Aue, Holger: 10 Jahre Comic-Jubiläum in MOTORRAD (Archivversion)

Hinnerk »Wheelie« Wippermann mag
Ducati. Ihrer Sportlichkeit wegen. Und
er mag, so geht
zumindest das Gerücht, eine Langbeinige, die allerdings der Ducati wenig abgewinnen konnte. Ebenfalls der Sportlichkeit wegen. Also kam
Hinnerk zur Cagiva,
weil die Elephant gleichsam die Schnittmenge repräsentiert. Hat einen Ducati-Motor und ist so langbeinig, dass hinten drauf auch eine ebenso Langbeinige Platz findet. Wobei: In den Comics ist
diese ominöse Dame bislang noch nicht
aufgetaucht.
Harry Quiddelbacher fährt Laverda, wenn denn die Laverda fährt. Also nur gelegentlich. »Der bringt aber auch gar nichts mit seinem Moped auf die Reihe«, sagt Holger Aue. »Und ausgerechnet der Typ mit den zwei linken Händen schweißt im Kernkraftwerk Kühlrohre zusammen. Besser kannst du das doch nicht erfinden.« Stimmt, Holger. Unsere Rede. Auf Quiddelbachers Sonderstatus, ein qua Gefährt
den Motomanen eigentlich nicht zuzurechnendes Individuum, verweist Aue subtil,
indem er dem Laverda-»Fahrer« die Gunst der Alliteration von Vor- und Nachnamen entzieht, denn prinzipiell könnte Harry
ja auch Quintus Quiddelbacher heißen.
Duc Döttinger wird vor allem dadurch
definiert, dass ihm
was fehlt. Denn er fährt eine Ducati Pantah 500 SL mit mehr als 200000 Kilometern auf der Uhr. Streng
genommen fehlt Döt-
tinger nicht wirklich was, sondern seiner Pantah. Leistung nämlich. Obwohl man sich schon fragen kann, ob jemandem
vielleicht was fehlt, wenn er mehr als 200000 Kilometer Pantah fährt.
»Bernd ‚Brembo’ Breidscheid fährt seit seiner Geburt Kawasaki und hat auf der
linken Arschbacke ein großes K eintätowiert.« Diese Intimitäten gibt Aues Comicband Motomania 2 preis. Mit diesem signi-
fikanten K wäre Breidscheid noch nicht zwangsläufig ein Außenseiter, denn wer weiß schon, was sich Quiddelbacher,
Döttinger oder Wippermann auf ihre Backen haben stechen lassen (Holger, zeig’s uns!). Sein Motorrad indes, auf das großes K verweist, könnte ihn zu einem solchen machen. Doch wird Breidscheid trotz Rau-Kawasaki von der italophilen Gemeinde aufgenommen und nicht als Ketzer gebrandmarkt. Welch schönes Plädoyer für die Toleranz unter Motorrad-fahrern. Aber wehe, Breidscheid führe einen Stangenjaps. Dann wäre Schluss mit nett.

Holli Hatzenbach ist, wie erkennungsdienstlich aus Brille, Haarschmuck und Guzzi Le Mans leichthin zu schließen, kein anderer als der Meister selbst. Der, weil das Motorradleben eh die besten Geschichten schreibt, nicht umhin kommt, sich selbst zu dramatisieren und einfach hinzustricheln, was ihm so Tag für Tag widerfährt. Mehr muss in seinem Fall aber auch wirklich nicht sein.

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