Alle Chopper und Cruiser 1998 Wilder Westen inklusive

Der Wunsch nach Freiheit und Abenteuer hält an: Cruiser und Chopper verkaufen sich wie warme Semmeln. Die Hersteller präsentieren 1998 Motorräder mit mehr Chorm, mehr Hubraum und einer Extraportion Gefühl.

Mir mißfällt ganz gewaltig Ihr Umgang mit deutscher Sprache und deutscher Kultur. Ich kann auf überall eingestreute Ami-Sauereien völlig verzichten«, machte sich Herr R. aus Ettlingen mal so richtig Luft. Entschuldigung, Herr R. Die Redaktion hat sich wohl zu sehr beeinflussen lassen von all den angelsächsisch angehauchten Werbebotschaften, insbesondere von Motorradherstellern aus den USA (Vereinigte Staaten von Amerika). Aber auch traditionsbewußte Firmen in Good Old Germany haben sich von den Amis anstecken lassen: BWM nennt sein neuestes Modell R 1200 C (das C steht für Cruiser) und rüstet ihn ab Werk mit einem geregeltem Katalysator aus, ABS ist für 1895 Mark Aufpreis erhältlich.
Der Chef des führenden US-Herstellers heißt Willy G. Davidson. Bei ihm und seine Freunden drüben überm großen Teich müßten derzeit pausenlos die die Budweiser-Büchsen knallen. Und das nicht nur, weil Harley-Davidson den 95sten Anniversary (Jahrestag) mit vielen Sondermodellen feiert. Der Grund ist viel profaner: Kostenintensive Werbung für Harley-Davidson-Motorräder könnten sich die Amerikaner nämlich sparen, kopiert die fernöstliche Konkurrenz doch jedes Jahr unverhohlener die Originale aus Milwaukee. Beinahe schon eine Glaubensfrage: Woher kommen denn nun die wahren Cruiser oder Chopper? Aus Japan – oder doch aus den USA. Für wertkonservative Menschen natürlich keine Frage: Echtes Schwermetall kommt aus Milwaukee, woher denn sonst. Obschon ein typisches Merkmal, der Klang des Harley-Davidson-V2-Motors, inzwischen den scharfen europäischen Geräuschgrenzwerten zum Opfer fiel. Dafür überzeugt der optische Auftritt. Insbesondere der des neuen Modells namens Electra Glide Road King Classic. Die E-Glide-Baureihe, die Wiege aller Cruiser, Vorbild für die japanischen Remakes, keine Frage. Ihr klassischer V2 wurde ganz zeitgemäß mit einer elektronischen Einspritzanlage ausgerüstet.
Bei Honda setzt man mit der neuen VT 1100 C 3 Shadow Aero lieber auf das Design vergangener Tage, genauer: die sogenannte Post-Art-Déco-Ära der 30er Jahre. Weißwand-Reifen, ein Fishtail-Auspuff und ein noch breiterer Lenker sollen dieses Anliegen auch Menschen ab Jahrgang 1940 erkennbar machen. Und weil der ursprüngliche V2 nach Meinung der Honda- Ingenieure nicht stark genug vibrierte, oszillieren die Kolben bereits seit der VT 1100 C2 ACE auf einem gemeinsamen Hubzapfen, um »das klassische pulsierende Gefühl des V-Twin« zu vermitteln. Soweit der Honda-Pressetext.
Auch bei Kawasaki Heavy Industries gibt man sich keine Blöße und krönt die VN 1500-Baureihe mit der CL Tourer. Ihr gebührte im inoffiziellen Road King-Imitatorenwettstreit der erste Preis, hätten die Techniker ihr stilechte Speichenräder statt schnöder Gußteile spendiert. Der Preis für die CL Tourer steht noch nicht endgültig fest, sollte aber unter 23000 Mark liegen.
Wer’s etwas exklusiver liebt, bekommt für 21900 Mark einen Italo-Cruiser mit bäriger Motorcharakteristik namens Moto Guzzi California 1100 EV. Ein anderer Klassiker, die Suzuki VS 1400, erhält mit der Neuvorstellung VL 1500 CL endlich Verstärkung. Getreu der Cruiser-Maxime »Bigger is better« schloß Suzuki mit dem 1500er V-Twin zur Konkurrenz auf. Willkommen im Club, Suzuki. Der Preis des neuen Cruisers aus Hamamatsu liegt wahrscheinlich sogar unter der 20000-Mark-Grenze.
Erfreuliches auch aus Hinkley, Mittelengland. Triumph hat den Preis für den englischten aller Cruiser gesenkt: Die Adventurer mit dem für Triumph typischen Dreizylindermotor kostet statt 17490 nun 16990 Mark.
Für noch weniger Geld bekommt man den ungekrönten Star der Crusier-Szene: Der heißt Yamaha XVS 650 Drag Star und kostet 12490 Mark. Nicht nur deshalb fand die XVS dieses Jahr 4400 Fans. Grund genug für Yamaha, schnell nachzulegen: Drag Star Classic heißt die Neue und imponiert mit breiterem Vorderreifen und einer dickeren Gabel. Ihre Schwester XV 535 erscheint pünktlich zu ihrem zehnten Geburtstag in leicht geänderter Aufmachung und dem Beinamen DX. Damit sollte sich die rekordverdächtige Zahl von 50000 verkauften XV 535 leicht erreichen lassen – allein in Deutschland wohlgemerkt.

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