Aprilia SL 1000 Falco (VT: Zwei-/Vierzylinder) (Archivversion) Technik im Überblick

Im Rudel der dicken Reihenvierer tummeln sich weit weniger exotische Konzepte als im Twin-Revier. Alle drei Vertreter setzen auf zwei per Kette angetriebene, obenliegende Nockenwellen sowie Gleichdruckvergaser mit 36 bzw. 37 Millimeter Durchmesser. Selbst das Hub-Bohrungs-Verhältnis ist nahezu identisch. Die Fazer setzt beim Gaswechsel zudem als einzige auf fünf Ventile pro Zylinder, die über betätigt werden, während Kawasaki und Suzuki mit Schlepphebeln operieren. Statt eines Wassermantels sorgt bei Suzuki eine Extraportion Öl inklusive dem dazugehörigen Kühler für einen ausgeglichenen Temperaturhaushalt des Triebwerks. Besonderes Merkmal des SACS (Suzuki Advanced Cooling System) genannten Prinzips: die Spritzölkühlung der Kolbenböden von den Pleuellagern aus. Alle drei Vierzylinder reichen ihre Kraft über Fünf- oder Sechsganggetriebe (Fazer) per Kette ans Hinterrad weiter. Spezialität der Yamaha: die übereinanderliegenden Getriebewellen für besonders kurze Baulänge. Überhaupt zeigt das ultrakompakte Fazer-Aggregat, wie gut sich ein Sportmotor für den Allround-Einsatz domestizieren lässt. Ürsprünglich im Deltaboxrahmen der YZF-R1 eingesetzt, bekam der Feuerspucker einen neuen Zylinderkopf samt horizontal angeflanschter Vergaserbatterie spendiert. Weitere Beruhigungsmaßnahmen: eine um zehn Prozent schwerere Kurbelwelle sowie eine andere Auspuffanlage, die wie bei der R1 mit dem Exup-Auslasssteuerungssystem aufwartet.Alles andere als Einheitsbrei tischen die Europäer mit ihren Zweizylindern auf. Moto Guzzis Stationäraggregat, das in den sechziger Jahren fürs Militär auf den Betrieb in Motorrädern abgeändert wurde, ist mittlerweile eine Legende. In dem luftgekühlten 90-Grad-V-Motor mit längsliegender Kurbelwelle betätigt eine untenliegende Nockenwelle über Stoßstangen und Kipphebel zwei Ventile pro Zylinder. Die 90-Grad-Anordnung der Zylinder bewirkt einen effizienten Massenausgleich, der unorthodoxe Einbau sehr gute Fahrtwindkühlung beider Zylinder. Die Kraftübertragung erfolgt wie bei BMW über eine Trockenkupplung und ein separat angeflanschtes Getriebe. Das war’s aber auch schon mit der bayrisch-italienischen Gemeinsamkeit. Der Boxermotor der BMW, durch seine Einbaulage mit aerodynamischen Nachteilen bestraft, ist theoretisch mit gutem Massenausgleich gesegnet. Er beweist seit über sieben Jahrzehnten, wie man altbewährte Technik weiterentwickeln und leistungstechnisch aufbereiten kann. Das Konglomerat aus halbhoch positionierten, über Steuerkette angetriebenen Nockenwellen die ihrerseits über Tassenstößel, Stoßstangen und Kipphebel die vier Ventile pro Zylinder betätigt, ist mehr als aufwendig. Ebenso wie der Einbau einer zweiten Ausgleichswelle zwischen den Nockenwellen des hinteren Zylinders beim 1000er-Rotax-Motor. Das 60-Grad-V-Aggregat, durch den Zylinderwinkel vibrationsanfällig, kommt in diversen Aprilia-Modellen zum Einsatz. Der wassergekühlte Vau baut enorm schmal, verfügt über eine Trockensumpfschmierung, Doppelzündung sowie ein pneumatisch unterstütztes Kupplungssystem, das nicht nur die Handkraft verringert, sondern auch ungewolltem Hinterradstempeln beim Runterschalten entgegenwirkt.

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