarantie gelten darf.

Doch jetzt ist es endlich so weit. ABS hält Einzug in beinahe alle Motorradklassen bei fast allen Marken. Selbst bisherige ABS-Verweigerer wie Suzuki und Kawasaki sind nun dabei. Mit den für diesen Test ausgesuchten drei BMW-Modellen R 1200 R, K 1200 S und F 800 S, mit der Honda CBF 1000 und der Reiseenduro Varadero, mit der Kawasaki ZZR 1400, der Suzuki V-Strom 650 und der Yamaha FJR 1300 sowie den Europäerinnen Ducati ST3s, KTM 990 Adventure und Triumph Sprint ST stehen elf Motorräder ganz unterschiedlicher Klassen und Einsatzbereiche bereit.

Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit moderner Motorrad-Antiblockiersysteme zu demonstrieren, gab es reichlich. Neben dem Bremsversuch auf ebenem Landstraßenbelag (daher können die hier ermittelten Werte von den Top-Test-Messungen auf abgesperrtem Gelände abweichen) standen Vollbremsungen auf einer Schlechtwegstrecke und auf dem ADAC-Testgelände in Hockenheim auf dem Programm. Dort konnten die Blockierverhinderer ihre Fähigkeiten nicht nur bei Nässe, sondern auch bei gemeinen Reibwertsprüngen durch eine nasse Zebrastreifenpiste beweisen. Unter Bedingungen, bei denen Otto Normalfahrer seinen Bremshebel nicht einmal angeschaut hätte. Doch die Zeiten – so viel vorweg – scheinen nun auch auf dem Motorrad endgültig vorbei zu sein.


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