Akustik-Vergleich: Klang-Erlebnis bei Motorrädern (Archivversion) Wenn die Maschine eine HiFi-Box wäre...

Wolfgang Feld, 45, technischer Leiter des CD-Label »Phono Music«, zum Motorrad-Sound aus der Sicht des Ton-Technikers

Nach der Psychologin verblüfft uns auch der zweite unabhängige Experte. Wolfgang Feld, technischer Leiter des für außergewöhnliche Klangqualität bekannten CD-Labels »Phono Music« aus dem gleichen Hause wie MOTORRAD ist ebenfalls angetan von der Harley Davidson. Was für eher monophone Biker zugestopft und kraftlos klingt, hört sich für das geschulte Ohr des vom Bike-Bazillus kaum angesteckten Kollegen Feld ganz anders an. »Tiefes Blubbern bei niedrigen Drehzahlen, bei höherem Tempo angenehm kernig; nicht angestrengt, Kraft aus dem Volumen«, genießt der Feinakustiker die Harley Davidson Road King. Wie auch bei den anderen acht Maschinen hatte Feld verschiedene Vorbeifahrten selbst angehört, per Richtmikrofone und DAT-Recorder aufgenommen und mittels eines Spectrum Analyzer ausgewertet.»Understatement-Sound« faßt Feld, und hier würden selbst Harley-Freaks, wenn auch anders motiviert, kaum widersprechen, den akustischen Auslieferungszustand einer »deutschen« Harley zusammen, und erklärt die Details. »Die sehr starke Gewichtung im Baßbereich mit kontinuierlichem Abfall bis zu sehr schwachen Höhen sind für das menschliche Ohr eher angenehm. Es fehlen fast völlig die besonders lästigen Frequenzen zwischen 2,5 und 5 Kilohertz.«Ganz im Gegensatz natürlich zur Aprilia RSV 250. Der Zweitakt-Twin kommt beim Akustiker schlecht weg. »Rasenmäher-Sound ohne Harmonie und Klangvolumen«, lautet das vernichtende Verdict, »schreiend bei hohen Drehzahlen, trotz Nähmaschinen-Präzision lästig.« Der Italo-Schreihals trifft genau in die lästigen Frequenzen und zeigt, so Wolfgang Feld, »daß nicht unbedingt die absolute Lautstärke, sondern vielmehr die spektrale Zusammensetzung der Geräuschkulisse entscheidend ist.« Während die KTM, die BMW, aber auch die von der Insider-Fraktion akustisch sehr geschätzen Yamaha Vmax, Honda F6 oder Triumph den Klangingenieur nur zu weniger markanten Aussagen hinrissen, waren die Suzuki- und Ducati-Supersportler umso auffälliger. »Power von unten heraus«, empfand Feld beim Bologneser Edel-V2, aber auch ein »härteres, unharmonisches Klangbild« und vor allem: »nicht sehr dynamisch«. Nach den Harley-Freaks verkrault auch die Ducatisti. Die Suzuki-Power-Fraktion wird ihn kaum verdammen, trotz »ohrenbetäubendem Lärm«, aber eben auch »unbändigem Sound bei höheren Drehzahlen.« Dazu kommt das »angenehme Brummen am Start«, mit dem die Suzuki Heavy Metal-Orgie - zur Freude ihrer Fans - beginnt.

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