Ducati-Übernahme durch Autohersteller Audi kauft Ducati: Leidenschaft siegt

Jetzt ist es amtlich. Der deutsche Autobauer Audi übernimmt den italienischen Motorradhersteller Ducati. Der Kaufpreis beträgt angeblich 860 Mio. Euro.

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Foto: Gargolov

Seit Wochen brodelte bereits die Gerüchteküche, dank exklusiver Informationen aus dem Werk in Bologna verfolgte MOTORRAD online das Fortschreiten aus nächster Nähe. Als dann auch noch Audi-Boss Rupert Stadler am 20. März persönlich bei Ducati vorsprach, war eigentlich schon alles klar.

Weniger klar ist, was die VW-Tochter Audi genau mit Ducati will. Von einer langfristigen Strategie für die urbane Mobilität war da bereits die Rede, denn Verkehrsexperten gehen davon aus, dass in 20 bis 30 Jahren nur noch Zweiräder durch die Mega-Metropolen kreuzen dürfen. Für solche Konzepte hat Ducati derzeit allerdings auch nichts im Programm, denn die brandneue Panigale mit ihren 195 PS eignet sich als Stadtvehikel denkbar schlecht.

Abseits solcher Zukunftsspekulationen scheint es daher wahrscheinlicher, dass sich Ferdinand Piëch, Graue Eminenz und Aufsichtsratsvorsitzender des VW-Konzerns mit dem Kauf von Ducati einen Herzenswunsch erfüllt. Schon seit Jahren stehen die Italiener – wie übrigens auch Alfa – auf seinem privaten Einkaufszettel. Piëch, der gerade 75 wurde, ist ein engagierter Motorradfahrer, der seine Ducati Desmosedici überaus gut beherrscht. Zudem ist er ein Mann, der es sich leisten kann, seinen Leidenschaften zu frönen – warum dann nicht statt eines neuen Motorrads gleich den ganzen Motorradhersteller kaufen?

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Foto: Ducati
Erste Bilder von der Pressekonferenz in Mailand. Ducati präsentiert seinen neuen Supersportler für 2012: Ducati 1199 Panigale.
Erste Bilder von der Pressekonferenz in Mailand. Ducati präsentiert seinen neuen Supersportler für 2012: Ducati 1199 Panigale.

Für Ducati ist der Verkauf an Audi mit Sicherheit ein positiver Schritt. Der Hersteller gehörte bislang mehrheitlich dem italienischen Finanzfonds Investindustrial, der aber weniger am Produkt, sondern vielmehr an möglichst schnellen und starken Gewinnen interessiert war. Während die italienischen Gewerkschaften die Übernahme durch Audi bereits nachdrücklich begrüßten, herrscht bei den Ducati-Beschäftigten derzeit noch Unsicherheit – zumal die italienischen Medien seit Wochen Stimmung gegen den Verkauf machen: Ducati sei ein "italienisches Juwel", so der Tenor, das unbedingt im Land bleiben müsse. Doch da wird die Marke ohnehin bleiben: Audi hat nicht die leiseste Absicht, den Produktionsstandort zu verlegen.

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