Audi macht KTM leichter Alles im Rahmen

Und zwar im Rahmen ihrer Ausbildung, da haben sich drei Auszubildende bei Audi mit dem Motorrad beschäftigt. Für eine KTM 250 SX-F bauten sie einen Rahmen mit integriertem Tank. Der sollte leichter sein als das Original

Foto: fact
Die Aufgabe war nicht leicht. Und der erste Rahmen, den sie zusammenschweißten, war es auch nicht. »Eigentlich wollten wir uns ja im Leichtbau üben«, sagt Alessandro, »doch der Prototyp, den wir zuerst fertigten, war schwerer als das Original.« Aber mit leichten Aufgaben gibt sich bei »Jugend forscht« ohnehin niemand ab. Da untersuchen Nachwuchswissenschaftler zum Beispiel das Verhalten von »entomopathogenen Nematoden an Mehlwürmern«. Das klingt natürlich bedeutsamer als der Versuch, ein Motorrad um ein paar Kilo zu erleichtern.
Interessanter als die Nematoden erschien den drei Auszubildenden im Karosseriebau trotzdem das Motorrad. Und es liegt ihnen mehr. Alessandro Palumbo, 17, spulte in einem Jahr 25000 Kilometer auf seine 125er, Philipp Hohnerlein, 24, schrottete erst kürzlich seine Maschine. Nur Manuel Schramm, 19, fährt (noch) Auto.
Arbeitgeber Audi hat nichts gegen die Zweiradambitionen seiner Azubis. Wiewohl man dort nichts mehr fürchtet als das Gerücht, Audi baue wieder Motorräder. Sie machen’s nicht. Behaupten sie in Neckarsulm. Da, wo früher die NSU entstanden, für die Audi die Markenrechte besitzt. Motorräder finden, das betont man fast manisch, nur in der Lehrwerkstatt statt.
Auf die Idee kamen Manuel, Phillipp und Alessandro von selbst. Dass sie ausgerechnet eine KTM beackerten, hat nichts mit einem offiziellen Gegengeschäft zu tun. Audi liefert den 2.0-FSI-Motor für KTMs Autoversuch X-Bow. Dass KTM für das Lehrprojekt weit vor Verkaufsstart eine 250 SX-F stellte, lag indes an guten privaten Kontakten, wie Thomas Janssen, Leiter des Kundendienst und Servicecenters ausführt. Janssen fährt seit 30 Jahren Cross und Enduro: »Über zwei und vier Räder gibt es einen heißen Draht zu KTM.« Und dahin geht die Maschine jetzt wieder zurück, nach Mattighofen in den Fahrversuch.
Man will es dort wissen. Und die drei Rahmenbauer wollen das auch: wissen, was ihre Konstruktion in der Praxis taugt. Denn aus der Praxis heraus ist sie entstanden. Ohne große Computeranimationen, ohne komplizierte Berechnungen. Mit einer Rahmenlehre ermittelten sie die Geometrie und nahmen die Motoraufhängungspunkte ab. Mit diesen Fixpunkten im Hinterkopf machten sie sich daran, einen Gitterrohrrahmen zu schweißen, der a) nicht so aussieht wie von Ducati, b) den Tank aus hochfestem Karosseriestahl integriert, c) einen optimalen Kompromiss aus Steifigkeit und Flexibilität bringt und d) weniger wiegt als das Ausgangsprodukt, ein simpler Doppelschleifen-Rohrrahmen.
»Rahmen bauen ist nicht schwierig«, meint Leichtbauspezialist Erick Sigel, »der Bau eines leichten und guten Fahrwerks erfordert aber Erfahrung und Fingerspitzengefühl.« Das hatten die drei Jungs. Und 1,5 Kilogramm weniger auf die Waage gebracht, Tank inklusive, als das bloße Rohr von KTM. Dass ihr Gitterrohrwerk allen Anforderungen genügt, haben sich die drei Nachwuchs-Konstrukteure von den Audi-Spezialisten für Leichtbau nicht nur in der Qualitätskontrolle bestätigen lassen. Alles bestens. Was auch daran lag, dass sich die Gruppe zu fast allen Tages- und Nachtzeiten ins Zeug legte, Wochenenden inklusive. Dennoch: Es hat nicht ganz gereicht, das fertige Motorrad beim Wettbewerb »Jugend forscht« zu präsentieren. Damit hätte man sicher mehr Eindruck gemacht als nur mit dem Rahmen. Der nicht nur formal gelungen scheint.

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